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Leipzigs Diakonissenkrankenhaus integriert „Aromapflege“ in den Klinikalltag

Schnupperangebot für Leib und Seele Leipzigs Diakonissenkrankenhaus integriert „Aromapflege“ in den Klinikalltag

„Das Riechen ist  das eine. Aber Düfte haben auch das Potenzial, Gesundheit und Wohlbefinden positiv zu beeinflussen“, ist Christina Wotsch überzeugt. Die 36-Jährige leitet einen im Leipziger Diakonissenkrankenhaus jetzt ganz neu in der Pflege etablierten Strukturbereich „Aromapflege“.

Schwester Katharina Noll  lässt Christa Picht auch gern mal ein paar Duftwölkchen eines belebenden Öls aus der Verneblerlampe schnuppern

Quelle: DKL/Kay Zimmermann

Dieser sucht in hiesigen Kliniken noch seinesgleichen. Es sei eine komplementäre Methode, die auf uraltes Wissen um die Kraft ätherischer Öle setzt und die Selbstheilungskräfte beim Genesungsprozess mobilisieren könne, sagt Wotsch. Und für die es recht unkompliziert grünes Licht von der Geschäftsführung des evangelischen Hauses gegeben habe, in dem man im Rahmen der modernen Schulmedizin eine ganzheitliche Patientenversorgung schon seit Jahren fördert.

Wotsch hat in ihrem Arbeitszimmer inzwischen einen „Wunderschrank“. Voll mit großen, kleinen, mittleren braunen Glasflaschen. Ein Basissortiment von elf ätherischen Ölen. „In naturreiner Bio-Qualität!“ Die Fachfrau schwärmt: „Hier etwa, schauen Sie –  da haben wir Kiefernnadel, Lavendel, Zeder, Zitrone, Bergmotte… Oder das Grapefruitöl! Ein Allrounder, ein Muntermacher! Und hier, Weißtanne. Stinkt eigentlich, ist aber eines der wirkungsvollsten – und versetzt mit einem Tropfen Grapefruitöl erträglich!“

Überhaupt: Es sei wie bei Medikamenten auch – die Dosis, die Mischung mache es, betont Wotsch. Und nicht jeder hier im Krankenhaus dürfe Pflegeöle so nach Herzenslust mixen. „Dafür wurden bei uns knapp ein Dutzend Mitarbeiterinnen firmenextern in einem Lehrgang qualifiziert, um dieses Verfahren nach vorgegebenen Pflegestandards auch vor Ort auf unseren Stationen anzubieten.“

Anfangs bedufteten (so der Fachausdruck) die Öle aus elektrischen, lampenähnlichen Verneblern probeweise einzelne Klinikräumen. Alles in allem wohlwollend eingesogen von Patienten wie Mitarbeitern. Inzwischen werden sie auch in der Pflege direkt angewendet. „Ich weiß nicht, was es war, aber gerochen hat es gut!“, versichert etwa Christa Picht. Die 81-jährige ältere Dame hatte zuletzt viele Krankenhausaufenthalte hinter sich und war am Ende irgendwie daueraufgeregt, sie käme nie mehr in ihr Pflegeheim zurück. „Schwester Katharina hat mir dann mal einen Arm mit so einem Öl eingerieben, es wirkte tatsächlich sehr beruhigend. Angehörige, die mich besuchen kamen, meinten, ich würde ja mal wieder strahlen!“, schildert die Seniorin.

Eine Essenz aus Lavendel- und Grapefruitöl war‘s, die bei Picht für Entspannung sorgte, wie Schwester Katharina Noll später verriet. „Die durch die Nase aufgenommenen Reize werden im Gehirn sofort verarbeitet und beeinflussen somit unsere psychischen Empfindungen“, erklärt es Wotsch. Und abgesehen von der beruhigenden Wirkungsweise erwähnter Öle bei Frau Picht: „Außerdem nutzen wir ätherische Öle unterstützend für aktivierende Waschungen oder Einreibungen zur Dekubitus-, Kontrakturen-und Pneumonie-Prophylaxe oder beispielsweise zur Hautpflege. Je nach Art und Zusammensetzung können die Öle eben antibakteriell, antiviral, schleimlösend, schmerzlindernd, durchblutungsfördernd oder angstlösend wirken“, erzählt die studierte Gesundheits- und Pflegemanagerin. Dass sie und ihr Team beim Öl-Einsatz auch recht unkonventionell zur Hand gehen, ist beiläufig zu erfahren: Zitronenöl etwa – hilfreich für desinfizierende Fußbäder – würde sich ewig als Minikügelchen auf der Oberfläche des feuchten Elements tummeln und sich nie mit ihm verbinden. Wotsch, lässig abwinkend: „Wir verquirlen es vorab mit etwas Kaffeesahne, die Emulsion löst sich sofort im Wasser auf!“

Auf das Aromapflege-Angebot habe es bislang im Leipziger Diakonissenkrankenhaus nur positive Rückmeldungen von Patienten oder Angehörigen gegeben – nicht zuletzt auch aus der Palliativmedizin, hieß es. Und wer weiß – vielleicht haben Lavendel- und Grapefruitöl ja auch so ein Quäntchen mitgeholfen, den Lebensmut von Christa Picht wieder aufzuladen? In ihr kleines Domizil im Pflegeheim konnte sie inzwischen jedenfalls zurückkehren.

von Angelika Raulien

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