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Blutplasma und seine Heilkraft: Warum der Lebenssaft in unseren Adern so wichtig ist

Lebensrettende Spenden Blutplasma und seine Heilkraft: Warum der Lebenssaft in unseren Adern so wichtig ist

Ein 100.000 Kilometer langes Transportband durchzieht den menschlichen Körper und arbeitet tagein tagaus, indem es Sauerstoff in jede Ecke des Körpers befördert und auf dem Rückweg Kohlendioxid mitnimmt. Zudem werden Zucker, Fett, Vitamine und Spurenelemente im Körper verteilt, Endprodukte wie Harnstoff aufgesammelt, Eindringlinge bekämpft und Defekte selbstständig repariert.

Der Grimmaerin Martina Altherr wurde durch mehrfachen Plasmaaustausch – hier in der Blutbank der Leipziger Universitätsklinik mit dem Transfusionsmediziner Dr. Atheer Al-Nakkash – das Leben gerettet.
 

Quelle: privat

Leipzig . Ein unglaublich langes Transportband durchzieht den menschlichen Körper. Es ist 100.000 Kilometer lang und arbeitet tagein und tagaus, indem es Sauerstoff in jede Ecke des Körpers befördert und auf dem Rückweg Kohlendioxid mitnimmt. Zudem werden Zucker, Fett, Vitamine und Spurenelemente im Körper verteilt, Endprodukte wie Harnstoff aufgesammelt, Eindringlinge bekämpft und Defekte selbstständig repariert – fünf bis sechs Liter Blut bilden dieses leistungsfähige Transportband. Und weil ohne Blut der Mensch nicht funktionieren würde, wird das Blut auch als Lebenssaft bezeichnet. In Deutschland werden jeden Tag immerhin 15.000 Blutspenden benötigt, damit Verletzten nach Unfall, Krankheit oder Operation geholfen werden kann.

Schon ein Blutbestandteil, das Plasma, kann heilende Wirkung haben. Deshalb findet Blutplasma bei schweren Operationen und nach schweren Verbrennungen oder Schock Verwendung. Mit dem flüssigen Anteil des Blutes, und zwar durch dessen Austausch, kann auch Menschen mit seltenen chronischen Krankheiten geholfen werden.

Martina Altherr aus Grimma wurde mit einer Plasmaaustauschtherapie vermutlich das Leben gerettet: Der 62-Jährigen ging es im Sommer letzten Jahres innerhalb kürzester Zeit immer schlechter, sie wurde schwach, kurzatmig, klagte über Schwindel und Sehstörungen. Am Leipziger Universitätsklinikum wurde die Diagnose gestellt: Thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) – eine seltene, lebensbedrohliche Krankheit, bei der die Blutgerinnung gestört ist. Das Blutplasma der Patientin musste innerhalb von drei Monaten 59-mal ausgetauscht werden. Insgesamt erhielt sie während ihrer Behandlung 1.103 Beutel Spenderplasma, das entspricht einer Gesamtmenge von fast 221 Litern.

Heute ist die Grimmaerin überglücklich: „Ich danke wie verrückt jedem, der Plasma spendet. Vor meiner Erkrankung war ich selbst über viele Jahre Plasmaspender, habe das immer gern getan, doch eher ohne darüber nachzudenken. Jetzt erst kann ich es einordnen, was es heißt, dass man mit seiner Spende Leben rettet.“

„Je schwerer die Erkrankung, umso häufiger führen wir bei den Patienten einen Austausch durch, in einigen Fällen sogar zweimal täglich“, erläutert Oberärztin Dr. Elvira Edel, Transfusionsmedizinerin und derzeit kommissarische Direktorin am Institut für Transfusionsmedizin des UKL. Sie verweist dabei auf den enormen Bedarf an Blutplasma: „Vor zehn Jahren noch war diese hocheffiziente Plasmaaustausch-Therapie kaum zu realisieren, Patienten wie Martina Altherr konnte kaum geholfen werden. Insofern ist der heutige Wissensstand in Medizin und Technik sehr beeindruckend. Doch um diese Therapien jederzeit durchführen zu können, sind wird auf die Unterstützung zahlreicher Spender angewiesen, die regelmäßig Plasmaspenden bei uns leisten.“ In der letzten Zeit habe am UKL vor allem die Zu­nahme an therapeutischen Plasmapheresen den Bedarf an Blutplasma stark ansteigen lassen. Mehr denn je zähle nun jede geleistete Plasmaspende, so die Oberärztin.

Welche wunderbaren Möglichkeiten sich durch die Anwendung von Blutplasma ergeben, davon konnte auch der DHfK-Handballer Lucas Krzikalla profitieren. Seine Achillessehne war komplett gerissen, die Karriere des 23-Jährigen stand auf der Kippe – bis Prof. Dr. Pierre Hepp, Mannschaftsarzt der Leipziger Erstliga-Handballer und Bereichsleiter für Gelenkchirurgie und Sportverletzungen an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie des Universitätsklinikums Leipzig, per ACP-Therapie die Heilkräfte des Körpers anfachte. Bei dieser Therapie wird dem Sportler Blut entnommen, das dann zentrifugiert wird. Das gewonnene Blutplasma wird dann unmittelbar in die verletzte Körperstelle gespritzt. Damit wird die Heilung beschleunigt; bei einem Muskelfaserriss beispielsweise kann die Heilungszeit auf bis zu 50 Prozent verkürzt werden. Auch hier zeigte sich also die Heilkraft des Blutplasmas.

Von Uwe Niemann

Leipzig 51.339695 12.373075
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