Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Der Jurist: Über nackte Angeklagte und schräge Verbrechen

Arbeit Der Jurist: Über nackte Angeklagte und schräge Verbrechen

"Wie arbeiten Sie denn?" - Jeder Berufstätige kann über seine Zunft eine Geschichte erzählen. Doch die wirklich spannenden Fragen wagen viele nicht zu stellen. Dabei ist kaum ein Job langweilig. Diesen Monat: drei Fragen an den Juristen.

Voriger Artikel
Mehr Rechte für Leiharbeiter
Nächster Artikel
Zahl der Pendler erreicht Rekord

Patrick Klinkhammer arbeitet als Fachanwalt für Arbeitsrecht in einer Kanzlei in Köln.

Quelle: Patrick Klinkhammer/dpa

Köln. Patrick Klinkhammer (33) arbeitet als Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in einer Kanzlei in Köln. Zuvor war er unter anderem als Staatsanwalt tätig. Über das Leben als Jurist.

Mussten Sie als Staatsanwalt einmal jemanden laufen lassen, den Sie für schuldig hielten?

Der Staatsanwalt macht ja das Ermittlungsverfahren. Wenn jemand freigesprochen wird, entscheidet das am Ende der Richter. Ebenso, ob ein Beschuldigter aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Vorgekommen ist, dass jemand in Untersuchungshaft war, die Beweislast meiner Meinung nach erdrückend war und derjenige dann aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Es musste ein Gutachten zur Identitätsfeststellung eingeholt werden, was je nach Bundesland etwas länger dauern kann, so dass der Haftrichter sagt: Jetzt können wir den Haftbefehl nicht mehr aufrechterhalten, weil das zu lange dauert und die Untersuchungshaft nicht bis dahin fortdauern kann.

Was ist das schrägste Verbrechen, das Ihnen untergekommen ist?

Es waren einige schräge Sachen dabei. Es gab einmal jemanden, der eine klassische Serie von Überweisungsbetrügereien begangen hat. In dem Fall hat man die Girokontodaten einer Person, fälscht die Unterschrift auf dem Überweisungsträger und lässt dann Geld auf ein Konto im Ausland oder auf ein Konto unter falschem Namen überweisen. Der Täter in dem besagten Verfahren hat jedoch das Geld stets auf sein eigenes Konto überwiesen, welches er auf seinen richtigen Namen angelegt hatte. Das war recht dumm.

Ich hatte auch mal die schräge Situation, dass ein Angeklagter nackt zur Verhandlung erschienen ist. Er war schon zuvor inhaftiert gewesen und hatte dann in der Haftanstalt ein weiteres Delikt begangen. Aus Protest gegen den Rechtsstaat wollte er bei der Verhandlung nichts anziehen und wurde dann splitterfasernackt in den Gerichtssaal geführt. Das war für alle ein einmaliges Ergebnis.

Sind Gesetz und Gerechtigkeit dasselbe in ihren Augen?

Grundsätzlich kommt oft die Kritik am deutschen Strafrecht dahingehend auf, dass die Gesetze nicht streng genug seien. Das sehe ich nicht. Der Richter hat einen großen Spielraum, und es gibt nur wenige Gesetzeslücken. In den Fällen, in denen es um Kapitaldelikte wie Mord und Totschlag geht, kann es aus der Sicht der Hinterbliebenen des Opfers kein gerechtes Urteil geben. Das, was durch die Tat angerichtet wurde, kann durch kein Urteil dieser Welt wieder gutgemacht werden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Finden Sie auf LVZ-job.de - dem Stellenmarkt der LVZ - Ihren neuen Job in Leipzig und Umgebung. mehr

  • Auf dem Lutherweg

    Spannende Entdeckungsreise mit Martin Luther: Die LVZ pilgert zum Jubiläumsjahr der Reformation 2017 auf dem Lutherweg. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr