Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gewichtskugeln und Hämmer - Fitnesstraining mit Hartmetall

Gesundheit Gewichtskugeln und Hämmer - Fitnesstraining mit Hartmetall

Obwohl ein leichter Wind weht, steht den Kraftsportlern aus Bottrop nach wenigen Minuten der Schweiß auf der Stirn. Ein junger Mann holt aus, donnert einen massiven Hammer auf einen umgestülpten LKW-Reifen und stöhnt auf.

Voriger Artikel
Von Kopf bis Fuß - Entspannung durch Wellnessmassagen
Nächster Artikel
Sportmythen: Schadet Joggen den Gelenken?

Die Gegenstände, die beim Hartmetall-Workout zum Einsatz kommen, sind vielfältig.

Quelle: Roland Weihrauch

Bottrop. Wenige Meter neben ihm wirbelt eine Frau einen Sandsack um die eigene Achse. An mehreren Stationen des Parcours hantieren Sportler mit einer oder gleich mehreren Gewichtskugeln, den Kettlebells. Wenn diese insgesamt 300 Kilo Hartmetall in Bewegung sind, Hämmer geschwungen und Fässer gestemmt werden, dann trainiert der etwas andere Fitnessverein im Ruhrgebiet:

"Hartmetall Ruhrpott".

 

Was bei Spaziergängern auf der Halde in Bottrop Assoziationen zu einem Boot-Camp oder einem Militärtraining weckt, ist für die "Hartmetaller" ganz normaler Wahnsinn. "Ich bin süchtig nach dem Training", sagt Daniel Molitor und wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. "Trainieren im Fitnessstudio ist im Vergleich total langweilig", findet er.

Seit der Gründung des Vereins vor zwei Jahren ist er dreimal pro Woche dabei. Jedes Mal kämpfe er erneut gegen den inneren Schweinehund und kein Workout habe sich bisher wiederholt, denn Kampfsportler Markus Adam setzt bei der Kombination der Übungen auf Abwechslung. Sein Anfeuern gehört dabei ebenso zum Training wie Kegel und Kettlebell. "Drei Sekunden noch! Durchhalten, ihr Memmen", brüllt er mit der Stoppuhr in der Hand, während seine Schützlinge ordentlich ins Schwitzen kommen.

Heute müssen die rund 30 Teilnehmer jede Übung 45 Sekunden lang durchhalten, danach folgt eine "aktive Pause" mit Hampelmann-Sprüngen. Der ganze Spaß dauert rund eine Stunde. Ständig in Bewegung sein, Kraft und Ausdauer trainieren - das macht fit, ist sich Markus Adam sicher. Siebenmal pro Woche bietet er diese Fitness-Eigenkreation an.

Grundsätzlich ist gegen ein intensives Training nichts auszusetzen, sagt dazu Heinz Kleinöder von der Sporthochschule Köln. Problematisch bewertet der Trainingswissenschaftler jedoch, dass Breitensportler oft nicht die nötigen Voraussetzungen mitbrächten und durch falsche Bewegungen oder zu hohe Gewichte Verletzungen riskierten.

Trotzdem findet das Konzept "Hartmetall Ruhrpott" immer mehr Anhänger. 130 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile. Mit einem Fitness-Studio haben die aber wenig am Hut. Langweilig, überfüllt und ohne persönliche Betreuung seien diese, da sind sich die "Hartmetaller" einig. Die Preisklasse ist aber etwa die gleiche: 24 Euro kostet der Monatsbeitrag im Verein. Von den Einnahmen kauft Markus Adam die verschiedensten Trainingsutensilien. "Wer glaubt, das sei alles nur Gerümpel, liegt falsch", stellt er klar. 12 000 Euro habe er schon in Kettlebells, meterlange Seile oder lebensgroße Gummibänder investiert.

"Wir trainieren vom kleinen Zeh bis in den kleinen Finger", erklärt der 34-Jährige seinen funktionalen Ansatz, denn "diese Muskeln sind genauso wichtig wie die großen". Dass der gewünschte Effekt auch bei Anfängern einsetzt, bezweifelt Heinz Kleinöder. "Wenn ich einem Büromenschen einen Hammer gebe, suche ich mit Gewalt den Schwachpunkt in seiner Koordination und seiner Muskulatur, bis das System zusammenbricht", kritisiert er. Ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht zu trainieren, sei für Anfänger deutlich effektiver.

Mit oder ohne Schwermetall: Der Ganzkörper-Muskelkater nach der Sporteinheit ist vorprogrammiert. Auch Romina Werner geht jedes Mal mit schweren Gliedern nach Hause. Seit Kurzem trainiert sie regelmäßig mit, um nach der Schwangerschaftspause wieder in Form zu kommen. "Während der letzten Monate konnte ich natürlich keine Fässer stemmen", sagt die 28-jährige Krankenschwester und schmunzelt, "aber jetzt starte ich wieder durch."

Ob jung, alt, dick oder dünn. Ob Tänzerin oder Kampfsportler - mittlerweile haben sich auch viele Frauen unter die Kraftpakete gemischt. Breiter könnte das Spektrum der "Hartmetaller" kaum sein. Die einen wollen etwas für ihre Figur tun, den anderen macht es einfach Spaß. "Viele Übungen sind perfekt zum Aggressionen abbauen", sagt Tim Oberföll. Und tatsächlich: Jugendlichen aus Bottrop hat das Hartmetall-Training schon als Anti-Aggressionsmethode geholfen. "Das Konzept eignet sich auch für größere Rabauken", erzählt Markus Adam. "Hierfür hole ich mir aber einen Streetworker dazu."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wellness