Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Clean Cosmetic: "Nein" zu kritischen Stoffen

Mode Clean Cosmetic: "Nein" zu kritischen Stoffen

Sie tragen ihren vermeintlichen Vorteil schon im Namen: Clean Cosmetics verzichten auf kritische Wirkstoffe. Aber sind sie deshalb wirklich besser für die Haut?

Voriger Artikel
Überkreuzt und breiter: Damit BH-Träger nicht verrutschen
Nächster Artikel
Parfum: Haltbarkeit maximal ausnutzen

Mineralöle legen sich wie ein luftdichter Film auf die Haut, deshalb verzichten manche Kosmetika darauf.

Quelle: Andrea Warnecke

Köln. Zwei Buchstaben werden von Trendsettern der Beauty-Welt in letzter Zeit häufig gemunkelt: CC. Sie stehen für Clean Cosmetics. Aber was genau ist darunter zu verstehen?

"In den USA nennt man diese Kosmetika auch "Safe Cosmetics". Darunter werden Produkte verstanden, die auf bedenkliche Stoffe verzichten", erklärt die Kölner Dermatologin Uta Schlossberger. "Allerdings muss man auch sagen, dass es bei etlichen dieser Stoffe überhaupt noch nicht klar ist, ob und wie gesundheitsschädlich sie sind."

Volker Steinkraus, Professor für Dermatologie aus Hamburg, nennt gleich ein konkretes Beispiel: "Parabene sind ein idealer Konservierungsstoff für Kosmetika." Sie hemmten das Wachstum von Bakterien und Pilzen, schützten das Kosmetikprodukt vor Verkeimung und verlängerten so seine Haltbarkeit, erklärt Schlossberger. Aber: Bei den Verbrauchern sei der Stoff als potenziell krebserregend in Misskredit geraten, sagt Steinkraus. "Es gibt jedoch kein seriöses Datenmaterial, das diese Einschätzung stützt."

Ein Mittel gegen Verkeimung macht durchaus Sinn, führt man sich vor Augen, wie lange beispielsweise eine Tagescreme in Gebrauch ist und wie oft man mit den Fingern in den Tiegel greift. Das kann man beim Thema Silikon, auf das viele CC-Produkte ebenfalls verzichten, anders sehen. "Silikone sind Silizium-basierte Öle mit besonders feiner und schmeichelnder Haptik. Deshalb werden sie von der Kosmetikindustrie geliebt", erklärt Steinkraus. Aber: Sie haben eine abdichtende, verschließende Wirkung. Und: "Silikone sind biologisch nicht abbaubar und damit auch in der Entsorgung problematisch."

Paraffine, die in Clean Cosmetics häufig nicht zum Einsatz kommen, werden dagegen unterschiedlich bewertet: Steinkraus etwa hält sie für sehr hautverträglich. Schlossberger aber sagt: "Zwar sorgt "Paraffinum Liquidum" dafür, dass sich Lippenstift und Creme geschmeidig auftragen lassen, aber das Mineralöl legt sich wie ein luftdichter Film auf die Haut." Die Haut könne dann nicht mehr atmen und werde unter der Schicht trocken. "Die Folge: Man cremt nach. Ein Teufelskreis, denn zu viele Paraffine schädigen die Barriereschicht auf lange Sicht."

Ob der Verzicht auf bestimmte Wirkstoffe sinnvoll ist, ist aber nur die eine Frage. Die andere lautet: Was steckt stattdessen in den Clean Cosmetics? Mit welchen Wirkstoffen und Methoden versuchen CC-Anbieter, die Unbedenklichkeit ihrer Produkte zu garantieren? "Phenoxyethanol ist ein verträglicherer Konservierungsstoff, auf den kaum jemand allergisch reagiert. Andere Produkte verzichten auf Wasser, um Keimen den Nährboden zu entziehen", sagt Schlossberger. "Die dritte Möglichkeit: Sterile Verschlüsse verhindern, dass das Produkt mit Sauerstoff und Bakterien in Kontakt kommt."

Klar ist: Produkte, die unter Clean Cosmetics vermarktet werden, sollen den Verbrauchern signalisieren, ihrer Haut Gutes zu tun und sie möglichst naturnah zu behandeln. Deshalb siedeln sich die CC-Produkte in der Gedankenwelt des Verbrauchers auch dicht bei biologischen Pflegeprodukten an. "Wie weit die Nähe aber tatsächlich vorhanden ist, könnte man erst ermitteln, wenn die einzelnen, alternativen Wirkstoffe genau unter die Lupe genommen werden", ist sich Sophie von Lilienfeld-Toal sicher. Sie kümmert sich bei der Gesellschaft für angewandte Wissenschaftsethik (GfaW) unter anderem um die Bewertung und Einordnung von Kosmetik.

"Man muss sich darüber klar sein, dass ein Schlagwort wie Clean Cosmetics zunächst mal nur eine griffige Formulierung ist, die natürlich bewusst so gewählt wurde, um eine Nähe zu Naturkosmetik zu suggerieren", sagt sie. Doch letztere unterliegt deutlich strengeren Richtlinien. Sind also Clean Cosmetics nichts anderes als eine geschickte Werbemaßnahme? Nicht unbedingt. Aber man sollte sich als kritischer Verbraucher ruhig die Zeit nehmen, die Deklarationen auf den Tiegeln und Tuben genau zu lesen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lifestyle

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und weitere asisi-Projekte in Dresden, Berlin und anderen Städ... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr