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Wieland Kiess über Kinder-Diabetes, Adipositas und Bewegung

Interview mit Direktor der Uni-Kinderklinik Wieland Kiess über Kinder-Diabetes, Adipositas und Bewegung

Die Zuckerkrankheit ist bei Kindern und Jugendlichen ungebremst auf dem Vormarsch. Das weiß auch Professor Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

Professor Wieland Kiess (Mitte) forscht mit seinem Ärzte-Team zur Früherkennung und Vermeidung von Diabetes.

Quelle: Stefan Straube

Leipzig .  Die Zuckerkrankheit ist bei Kindern und Jugendlichen ungebremst auf dem Vormarsch. „Bei Typ-1-Diabetes, der nichts mit Übergewicht zu tun hat, sondern eine Autoimmunerkrankung ist, haben wir in diesem Jahr jede Woche einen neuen Fall gehabt“, sagt Professor Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Deshalb starten die Leipziger Kinderärzte und Wissenschaftler gemeinsam mit ihren Kollegen in Dresden, München und Hannover ein Projekt, bei dem im Rahmen des Neugeborenen-Screenings das Risiko auf Diabetes ermittelt wird. „Unser gemeinsames Ziel ist es, in einigen Jahren vielleicht sogar eine Impfung gegen den Ausbruch der Krankheit anbieten zu können.“

Seit Jahren steigt die Zahl der Kinder, die an Diabetes mellitus erkranken. Gibt es kein Konzept gegen die Zuckerkrankheit?

Es gibt an unserer Klinik sogar mehrere Konzepte. Reden wir zuerst über Typ-1-Diabetes. Ja, die Zahlen steigen, und wir wissen nicht warum. Bei diesem Diabetes-Typ, der nichts mit Übergewicht zu tun hat, sondern eine Autoimmunerkrankung ist, haben wir in unserer speziellen Diabetes-Ambulanz in diesem Jahr jede Woche einen neuen Fall gehabt. Deshalb haben wir gemeinsam mit Kollegen in Dresden, München und Hannover ein Projekt gestartet, bei dem im Rahmen des Neugeborenen-Screenings das Risiko auf Diabetes ermittelt wird.

Das wäre also eine Art Diabetes-Früherkennung?

Genau. Wir wollen Familien die Teilnahme an der gemeinsamen Studie „Freder1k“ anbieten. Denn dank neuartiger Tests ist es heute möglich, sowohl das Risiko auf die Erkrankung als auch eine frühe Form des Typ-1-Diabetes bereits lange, bevor sich erste Symptome zeigen, festzustellen. So könnten wir die Familien auf die spätere Erkrankung mittels Schulungen und einer optimalen Betreuung vorbereiten. Unser gemeinsames Ziel ist es aber, in einigen Jahren vielleicht sogar eine Impfung gegen den Ausbruch der Autoimmunkrankheit anbieten zu können. Das wäre natürlich das Nonplusultra.

Und wie sieht es beim Typ-2-Diabetes aus?

Diese Krankheit geht ja mit Übergewicht und Bewegungsarmut einher. Da muss man nur auf die Adipositas-Zahlen schauen, um zu wissen, wie es weitergeht. Und die sehen so aus: Acht Prozent der Kinder sind adipös, zum Glück steigt dieser Wert nicht weiter an. Aber bei den Jugendlichen wachsen die Zahlen von Adipositas und damit von Typ-2-Diabetes.

Was tut die Leipziger Kinderklinik dagegen?

Unsere Ärzte und Wissenschaftler arbeiten in einem speziellen Forschungsbereich Adipositas und Diabetes. Und wir kommen den komplexen Abläufen im Körper immer dichter auf die Spur. Was aber klar ist: Das Wichtigste ist der Kampf gegen das Übergewicht bei Kindern. Zwar können wir weder Kinder noch Eltern zu etwas zwingen. Aber wir bieten vielerlei an. Beispielsweise eine Ernährungstherapie, die Teil der Behandlung von adipösen Kindern ist. Unseren Ernährungswissenschaftlerinnen Sibylle Kapellen und Marleen Böttcher ist klar, dass es nicht ausreicht zu sagen: Iss mehr Obst und Gemüse. Deshalb unterstützen sie die Familien langfristig im Alltag, auch beim Einkauf und beim Kochen.

Was nutzt das, wenn abends der Vater nach Hause kommt und zu Bulette und Bierflasche greift?

Tja, Rückschläge kann es immer wieder geben. Wir können nur reden, informieren, überzeugen. Und auf interessante Freizeitaktivitäten verweisen. Ärzte, Schwestern und Psychologen unterstützen beispielsweise den Verein DiabetesKids Leipzig nicht nur medizinisch, sondern auch mit Freizeitaktivitäten. Besonders schön ist, dass der Deutsche Fußballbund und RB Leipzig das Sportprojekt unterstützen. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei keine Leistungssportler werden, sondern lernen, Freude an der Bewegung zu haben.

Wie geht da der Klinikdirektor voran?

Ich fahre sozusagen voran: Jeden Tag strample ich mit dem Rad zur Arbeit. Das sind immerhin 60 Minuten Fahrradfahren pro Tag. Übrigens haben wir in unserem Klinikum Hinweisschilder angebracht, dass die Besucher, wenn sie es körperlich können, doch bitte die Treppe benutzen sollen statt Fahrstuhl zu fahren. Faulheit steht leider oft am Anfang eines körperlichen Niedergangs. Mit etwas Bewegung kann man jeden Tag dagegen ankämpfen.

Von Uwe Niemann

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