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Lars Selig, Ernährungsexperte der Leipziger Uniklinik, über gesundes Essen

Gesund ist, was schmeckt Lars Selig, Ernährungsexperte der Leipziger Uniklinik, über gesundes Essen

Diäten mit Verboten funktionieren nicht, keiner muss auf Schokolade oder Wein verzichten, das was schmeckt ist gesund – so geht Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am Leipziger Universitätsklinikum, an eine gesunde Ernährung.

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Lars Selig (32) leitet das Ernährungsteam des Leipziger Universitätsklinikums.

Quelle: Stefan Straube, UKL

Leipzig . Diäten mit Verboten funktionieren nicht, keiner muss auf Schokolade oder Wein verzichten, das was schmeckt ist gesund – so geht Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am Leipziger Universitätsklinikum, an eine gesunde Ernährung. Die Grundprinzipien des 32-jährigen Medizinpädagogen und Diätassistenten basieren freilich auf der Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und auf der Gewissheit: Was am Ende des Tages zählt, ist die Energiebilanz.

Passen Schokolade und Kuchen zu einer gesunden Ernährung?

Aber sicher. Selbst die Ernährungspyramide der DGE, die wissenschaftliche Basis jedes Ernährungsberaters, zeigt, dass man auch Fette und Süßigkeiten zu sich nehmen kann – natürlich in Maßen. Aber es gibt keine Verbote, Hochkalorisches ist erlaubt, auch weil gesund nicht gleichgesetzt werden darf mit fettarm oder mit dem Verzicht auf Kohlehydrate. Es gibt übrigens nicht die eine, allein gültige Definition für gesunde Ernährung. Ganz einfach, weil es verschiedene Menschen und verschiedene Geschmäcker gibt.

Da sind Sie aber dicht dran am Spruch der Oma: Gesund ist, was schmeckt.

So falsch liegt die Oma nicht. Auch ich sage, dass das für den Menschen gesund ist, was ihm schmeckt. Weil ich Gesundheit nicht nur in Kilogramm- oder BMI-Zahlen messe, sondern auch am Wohlbefinden des Menschen. Was wäre denn das für ein Leben, wenn man immer nur irgendwelchen Körper-Idealen hinterherjagt und dabei immer unglücklicher wird, weil es mit dem Abnehmen nicht klappt. Überhaupt können Diäten, bei denen es Verbote gibt, nicht funktionieren. Weil nach einiger Zeit, in der das Verbot eingehalten wird, dann doch wieder die Verlockung die Disziplin zerstört.

Aber wenn jeder so viel essen kann, wie er will, gibt es nur noch Dicke.

Stopp. Es soll nicht jeder so viel essen, wie er will. Er soll das essen können, was ihm schmeckt und nicht immer nur verzichten müssen. Die Menge ist eine ganz andere Sache. Denn, was am Ende des Tages zählt, ist die Energiebilanz. Die muss stimmen. Wenn ich also unbedingt eine Tüte Chips in mich hineinstopfen muss oder ohne ein paar Stück Schokolade nicht leben kann, muss ich mich dazu zwingen, die zusätzlichen Kalorien wieder zu verbrennen – durch Laufen, Schwimmen, Radfahren. Und es gibt ja noch andere vergnügliche Bewegungsmöglichkeiten.

Wenn man sich dazu durchringen könnte, nur Obst und Gemüse zu essen – wäre das gesund?

Nein, das hat mit gesunder Ernährung nichts zu tun. Der Mensch ist seit Jahrtausenden ein Allesfresser. Diese Mischkost ist uns damals gut be­kommen, und so ist es auch heute. Das Meiden von Lebensmitteln, wie es beispielsweise Veganer praktizieren, kann regelrecht krank machen. Man muss als Veganer schon viel wissen und geschickt kombinieren können, um alle benötigten Nährstoffe aufzunehmen. Oder nehmen wir die glutenfreien Lebensmittel. Sie sind wirklich nur für Zöliakie-Kranke geeignet, bei gesunden Menschen kann ein Nährstoffmangel eintreten.

Warum fällt es manchem so schwer, sich beim Essen zu zügeln? Ist das schon eine Art Sucht?

Heute wird ja versucht, jede Disziplinlosigkeit zu einer Krankheit zu machen, für die man gar nichts kann. Aber es ist tatsächlich so, dass der Körper immer versucht, für den Notfall Energie zu speichern. Dazu kommt, dass wir heute in Deutschland richtigen Hunger wahrscheinlich gar nicht mehr kennen. Wenn wir uns nach einer langen Wanderung auf die Rast freuen, haben wir wahrscheinlich keinen Hunger, aber Appetit. Und dann gibt es bei manchen die Gewöhnung, regelmäßig etwas zu essen. Ich habe mal einen Patienten, der 250 Kilogramm wog, gefragt, warum er nicht aufgehört hat zu essen, als er nicht mehr in der Lage war zu laufen. Denn Hunger konnte er nicht haben. Er konnte mir keine Antwort geben. Andererseits gibt es dann auch den Krebspatienten, der ohne unsere Hilfe verhungern würde, weil er keinen Appetit mehr verspürt.

Wie wird der appetitlose Krebspatient denn von Ihnen behandelt?

Wir arbeiten da genauso fies wie die Lebensmittelindustrie: Die Mahlzeiten werden zum Beispiel mit Maltodextrin angereichert. Das ist ein hochkalorisches Mittel aus Maisstärke, das unseren Krebspatienten den nötigen Energieschub gibt. Die Lebensmittelindustrie packt diesen Füllstoff aber in Wurstwaren, Süßigkeiten und sogar in Kindernahrung, wo er in zweierlei Hinsicht fatalerweise Gewicht macht: In der Ware und am Körper des Kunden. Also immer aufpassen, was auf der Zutatenliste steht und die Verzehrmenge beachten. Denn das, was über Zunehmen und Abnehmen entscheidet, ist die tägliche Energiebilanz: Nehme ich mehr zu mir als ich verbrenne, werde ich dicker. Gelingt es mir aber, mehr Energie zu verbrennen als ich zu mir nehme, werde ich dünner. Das ist ganz einfach.

Von Uwe Niemann

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