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Ideen aus Ostdeutschland: So finden Firmen einen Azubi

Ausbildung Ideen aus Ostdeutschland: So finden Firmen einen Azubi

Das neue Ausbildungsjahr fängt an, doch viele Arbeitsplätze für den Nachwuchs bleiben leer. Damit das nicht so bleibt, gehen die Unternehmen inzwischen neue Wege.

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Für Firmen wird es immer schwerer, Lehrstellen zu besetzen. Einige lassen sich da etwas Besonderes einfallen.

Quelle: Sebastian Willnow

Halle. Die Zeiten, in denen Unternehmen aus einer schier endlosen Bewerberflut ihre nächsten Lehrlinge aussuchen konnten, sind vorbei. Das liegt an der demografischen Entwicklung: Weniger Jugendliche bedeuten auch weniger Nachwuchskräfte.

Vielen Betrieben fällt es immer schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen - vor allem im Osten. Nicht selten bleiben die Plätze leer. Was tun gegen den Azubi-Mangel? Vier Beispiele:

Firmen locken Lehrlinge mit Extras:

Kostenloser IT-Kurs, trainieren im hauseigenen Fitnessstudio und Auslandsaufenthalte: Viele Firmen in Brandenburg bieten ihren Auszubildenden solche Extras an, um sie ans Unternehmen zu binden. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Cottbus führen immer Betriebe solche Anreize ein.

Die Spreewald Therme in Burg (Spree-Neiße) etwa bietet Azubis Tankgutscheine an. Damit solle ein Anreiz gesetzt werden, dass junge Leute ihre Ausbildung in der ländlichen Region machen.

Bei der Firma Schelchen GmbH in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald), die Schuheinlagen und Schuhpflege herstellt, können Azubis wiederum auf freiwilliger Basis Workshops zum Ausbildungsstart belegen. Dort lernen sie unter anderem etwas zur Konflikt- und Teamfähigkeit, wie Personalleiterin Sabine Timm sagt. Die Nachfrage sei groß.

Junge Ausländer für eine Lehre begeistern:

Weniger Sachsen im arbeitsfähigen Alter, aber mehr freie Stellen. Dieser Trend kann aus Sicht der Arbeitsagentur nur durch Zuwanderung abgemildert werden. Ansonsten könnten in zehn Jahren mehrere Hunderttausend Arbeitskräfte in den Betrieben fehlen, schätzen die Experten. Es müssten alle Potenziale ausgenutzt werden, um die Lücke abzumildern.

Darum wird im Freistaat vermehrt um ausländische Azubis geworben. Unternehmen suchen gezielt nach Pflegekräfte-Azubis in Vietnam oder nach jungen Spaniern, die auf der Suche nach einer Perspektive sind. Ein erster Effekt ist sichtbar: Erstmals seit fünf Jahren gibt es im Land wieder steigende Azubi-Zahlen. 2015 gab es knapp 400 Lehrlinge mehr als im Jahr zuvor - vor allem weil der Anteil der Azubis aus Vietnam, Spanien und der Ukraine stieg.

Jungen Menschen mit schlechteren Startchancen vermitteln:

Obwohl es immer mehr frei bleibende Lehrstellen gibt, gibt es auch Bewerber, die keinen Platz finden. Um auch jungen Menschen eine Chance zu geben, die besonders schwer zu vermitteln sind, gibt es in Sachsen-Anhalt das Programm "Zukunftschance assistierte Ausbildung". Das Programm richtet sich gezielt an junge Menschen mit Lernbeeinträchtigung oder Verhaltensauffälligkeiten.

Auch Alleinerziehende sowie Bewerber, die ihre Angehörigen pflegten, oder schon mehrfach eine Ausbildung abbrachen, stünden im Fokus, teilte das Sozialministerium mit. Den Azubis werden Sozialpädagogen zur Seite gestellt, sie bekommen Förderunterricht. Die Unternehmen werden besonders sensibilisiert und können bei Problemen auf die Helfer zurückgreifen.

Derzeit gibt es 235 Plätze, von denen laut Ministerium drei Viertel besetzt sind. Bis 2021 stehen 12 Millionen Euro aus Mitteln des Landes, der EU und der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung. Die Handwerkskammern sind auch im Boot und werben bei Betrieben, die noch Azubis suchen, dafür, auch schwierigeren Fällen eine Chance zu geben.

Karrierechance für junge Leute durch Berufsakademie:

Thüringen macht aus der Not eine Tugend: Weil viele junge Leute Betriebe links liegenlassen und vom Gymnasium direkt an eine Hochschule wechseln, bietet das Land eine Alternative. Die Berufsakademie in Gera und Eisenach soll jungen Leuten Karrierechancen geben und sie gleichzeitig an die regionale Wirtschaft binden - quasi als Nachwuchsschmiede.

Die Berufsakademie bietet seit Gründung 1998 ein stark praxisorientiertes Studium. Gleichzeitig sind die Studenten bei einem Unternehmen angestellt, das ihnen eine monatliche Vergütung zahlt. Dort absolvieren sie auch die Praxisphasen. Anfang September soll aus der Berufsakademie eine duale Hochschule werden. Die Studentenzahl soll von jetzt etwa 1200 auf 1500 wachsen.

dpa

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