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Mit gesunder Ernährung und Bewegung gegen die Volkskrankheit Diabetes

Fit & Gesund Mit gesunder Ernährung und Bewegung gegen die Volkskrankheit Diabetes

Für den Oschatzer Diabetologen Bernd Donaubauer gibt es zwei Faktoren, die das Diabetes-Risiko erhöhen und an denen wir arbeiten können: Mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung. Der Experte stellt sich vor.

Diabetologe Bernd Donaubauer (76) erklärt seiner Patientin die Funktion einer Insulinpumpe. An seiner Seite: Diabetes-Beraterin Manja Thiele (41).
 

Quelle: Christian Neffe

Oschatz.  „Es gibt Krankheiten, die man mit ein paar Pillen heilen kann. Diabetes ist keine davon.“ Bernd Donaubauer weiß, wovon er redet. Schon seit 1972, als er als Facharzt in der Oschatzer Poliklinik antrat, setzt er sich mit dem Thema auseinander, übernahm dort die Diabetesberatung – oder wurde vielmehr „in das Metier reingedrückt“, wie er es freudig formuliert. 20 Jahre später ließ sich der Arzt nieder und trägt seitdem den Titel des Diabetologen.

„Längst zur Volkskrankheit gewachsen“

Dass Fachärzte für Diabetes immer relevanter werden, zeigt die enorme Anzahl der Erkrankten: Rund sieben Prozent der deutschen Bevölkerung, mehr als 5,5 Millionen Menschen, leiden laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts an der Stoffwechselkrankheit. Zehn bis 15 Prozent davon an Typ 1-Diabetes, die sich durch einen Insulinmangel bemerkbar macht. Der Rest an Typ 2, welcher vornehmlich durch falsche Ernährung sowie Bewegungsarmut hervorgerufen wird und sich als Insulinresistenz äußert. „Diabetes ist längst zur Volkskrankheit gewachsen, nicht nur in Deutschland“, so Donaubauer. In seinen beiden Praxen in Oschatz und Döbeln umfasst sein Patientenstamm inzwischen 2000 Personen.

Die Hauptursache dafür sieht er in erster Linie im Lebenswandel der vergangenen Jahre: Es herrsche ein Nahrungs-Überangebot, während die körperliche Belastung im Alltag immer geringer werde. „Die Städter suchen den Ausgleich im Fitnessstudio. Doch die Automatisierung in der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass Diabetes besonders auch bei der ländlichen Bevölkerung zunimmt. Das sehen wir zurzeit auch massiv in China, wo es ähnliche Entwicklungen gibt.“ Um dem entgegenzuwirken, setzt er bei der Therapie vor allem auf die Beratung durch ausgebildete Diabetes-Beraterinnen. „Es geht um Aufklärung: Die Patienten sollen und müssen an ihrer eigenen Behandlung durch eine nachhaltige Veränderung ihrer Lebensweise mitwirken.“

Einfache Regeln für eine gesunde Ernährung

Donaubauer hat dafür grundlegende Regeln: Echtes Vollkornbrot statt weißem oder gefärbtem Weizenbrot. Verzicht auf Süßigkeiten und süße Getränke. Gemäßigter Verzehr von Obst („Lieber eine Weinbeere statt einer Weintraube“) und fettreichem Fleisch. Wenig Alkohol und eine generelle Kalorien-Reduzierung. Auf Zwischenmahlzeiten – vor allem den Kuchen am Nachmittag – sollte ebenfalls verzichtet werden. Dazu: Regelmäßig Sport, damit der Körper beim Abnehmen tatsächlich von den Fettreserven und nicht von der Muskulatur zehrt.

Ziel ist eine Normalisierung des körpereigenen Insulinpegels, was wiederum den Appetit normalisiert. Auch Fasten oder spezielle Ernährungsweisen wie Low Carb oder Low Fat sind Alternativen, allerdings nur unter Anleitung von professionellen Ernährungsberatern. Von denen sind allein in der Oschatzer Praxis sieben aktiv, hinzu kommt mit Thomas Müller ein zweiter Diabetologe, der Donaubauer tatkräftig unterstützt. Das Problem: Gegen liebgewonnene Gewohnheiten lässt sich nur schwer ankommen.

Bessere Behandlung durch digitale Technik

Für die Diabetes-Therapie stehe den Medizinern heute „ein Füllhorn an Möglichkeiten“ zur Verfügung, so Donaubauer. Vor allem die Digitalisierung sowie die fortschreitende Entwicklung der Mikrotechnologie zeigen hier ihre Vorteile, indem sie eine erleichterte und genauere Bestimmung des Blutzuckers ermöglichen. Bei Insulin-spritzenden Diabetikern erlaubt ein scannbarer Sticker mit einem winzigen Graphitfaden, der die Haut durchsticht, die kontinuierliche Messung des Stoffwechsels. Die erhobenen Werte können gespeichert, vom Arzt analysiert und zur digitalen Programmierung von Insulinpumpen genutzt werden. Die aktuellste Entwicklung kommt vom Internetgiganten Google: Eine spezielle Kontaktlinse misst den Blutzuckergehalt anhand der Tränenflüssigkeit.

All die Technik hilft Donaubauer und seinen Mitarbeitern dabei, die individuelle Therapie eines jeden Patienten zu optimieren. „Jeder hat seinen eigenen Diabetes“, so das Motto des Arztes, der sich mit Tagungen, Vorträgen und Schulungen für ein besseres Verständnis der Krankheit engagiert. Auf etwaige Diabetes-Symptome, die im Internet zu finden sind, sollten sich potentiell Erkrankte übrigens nicht verlassen: „Die einzig verlässliche Methode, um herauszufinden, ob man Diabetes hat, ist eine ärztliche Blutzuckeruntersuchung.“

Von Christian Neffe

Lutherstraße 22, 04758 Oschatz 51.301068 13.107665
Lutherstraße 22, 04758 Oschatz
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