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Flüchtlinge als helfende Hände im Pflegeheim

Arbeit Flüchtlinge als helfende Hände im Pflegeheim

Sie haben einfach spontan an die Tür geklopft - weil sie helfen wollten. Inzwischen leisten in einem Hofer Pflegeheim drei Flüchtlinge aus Syrien Bundesfreiwilligendienst. Und lernen eine Menge über ihre neue Heimat Oberfranken.

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Drei Flüchtlinge aus Syrien engagieren sich in einem Pflegeheim in Hof im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes.

Quelle: Nicolas Armer

Hof. Eines Tages standen sie im Büro von Sabine Dippold. Weil sie helfen wollten und nachmittags nach dem Deutschkurs Zeit hatten. Drei Flüchtlinge aus Syrien wollten sich im Alten- und Pflegeheim engagieren. "Wir waren überrascht", sagt die Heimleiterin.

Aber man sei sich von Anfang an sympathisch gewesen - "die Chemie hat gepasst". Die Heimleiterin hat das Angebot der Flüchtlinge angenommen: Erst haben sie sich ehrenamtlich bei der Betreuung der pflegebedürftigen Menschen engagiert, dann hat ihnen die Hofer Hospitalstiftung eine regelmäßige Mitarbeit im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes angeboten. Inzwischen sind alle Formulare ausgefüllt und die Flüchtlinge arbeiten als "Bufdis" in Hof.

Die drei Syrer haben nun ein Bleiberecht für drei Jahre in Deutschland bekommen. Im Pflegeheim helfen sie bei der Essensausgabe, versorgen die Heimbewohner mit - und unterhalten die oft einsamen alten Menschen, etwa mit Spielerunden oder kleinen Ausflügen. So lernen sie auch eine Menge über ihre neue Heimat Oberfranken - dass etwa der Braten und die Klöße am Sonntagmittag fast unverzichtbar sind. Und dass "Bassd scho" (Passt schon) die höchste Form des fränkischen Lobes ist.

"Für unsere Bewohner ist das etwas ganz Tolles", sagt Dippold. "Sie lassen sich Bilder zeigen und sind sehr interessiert, was die drei über Syrien erzählen." Auch die Mitarbeiter des Heimes mit knapp 100 Plätzen seien froh über die zusätzlichen "helfenden Hände".

Okba Kerdiea hat in seiner Heimat als Englischlehrer und Informatiker gearbeitet. Auf abenteuerliche Weise hat er sich bis Deutschland durchgeschlagen. "Ich hatte ja nichts zu verlieren", sagt der 27-Jährige. In der Region Hof habe er schnell Freunde gefunden und fühle sich wohl. Obwohl er anfangs geglaubt hatte, in einer Großstadt bessere Integrationschancen zu haben.

Auch Saad Saad (31) ist gut aufgenommen worden in Hof. Er spiele inzwischen auch regelmäßig in einem Volleyballteam, erzählt er. Der Journalist verließ das bürgerkriegsgebeutelte Syrien im September 2014, im Februar 2015 kam er in Oberfranken an. In Syrien, sagt er, sei es üblich, dass Jüngere den Älteren helfen. Deshalb habe man im Seniorenheim angefragt - und auch, um etwas zurückzugeben von der Hilfe: "Deutschland tut sehr viel für Flüchtlinge."

Am Anfang sei die Sprache das größte Hindernis gewesen, sagt Saad. Er freut sich deshalb, dass die Mitarbeiter und Bewohner im Seniorenheim ihm helfen, schneller Deutsch zu lernen. Dippold hat ehrenamtliche Helfer organisiert, die mit den drei syrischen Freiwilligen, zu denen auch die Chemikerin Siba Wardeh gehört, Deutsch üben.

Wie viele Flüchtlinge in Deutschland Bundesfreiwilligendienst leisten, ist nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben statistisch nicht erfasst. Im Herbst hat das Familienministerium aber ein Sonderprogramm für den "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" aufgelegt. Bis zu 10 000 zusätzliche Plätze können so pro Jahr geschaffen werden.

Das Angebot richtet sich zum einen an Deutsche, die bei der Flüchtlingsbetreuung helfen wollen - aber auch an Flüchtlinge selbst, die sich engagieren möchten: "Auch Asylberechtigte und Asylbegehrende, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, können in anerkannten Einsatzstellen einen Bundesfreiwilligendienst machen", teilt das Bundesamt mit. "Alle Freiwilligen, die ihren Dienst im Sonderprogramm leisten, werden pädagogisch besonders begleitet." Flüchtlinge könnten - sofern es notwendig ist - noch einen zusätzlichen Deutschkurs absolvieren.

"Wir verspüren ein hohes Interesse an diesem Sonderprogramm", sagt eine Sprecherin. Bundesweit wurden seit dem 1. Dezember 2015 mehr als 1800 Vereinbarungen in diesem Sonderprogramm geschlossen, darunter knapp 400 mit Flüchtlingen.

dpa

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