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Der Einfluss von Muttermilch auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns

Expertin: „Gestillte Babys werden schlauer“ Der Einfluss von Muttermilch auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns

Muttermilch ist das Beste fürs Baby. Selbst künstlich hergestellte Ersatznahrung kann die Natur nicht ersetzen. „Ganz einfach, weil die Muttermilch Hunderte Bestandteile hat, die einzeln und in der Summe genau auf die Bedürfnisse der Neugeborenen zugeschnitten sind."

Ermuntert Mütter zum Stillen: Corinna Gebauer, die Chefin der Leipziger Frauenmilchbank.
 

Quelle: Stefan Straube

Leipzig . Muttermilch ist und bleibt das Beste fürs Baby. Selbst die neueste, künstlich hergestellte Ersatznahrung kann nicht mal ansatzweise die Natur ersetzen. „Ganz einfach, weil die Muttermilch Hunderte Bestandteile hat, die einzeln und in der Summe genau auf die Bedürfnisse der Neugeborenen zugeschnitten sind“, sagt Dr. Corinna Gebauer, ärztliche Leiterin der Leipziger Frauenmilchbank im Universitätsklinikum. „Dabei überzeugt nicht nur der Fakt der richtigen Ernährung, die durch den perfekten Mix von Wasser, Eiweißen, Fetten, Kohlehydraten, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien erreicht wird, sondern auch: In der Muttermilch gibt es viele Bestandteile, die das Kind vor Krankheiten schützen und die Entwicklung fördern.“

Wissenschaftlich gesichert ist, dass die Muttermilch wunderbar leicht verdaulich ist und förmlich durch den kleinen Körper flitzt. Künstliche Nahrung verbleibt länger im Magen des Neugeborenen. Das Ergebnis ist dann am hochroten Gesicht des Babys und in der Windel zu sehen. Dagegen ist der Stuhl von gestillten Kindern weicher, so dass die Kleinen nicht so pressen müssen.

Ein Grund für die geschmeidige Entleerung der gestillten Babys sind auch Enzyme in der Muttermilch, die die Verdauung fördern, und Hormone, die den kindlichen Magen-Darm-Trakt förmlich in Stimmung bringen. „Zudem sorgen diese Hormone für einen guten Sättigungseffekt, was vor Übergewicht schützt. Und sie beeinflussen den Insulin-Stoffwechsel günstig, was eine Art Diabetes-Schutz darstellt“, erklärt die 43-Jährige, die zugleich Oberärztin in der Neugeborenen-Intensivstation am Universitätsklinikum ist.

Dass übrigens die gestillten Kinder anfangs weniger Gewicht zunehmen als die Kinder, die mit künstlicher Ersatz­nahrung versorgt werden, ist keineswegs von Nachteil: In den ersten Wochen kann schon eine Neigung zum Übergewicht geprägt werden – oder eben nicht, wenn die Mutter stillt. Ebenfalls wissenschaftlich gesichert ist, dass die Rasanz der Gewichtszunahme Auswirkungen auf den Blutdruck und den Cholesterinstatus haben kann. „Die Abwehrstoffe in der Muttermilch haben große Auswirkungen auf die Gesundheit der Säuglinge“, betont Dr. Gebauer. Die Immunglobuline, auch Antikörper genannt, reduzieren in den ersten Lebensjahren das Risiko auf Infekte der Atemwege und auf Mittelohrentzündungen. Aber auch die sogenannten humanen Milch-Oligosaccharide haben beträchtliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes. Rund 130 dieser komplexen Zuckermoleküle kommen in der Muttermilch vor und haben eine prebiotische Wirkung auf die Darmflora. Die Oligosaccharide sind faktisch Nahrung für eine gute Darmflora, auch Mikrobiom genannt, fördern das Wachstum von nützlichen Darmkeimen und hemmen schädliche Darmbakterien an der Bindung an die Darmoberfläche.

„Wir erahnen heute erst nur, welche Auswirkungen das Mikrobiom auf die Gesundheit des Menschen hat“, so die Neugeborenen-Medizinerin. „Klar ist aber schon, dass die Darmflora entscheidend sein kann, ob sich eine Neigung zum Übergewicht bildet oder nicht. Jeder kennt ja Beispiele für Menschen, bei denen man sagt: Der kann essen, was er will, und nimmt nicht zu. Für solche Eigenheiten könnte die Darmflora eine wichtige Rolle spielen.“ Studien lassen zudem den Schluss zu, dass die humanen Milch-Oligosaccharide nicht nur die Entwicklung des Mikrobioms im Darm beeinflussen, sondern darüber hinaus auch das Neugeborene vor viralen und bakteriellen Infektionen schützen, das Risiko von Allergien sowie Entzündungen reduzieren und wahrscheinlich auch die neurologische Entwicklung unterstützen.

Die Leipziger Frauenmilchbank

Das Leipziger Universitätsklinikum beheimatet die größte Frauenmilchbank in Deutschland.

Hier spenden Mütter Frauenmilch, die dann Frühgeborenen und kranken Neugeborenen zugutekommt.

In ganz Deutschland werden jährlich rund 4000 Liter Frauenmilch gespendet – allein in Leipzig kommen etwa 1000 bis 1200 Liter zusammen.

Die Leipziger Frauenmilchbank im Uniklinikum Leipzig hat in den über
65 Jahren ihres Bestehens immer jeden Tag ihre Türen geöffnet.

„Ja, Muttermilch hat auch Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns“, betont die Chefin der derzeit größten Frauenmilchbank in Deutschland, in der Mütter überschüssige Milch spenden für Frauen, die nicht stillen können. „Bei der Untersuchung von voll gestillten, nur teilweise gestillten und nicht gestillten Kindern wurde deutlich: Die Babys, die mit Muttermilch ernährt wurden, haben mehr weiße Substanz im Gehirn, also eine bessere neurologische Entwicklung. Um es ganz einfach zu sagen: Diese Kinder werden mal schlauer als die anderen.“

Auch die Mütter selbst haben Vorteile durch das Stillen. Klar: Kochen ist nicht nötig. Das Essen für die Neugeborenen steht immer kostenlos, perfekt zubereitet und passend gewärmt zur Verfügung. „Die Mutter schüttet beim Stillen Hormone aus, die ihr selbst zugutekommen“, so Dr. Gebauer. „Prolaktin macht ausgeglichener und gelassener, Oxytozin verringert die Auswirkungen von Stress und hilft bei der Rückbildung der Gebärmutter. Und ganz wichtig für jede Frau: Durch Stillen nimmt man schneller wieder ab. Wenn das nicht zählt .“

Von Uwe Niemann

Leipzig, Uniklinik 51.33124 12.384532
Leipzig, Uniklinik
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