Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Equal Pay Day": "Frauenberufe" liegen in Bezahlung hinten

Arbeit "Equal Pay Day": "Frauenberufe" liegen in Bezahlung hinten

Mehr Frauen in technische Berufe. Das wird häufig als Lösung für die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern vorgeschlagen. Doch warum werden bestimmte Berufe überhaupt höher entlohnt?

Voriger Artikel
EuGH: Kopftuch-Verbot im Job kann rechtens sein
Nächster Artikel
DAK: Schlafstörungen und deren Folgen nehmen zu

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Doch die Unterschiede schwinden langsam.

Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Köln/Bamberg. Die Unterschiede sind deutlich: 14 Euro pro Stunde verdient eine Erzieherin, 16 Euro ein Sozialpädagoge. Ein Techniker bekam nach einer Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Jahr 2014 hingegen 18 Euro und ein Ingenieur sogar 29 Euro.

"Jobs in der Industrie werden im Durchschnitt besser vergütet als beispielsweise im Gesundheitswesen", stellt Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln fest. "Das hat viel mit der Wertschätzung des Produktes durch die Kunden zu tun", sagt er. Viel hänge an der Zahlungsbereitschaft der Menschen.

Die

unterschiedliche Bezahlung in verschiedenen Branchen wird als ein wichtiger Faktor für den so genannten 

Gender Pay Gap gesehen - also für den Unterschied im Bruttoverdienst von Männern und Frauen. Die Lücke lag in Deutschland 2016 bei 21 Prozent - nach 22 Prozent im Jahr 2015, wie das Statistische Bundesamt erklärte.

"Es gibt viel Ungerechtigkeit in der Bezahlung von Männern und Frauen, aber ein großer Teil des Unterschieds kommt durch Branchen- und Berufswahl, Dienstalter und Beschäftigungsumfang", sagt Helmut Uder von der Unternehmensberatung Willis Towers Watson. Frauen unterbrechen nach wie vor länger für die Familie und arbeiten hinterher öfter in Teilzeitjobs. Das von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) geplante Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit, das Beschäftigten erlaubt zu erfahren, wie sie im Vergleich zu anderen bezahlt werden, dürfte daran kaum etwas ändern.

Denn allein 15 Prozent des Gender Pay Gaps liegen nach Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft an der Branche. Und das Gefälle lässt sich klar entlang klassischer Männer- und Frauenberufe ablesen. Laut der Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lag der Stundenlohn in Berufen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, 2014 im Schnitt um acht Euro niedriger als in männlichen dominierten Berufen bei gleicher Ausbildungszeit.

Die Gründe dafür sieht Corinna Kleinert vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg teilweise in der historischen Entwicklung. Die Bezahlung von Berufen sei lange gewachsen. "Historisch galten Frauen als weniger kompetent und leistungsfähig im Bereich der Erwerbsarbeit als Männer." Ihnen standen daher vor allem haushaltsnahe Berufe offen, und solche "typisch weiblichen" Tätigkeiten wurden in der Folge auch geringer entlohnt. "Daher wird auch von einer bis heute anhaltenden Entwertung von Frauenberufen gesprochen."

Technische Berufe würden dagegen traditionell häufiger von Männern ausgeübt und daher höher entlohnt. "Ein weiteres Merkmal dieser Berufsgruppen ist, dass es ihnen gelang, Zugänge dazu stärker zu begrenzen und sich stärker gewerkschaftlich zu organisieren als in Frauenberufen", sagt Kleiner. Auch dadurch konnten sie höhere Löhne erzielen. "Kindergärtnerinnen haben es nie geschafft, ihren Beruf so stark zu schließen und diese Schließung in Lohnvorteile umzuwandeln wie Ingenieure."

"Der geringe Verdienst hat auch etwas zu tun mit dem Thema Arbeitsbewertung", sagt Sarah Lillemeier vom Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, die in einem Kooperationsprojekt mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) arbeitet und zum Thema geschlechtergerechte Arbeitsbewertung forscht. "Dabei ist eine Schieflage entstanden zwischen der Bewertung und

Bezahlung von "Männer-" und "Frauenberufen"."

Denn die Kriterien zur Bewertung von Arbeit kämen prinzipiell aus der Industrie. "Darin sind weder psychosoziale Anforderungen enthalten und auch die Verantwortung für das Wohlergehen der betreuten Menschen bleibt oft unberücksichtigt", so Lillemeier. Sorgeberufe seien daher sehr anfällig für eine zu geringe Bewertung und Bezahlung, gemessen an ihren Anforderungen und Belastungen.

Das wirke auch nach: "Empirische Studien zeigen, dass sich weiblich konnotierte Tätigkeitsinhalte negativ auf die Bezahlung auswirken", sagt Lillemeier. "Eine Maskulinisierung führte dagegen historisch zu einer Aufwertung." Eine Annäherungen sieht zumindest Lillemeier bislang nicht. "Das Bewusstsein für die Thematik ist da", sagt sie. "Kostendruck und Ökonomisierungstendenzen in den Sorgeberufen führen aber auch dazu, dass sich derzeit wenig ändert."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Finden Sie auf LVZ-job.de - dem Stellenmarkt der LVZ - Ihren neuen Job in Leipzig und Umgebung. mehr

  • Erdbeer-Karte

    Sommerzeit ist Erdbeerzeit. Wollen Sie die süßen Früchte selber pflücken oder lokal kaufen? Wir verraten Ihnen, wo Sie Erdbeeren bekommen. Außerdem... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr