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Die Generation Streaming-Dienst entdeckt den Sport

Gesundheit Die Generation Streaming-Dienst entdeckt den Sport

Yoga, Hanteltraining, Klettern - wer sich für den Frühling fit machen will, findet mittlerweile eine fast unüberschaubare Auswahl an Sportangeboten. Startups machen sich zunutze, dass sich da so mancher lieber nicht festlegen will.

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Frank Schuler hat sich mit seinem Yogastudio der Kooperative «Urban Sports Club» angeschlossen. Mitglieder eines Anbieters können so auch bei Partnerclubs trainieren.

Quelle: Oliver Berg

Köln. Ein Morgen, ein Hinterhof, hohe Decken, zweite Etage. Yogalehrer Frank Schuler bewegt sich barfuß an Matten und den daraufliegenden Körpern vorbei.

Die Stadt drumherum dürfe jetzt etwas "wegschwimmen", erklärt Schuler, was mitten im manchmal etwas rauen Köln gar nicht so leicht sein dürfte. Schuler sagt dabei ständig "Du", obwohl er gar nicht direkt mit jemanden redet, sondern der ganzen Gruppe Anweisungen gibt. "Lord Vishnus Couch" ist ein Yogastudio, das in mancher Hinsicht im Trend liegt.

Seit Neuestem experimentieren Schuler und seine Leute mit einem System, das sich vor allem in größeren Städten ausbreitet. Die Angebote heißen

"somuchmore",

"Daytraining",

"My Fitness Club" oder

"Urban Sports Club". Mit letzterem Startup kooperiert "Lord Vishnus Couch". Das Geschäftsmodell: Man wird Mitglied bei nur einem der Online-Anbieter, kann aber zig unterschiedliche Sportclubs, von Yoga über Pilates bis Kampfsport oder klassische Fitnessgeräte nutzen.

In dem Kölner Yogastudio - und bei den anderen Partnerclubs - scannen Mitglieder von "Urban Sports Club" einen QR-Code mit ihrem Smartphone ein und können damit einchecken. Eine längere Mitgliedschaft im Studio ist nicht notwendig. Das System läuft parallel zur Stammkundschaft.

Ob sich so ein Flatrate-Modell für Freizeitsportler finanziell lohnt, hängt etwas von den persönlichen Vorlieben ab. Es lässt sich jedenfalls beobachten, dass sich in den Sportstudios - auf die im Frühjahr traditionell viele Menschen mal ein Auge werfen - ein Modell entwickelt, das schon andere Wirtschaftszweige umgekrempelt hat. Ziel sind Leute, die sich nicht für einen einzelnen Anbieter entscheiden wollen - oder können. Es soll so viele Optionen wie möglich geben. Musik- und Video-Streaming-Dienste lassen grüßen.

Prinzipiell könnte man mit dem Abo zuerst auf der Yogamatte üben und danach ein paar Kilometer weiter im Mülheimer Studio "Sports" Gewichte stemmen. Wer weiß, wie anstrengend Yoga sein kann, käme nie auf diese Idee. Aber sie steht als Möglichkeit im Raum.

"Was wir momentan in vielen gesellschaftlichen Bereichen schätzen, ist eine gewisse Unverbindlichkeit, eine Flexibilität und die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren", sagt der Zukunftsforscher Prof. Ulrich Reinhardt von der BAT-Stiftung in Hamburg. "Ich glaube, dass ein Markt dafür da ist, weil es ein Stück weit unserem Zeitgeist entspricht."

Die Lust am Ungefähren hängt wohl auch mit dem Internet zusammen. Und mit dem Erwachsenwerden einer Generationen, für die es selbstverständlich ist. "Die Generation Y, unter der man in etwa die 15- bis 30-Jährigen zusammenfasst, ist die erste Generation, die groß geworden ist mit der digitalen Welt und den Tausenden Möglichkeiten, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort Informationen zu holen", sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann. Informationen bedeuten zugleich Optionen.

Hurrelmann glaubt, dass es für die jungen Erwachsenen quasi zu einer "zweiten Natur" geworden ist, sich lieber nicht zu früh festzulegen - auch weil sie sich nicht immer sicher sein konnten, locker einen guten Job zu finden. Diese Beobachtung, die nicht wenige teilen, hat ihnen den Ruf eingebracht, etwas entscheidungsschwach zu sein. Man kann es aber auch positiv formulieren. "Die Grundkompetenz, mit so vielen Optionen überhaupt umgehen zu können, die hat nur diese junge Generation", sagt Hurrelmann. Zum Teil genieße sie es auch, von Möglichkeiten überschwemmt zu werden.

Dass man bei einem nüchternen Blick feststellen dürfte, aufgrund von Zeit und Entfernung gar nicht all die angebotenen Sportclubs betreten zu können, spielt dabei keine so ganz große Rolle. "Es ist wichtiger das Angebot zu haben als die Nutzung", meint Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt. Das sei ähnlich wie beim Sommerurlaub auf Mallorca. Da schauten viele, ob das Hotel auch einen Tennisplatz habe. "Obwohl wir eigentlich schon wissen, dass wir im Sommer auf Mallorca nicht Tennis spielen werden", sagt Reinhardt. "Hauptsache der Tennisplatz ist da."

dpa

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