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Der harte Job der Tatortreiniger

Arbeit Der harte Job der Tatortreiniger

Mord, missglücktes Sadomaso-Spiel oder Messi-Wohnung: Tatortreiniger blicken in menschliche Abgründe. Ihre Dienste sind teuer - aber gefragt.

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Die Tatortreiniger rücken 50- bis 60-mal pro Jahr aus.

Quelle: Swen Pförtner/dpa

Kassel. Es stinkt nach Tod, und manchmal krabbeln die Maden schon unter der Tür durch: Sinisa Matokovic und seine Kollegen kommen, wenn andere lieber das Weite suchen. Es ist ihr Job. Denn die Männer sind Tatortreiniger in Kassel.

Sinisa Matokovic und seine Kollegen räumen auf, wenn die Polizei fertig ist. Für Immobilien-Eigentümer sind sie ein Segen. Ohne die Dienste der Tatortreiniger wären manches Haus oder manche Wohnung nie wieder benutzbar.

Sinisa Matokovic macht seinen harten Job gern: "Es ist abwechselungsreich", sagt der 40-Jährige. Die Arbeit durchzuhalten sei Kopfsache. Fünf Tatortreiniger und einen Einsatzleiter beschäftigt die

Tohr GmbH, eigentlich ein weltweiter Rückhol- und Überführungsdienst mit Sitz in Kassel.

Geschäftsführer ist der Bestattermeister Dominik Kracheletz. Der Anstoß für Tatort- und Unfallreinigung sei von Kunden gekommen, sagt Kracheletz. Die hätten die Bestatter beim Abholen der Leichen immer wieder gefragt: "Wer macht das weg?"

Dabei ist Tatortreinigung nicht das Kerngeschäft von Bestattern. "Es gibt aber durchaus einige Bestattungsunternehmen, die diesen Service selbst oder durch Mithilfe spezialisierter Unternehmen anbieten", erklärt Stephan Neuser, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter. So war es auch bei Kracheletz.

Seit knapp sechs Jahren gibt es nun die Tatortreiniger bei Tohr. Die Mitarbeiter kommen aus dem Bestattungswesen und werden laufend dafür geschult. Sie werden gerufen, wenn Körperflüssigkeiten, Blut und Gewebereste entfernt werden müssen. Auch natürliche Tode, bei denen die Leichen lange liegen, sind ein Einsatzgebiet der Spezialisten. Ebenso werden sie beim Ausräumen von Messi-Wohnungen gerufen.

Mit einer normalen Putzkolonne haben die Tatortreiniger wenig gemeinsam: Wenn sie mit ihren weißen Ganzkörperanzügen und Schutzbrillen anrücken, erinnert das an die Spurensicherung der Polizei. Die Schutzvorkehrungen seien höher als bei Ermittlern, "weil wir es anfassen", sagt Einsatzleiter Alexander Langfeld: "Wir wissen ja nicht, ob der Verstorbene Krankheiten hatte."

50- bis 60-mal pro Jahr rücken die Tatortreiniger aus. Auftraggeber sind in der Regel Wohnungsgesellschaften und Vermieter, die Räume danach wieder vermieten wollen. Die Tatortreiniger bekämpfen Ungeziefer, sortieren und desinfizieren alles - sogar den Müll. "Sonst nehmen ihn die Stadtreiniger nicht an", sagt Langfeld. Menschliche Überreste werden über die Pathologie entsorgt.

Selbst Elektroschalter müssen von innen gereinigt werden. "Sonst kommt der Geruch wieder", sagt Langfeld. Die Gründlichkeit hat ihren Preis: Eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich kostet eine Reinigung im Durchschnitt. "Wir sind nicht günstig, dafür hochprofessionell", sagt Kracheletz.

Selbst Fahrzeuge säubern die Spezialisten. Vor zehn Jahren sei das noch unmöglich gewesen, erklärt Kracheletz. Da wurden Autos, in denen eine Leiche länger lag, als Totalschaden abgeschrieben. Doch bei teuren Limousinen oder Lastwagen lohne sich der Einsatz der Tatortreiniger.

Am Ende erhält der Auftraggeber ein Zertifikat, dass das gereinigte Objekt sauber und keimfrei ist. Der Grund: Vermieter seien nicht verpflichtet, Mieter über die Vorgeschichte der Wohnung zu informieren. Komme es deswegen zum Rechtsstreit, könne der Auftraggeber nachweisen, dass die Wohnung gesundheitlich unbedenklich ist.

Die Arbeit als Tatortreiniger kann unangenehm und psychisch belastend sein. Bewerbungen bekommen die Spezialisten trotzdem genug: "Ich habe das Gefühl, alle jungen Leute wollen Tatortreiniger werden", sagt Kracheletz. Auch Anfragen von Frauen seien darunter. Eine Tatortreinigerin gibt es aber bisher nicht - die Arbeit sei körperlich sehr fordernd. Bekannt wurde der Beruf zuletzt durch die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Serie "Der Tatortreiniger". Für zusätzliche Bewerbungen habe das allerdings nicht gesorgt, sagt Langfeld.

dpa

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