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Angst vor der nächsten Zahnarztrechnung

Zahnersatz-Kosten Angst vor der nächsten Zahnarztrechnung

Damit ihr nächster Zahnarztbesuch nicht dem "Gang nach Canossa" gleicht, informieren wir Sie über Heil- und Kostenpläne, geben einen Einblick, welche Kosten die Krankenkassen übernehmen, und ob für Sie ein Dentalurlaub sinnvoll ist.

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Quelle: fotolia ©pressmaster

In Erwartung des unvermeidlichen wie ungeliebten Termins sind die Deutschen jedoch nicht zimperlich, was die Entschlossenheit angeht, sich auch tatsächlich in die Obhut eines Spezialisten zu begeben. Im letzten Jahr suchten tatsächlich auch 77 Prozent der Patienten mit Zahnproblemen einen Zahnarzt auf, nur die Holländer und Dänen sind noch fleißigere Zahnarzt-Gänger. Rund jeder siebte Deutsche nahm im letzten Jahr dabei einen Zahnarztbesuch auf Grund eines akuten Notfalls wahr.

Und unter denen, die dennoch einer Behandlung ferngeblieben sind, gibt fast jeder Zehnte an, den Besuch gemieden zu haben, weil dieser zu teuer sei. 100.000 Deutsche teilen sich rund 86 praktizierende Zahnärzte – EU-Spitze.

Tiefe Eingriffe in den Geldbeutel - Heil- und Kostenpläne

Zahnbehandlung

Eine zahnärztliche Grundversorgung ist zwar durch die Versicherer finanziell abgedeckt, bei zusätzlichen Kassenleistungen wie Zahnersatz kann es jedoch für den Betroffenen schnell ins Geld gehen.

Quelle: fotolia ©luckybusiness

Eine repräsentative Umfrage des Gesundheitsmagazins „Apotheken Umschau“ förderte ein nachdenklich stimmendes Ergebnis zutage. Die Umfrage, durchgeführt von der GfK Marktforschung Nürnberg, befragte dabei 2.229 Frauen und Männer ab 14 Jahren. Zwei von fünf der Befragten räumten ein, kein Geld für eine Zahnbehandlung von mehr als 500 Euro übrig zu haben. Jeder Achte (12,1 %) hat einen oder mehrere fehlende Zähne, deren Lücken nicht durch Zahnersatz oder -prothesen ersetzt sind. Offenkundig ist es vordergründig eine Frage des Preises, ob überhaupt und für welche Art der Versorgung sich der Patient entscheidet. Zahnersatz stellt für viele eine kaum zu bewältigende finanzielle Belastung dar, im Schnitt müssen Patienten 724 Euro jährlich für ihren Zahnersatz aus eigener Tasche dazu zahlen. Für immer mehr Bundesbürger ist ein strahlendes, ästhetisch ansprechendes Lächeln zu einem Luxusgut geworden, besonders was Kronen, Brücken und Implantate angeht.

Bei Diagnose „Zahnersatz“ erstellt der Zahnarzt für den Patienten einen zahnärztlichen Befund, den sogenannten Heil- und Kostenplan (HKP) . Dieser schlüsselt die geplante Behandlung sowie die Kosten auf und muss bei der Krankenkasse eingereicht und von ihr genehmigt werden, bevor der Zahnarzt mit der Behandlung beginnen kann. Die Kasse prüft dann, ob und in welchem Maße die Voraussetzungen für einen Zuschuss gegeben sind und legt die Zuschusshöhe fest. Aus der Differenz von der Höhe des HKP und des Festzuschusses berechnet sich dann der Eigenanteil des Patienten.

Der Heil- und Kostenplan ist

  • für gesetzlich Versicherte rechtlich vorgeschrieben
  • kostenfrei, auch bei Einholen eines zweiten, alternativen Plans
  • ein halbes Jahr gültig - nach Ablauf der Frist kann ein Antrag auf Verlängerung gestellt werden
  • keine Beurteilung darüber, ob die angegebenen Kosten angemessen sind. Sie werden auch in ihrer Höhe von der prüfenden Krankenkasse nicht evaluiert.

Die voraussichtlich entstehenden Kosten inklusive Material- und Laborkosten werden im HKP nur schätzungsweise auf Basis einer rechtlich nicht verbindlichen Basis angegeben. Allerdings sieht der Gesetzgeber vor, dass die Schätzung vom behandelnden Arzt so exakt wie möglich durchgeführt werden sollte. Eine zu erwartende Überschreitung der im Kostenvoranschlag genannten Kosten um mehr als 15 Prozent bedarf einer zeitnahen Mitteilung des Arztes an den Patienten. Droht der Prozentrahmen überschritten zu werden, ist eine neue Genehmigung notwendig.

Wenn der nächste Zahnarztbesuch ansteht - Was zahlen die Krankenkassen?

Die positive Nachricht vorweg: Der Gesetzgeber sieht für sozial Schwache eine Härtefallregelung beim Zahnersatz vor. Sie muss beantragt und das Einkommen nachgewiesen werden. In den Genuss von 100 Prozent Zuzahlung zum Basis-Zahnersatz kommen

  • Bafög-Empfänger
  • Hartz IV-Bezieher
  • Sozialhilfe-Empfänger
  • Bezieher einer Grundsicherung im Alter
  • Heimbewohner, deren Unterbringung die Sozialhilfe oder die Kriegsopferfürsorge trägt
  • Empfänger von Kriegsopferfürsorge
  • Alle übrigen Personen, die monatlich weniger als 1.162 Euro brutto verdienen – allerdings: Wer leicht über der Einkommensgrenze liegt, kann auf Basis einer individuellen Berechnung ebenfalls einen höheren Festzuschuss erhalten.

Die restlichen Personengruppen haben Anspruch auf mindestens einen hälftigen Kostenzuschuss seitens der Krankenkasse – und haben die Höhe dessen, was über eine 50prozentige Kostendeckung hinausgeht, durch eigenes Verhalten dabei selbst in der Hand: War der Patient immer bei der Vorsorge und führt ein Bonusheft, in dem der Besuch der Vorsorgeuntersuchungen vermerkt ist, liegt der Zuschuss etwas höher. Erstatteten Kassen zum Beispiel bisher bis 50 % der tatsächlichen Kosten einer Regelversorgung, gibt es mit Bonusheft einen Zuschlag auf den Festzuschuss von 15 Prozent. In dem Fall würde die Kasse 65 Prozent zu einer Prothese beisteuern.

Zahnimplantat

Zahnimplantate – Für viele immer noch ein unbezahlbarer Luxus.

Quelle: fotolia ©psdesign1

Patienten, die Kronen, Brücken oder Prothesen benötigen und gesetzlich krankenversichert sind, erhalten seit 2005 einen festen Zuschuss zum Zahnersatz, der von Kassen und Zahnärzteschaft für eine einfache Regelversorgung festgelegt wird und in einer jährlich überarbeiteten, detaillierten Liste an Festzuschüssen (PDF) aufgeführt ist. Für ein und denselben Zahnbefund gibt es stets den gleichen Betrag. Die Höhe des Festzuschusses zum Zahnersatz richtet sich nach der zum Befund gehörenden Regelversorgung, die eine Standardtherapie beinhaltet. Sie stellt jeweils die im Kosten-Nutzen-Verhältnis ökonomischste und preiswerteste Therapieform dar. Diese Regelversorgung umfasst etwa - mit Ausnahme der Teleskopkronen - nicht- oder teilverblendete Brücken und Kronen aus einer Metalllegierung sowie Klammerprothesen.

Allerdings: Wünscht der Betroffene einen höherwertigen Zahnersatz – aus Keramik oder höherwertigen Kunststoff-Kompositen – muss der Patient aus eigener Tasche zahlen, was mitunter teuer werden kann und meistens finanziell nicht tragbar ist. Das gilt auch für die Wahl einer komplett anderen Versorgung, speziell für Implantate oder Inlays statt Brücken.

Der Nachteil für viele Patienten: Auch dann, wenn der Zahnersatz durch die höherwertige Behandlung viel teurer ausfällt, bleibt der Kassenzuschuss immer gleich.

Von der Krankenkasse komplett übernommen werden dagegen die Kosten für folgende Zahnbehandlungen:

  • Entfernen von Zahnstein
  • Parodontose-Behandlung
  • Entfernen von Karies
  • Füllen von Zahnlöchern mit dem jeweils preiswertesten Material
  • Wurzelkanalbehandlungen
  • Zahnextraktionen
Bonusheft

Mit einem lückenlos geführten Bonusheft lässt sich bares Geld sparen.

Quelle: fotolia ©Stockfotos-MG

Haben Versicherte fünf Jahre hintereinander ihren Zahnarzt zur Vorsorge aufgesucht und können das durch Stempel im Bonusheft nachweisen, erhöht sich der Festzuschuss ab dem sechsten Jahr auf 60 Prozent. Lässt sich der Versicherte zehn Jahre hintereinander die jährliche Vorsorgeuntersuchung in seinem Bonusheft lückenlos abstempeln, hat er Anspruch auf eine Bezuschussung von 65 Prozent ab dem elften Jahr.  

Die Flucht nach vorne – Vom Segen und Fluch von Zahntourismus

Um den selbst aufzubringenden Eigenanteil bei Zahnersatz möglichst gering zu halten, kann sich ein Blick auf einen bundesweiten Kostenvergleich von Zahnleistungen lohnen. So sind die Zahnarzt-Kosten in Deutschland alles andere als gleich, generell besteht ein West-Ost-Gefälle mit den günstigsten Preisen in den ostdeutschen Bundesländern. So fällt eine Rechnung in Berlin am günstigsten aus, gefolgt von Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin ist im Übrigen die günstigste Zahnarztstadt Deutschlands.

Dagegen ist das Saarland das Bundesland mit den höchsten durchschnittlichen Gesamtkosten von 730 Euro, gefolgt von Sachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils knapp 600 Euro.

Entgegen landläufiger Meinung herrschen selbst unter den deutschen Städten erhebliche Unterschiede bei den Zahnarzt-Kosten. Die teuersten Zahnprothesen und Kronen gibt es in München (923 Euro) , Essen liegt bei Prothesen am günstigsten mit einem durchschnittlichen Preis von 738 Euro. Implantate und Brücken sind besonders in Stuttgart kostenintensiv (3.363 Euro), in Münster betragen die Zahnarzt-Kosten für Implantate im Durchschnitt 2.625 Euro – Tiefst-Rekord.

Zahntourismus beinhaltet jedoch nicht nur das bloße Erstellen und Einsetzen von Zahnersatz im Inland, auch im Ausland können Patienten selbst Brücken, Kronen und Implantate von einem dort ansässigen Zahnarzt erhalten. Es gibt eine Reihe von Ländern und Regionen, die sich auf den Zahntourismus spezialisiert haben und deutlich günstigere Behandlungen und eine ausgebaute Infrastruktur anbieten.

Dabei ist das oft erhebliche Preisgefälle dem unterschiedlichen Lohnniveau geschuldet, das in Ungarn etwa deutlich niedriger als in Deutschland oder der Schweiz anzusiedeln ist. Auch möglicherweise niedrigere Materialkosten sowie günstigere Materialeinkäufe durch Großkliniken können eine Rolle bei der günstigeren Preisgestaltung spielen. So sind Dentallabore, die sich auf das Anbieten von Auslandszahnersatz spezialisiert haben, oftmals sehr groß und verfügen über hohe Auftragsvolumina. Allgemein- und Verwaltungskosten können dann günstiger umgelegt werden.

Für Patienten aus Deutschland sind die europäischen Zahntourismuszentren auch gleichzeitig Top-Reiseziele:

  • Ungarn
  • Türkei
  • Spanien
  • Kroatien.

Besonders in den ostdeutschen Bundesländern zieht es Patienten aufgrund der geografischen Nähe auch nach Tschechien und Polen. Aufgrund der Kostenerstattung bei einer Zahnbehandlung innerhalb der Europäischen Union sind EU-Länder für Deutsche natürlich besonders interessant.

Egal, ob es sich um Zahnkronen, Zahnbrücken, Zirkon-Kronen, Teleskopprothesen, Stegprothesen, Voll- oder Teilprothesen, festsitzenden, herausnehmbaren oder kombinierten Zahnersatz handelt – Ungarn gilt mittlerweile als Europas Adresse Nummer Eins mit den günstigsten Preisen. Viele Urlauber kombinieren daher das Angenehme mit dem Nützlichen und verbringen auch gleich ihren Urlaub in Budapest & Co.

Der Hintergrund: Bürger der Europäischen Union (EU) haben grundsätzlich das Recht auf freie Arztwahl, egal ob in Deutschland, Polen oder Ungarn. Die Krankenkasse muss immer den gleichen Zuschuss gewähren. Wenn die Rechnung niedrig ausfällt und sich der Eigenanteil des Patienten so auf null reduzieren lässt, kann er das Ersparte gleich in einen Urlaub vor Ort investieren. In Ungarn können Zahnbehandlungen bis zu 70 Prozent günstiger ausfallen, parallel hierzu hat sich gleich eine ganze Tourismusbranche auf die Zahnurlauber eingestellt. Mehr über die zu erledigenden Anträge und Formalitäten sowie über Gewährleistungsansprüche findet sich in einer aktuellen Übersicht zum Dentaltourismus.

Symbolbild Zahnarzt

Wer beizeiten eine private Zahnzusatzversicherung abgeschlossen hat, hat im Ernstfall gut lachen.

Quelle: fotolia ©Blickfang

 

Allerdings: Zahnarztpraxen in Nachbarländern locken häufig mit günstigen Angeboten für Zahnbehandlungen. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, da nicht immer notwendigerweise die gleichen qualitativen Standards wie in Deutschland gelten müssen. Problematisch kann es auch werden, wenn im Falle von Nachbehandlungen oder Komplikationen ein erneutes, zügiges Aufsuchen im Ausland nötig wird.

Ist eine private Vorsorge wichtig?

Zu den Top-Reisezielen im Zahntourismus weltweit gilt Thailand, womodernste und sehr große Zahnkliniken Patienten aus aller Welt behandeln. Wer sich nicht unbedingt eine Reise ins EU- oder weltweite Ausland leisten kann oder will, dem steht auch noch eine weitere Option zur Verfügung, sich die Kosten für Zahnersatz leisten zu können: Die private Form einer Kosten-Absicherung durch Abschluss einer entsprechenden Zahnersatzversicherung.

Viele Anbieter haben sich darauf spezialisiert, ihren Kunden ein individuell anpassbares Schutzpaket anbieten zu können, und so Versicherte vor hohen Zahlungen nach dem Zahnarztbesuch zu bewahren.

Dabei haben sich Zahnersatzversicherungen als Verkaufsschlager für viele Versicherer erwiesen. Laut einer Verbrauchs- und Medienanalyse der Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) war im letzten Jahr rund jeder sechste Bundesbürger (16,6 Prozent) im Besitz einer entsprechenden Police.

Der Anteil der Zahnleistungen ist dabei nach Angaben des Zahlenberichtes der Privaten Krankenversicherung 2014 in den letzten acht Jahren am Gesamtaufkommen der Versicherungsleistungen der privaten Krankenversicherung kontinuierlich gestiegen: Von rund 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf rund 3,9 Milliarden in 2014. Nach ambulanten und stationären Versicherungsleistungen rangiert der Umsatz an Zahnleistungen auf Platz drei, noch vor Kranken(haus-)Tagegeld und Pflegezusatzversicherung.

Der Vorteil: Den Kassenanteil von 50 bis 65 Prozent kann der Kassenpatient mit einer Privatversicherung aufstocken und sich dann auch für hochwertige Materialien wie Keramik oder Gold entscheiden. Bei den Zahntarifen ist dabei auf einen möglichst geringen Eigenanteil des Versicherten zu achten. Allerdings gibt es dabei keine Versicherung, welche die kompletten Kosten übernimmt.

Redaktion

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