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Der Regenschirm: nicht praktisch, trotzdem beliebt

Wetter Der Regenschirm: nicht praktisch, trotzdem beliebt

Grau, kalt, nass: Auf "Singin' In The Rain" hat zu dieser Jahreszeit kaum jemand Lust. Da hilft ein Regenschirm auch nur wenig. Trotzdem wird er gern getragen - er ist mehr als nur Schutz vor Nässe.

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Die Nettoverkaufserlöse von Schirmen weltweit stiegen laut dem Unternehmen Knirps von 7,2 Millionen Euro 2008 auf 9,4 Millionen 2014.

Quelle: Rolf Vennenbernd

München. Bei der aktuell zu warmen Wetterlage und oft Schmuddelwetter oder Dauerniesel begleitet er viele: der Regenschirm. Er hält Tropfen ab, aber auch Vogeldreck, mancher liebt ihn als Accessoire, und gelegentlich dient er sogar als Waffe.

Die Polizei berichtet immer wieder von Rentnerinnen, die damit etwa Diebe in die Flucht schlagen. In London starb 1978 der bulgarische Dissident Georgi Markow, weil ihm per präparierter Schirmspitze Gift injiziert wurde. In Rom tragen ihn Menschen zum Schutz vor dem, was Millionen Stare fallen lassen, in Venedig gegen Taubendreck.

Mit der nassen Jahreszeit ist er auch bei uns wieder allgegenwärtig. Praktisch ist so ein Schirm freilich nicht. Er blockiert eine Hand, die dann am Smartphone fehlt, in der U-Bahn verkeilt er sich leicht zwischen Fahrgästen und im Restaurant wird er oft vergessen.

Mancher kauft ihn deshalb bei Bedarf für ein paar Euro an der Ecke. Andere geben Hunderte Euro aus. Der Regenschirm sei keineswegs out, sagt Rainer Wenrich, Professor für Kunstpädagogik an der Uni Eichstätt-Ingolstadt, zu dessen Schwerpunkten Modetheorie gehört. "Ich würde ihn nach wie vor zu den Accessoires zählen." Er passt zum Business-Outfit; schon früher trug der Herr ihn auch zur Zierde wie Hut und Taschenuhr. Die Dame nutzte ihn dagegen mehr als Sonnenschutz, wie Claude Monet (Femme à l'ombrelle) es in Öl malte.

Bis heute scheint der Regenschirm ein eher männliches Attribut. "Mir fällt der Schirm mehr bei den Herren auf - das liegt wahrscheinlich daran, dass die Damen eher zum Taschenschirm greifen", sagt Wenrich. Diesen teleskopartig zusammenschiebbaren Schirm für die Handtasche erfand 1928 der Deutsche Hans Haupt. Der Schirm, bekannt unter dem Markennamen Knirps, wurde in den vergangenen Jahren noch beliebter.

Die Nettoverkaufserlöse weltweit stiegen laut Knirps von 7,2 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 9,4 Millionen im Jahr 2014. Die Verkaufszahlen kletterten von 480 000 Stück auf 680 000 Stück. "Es ist gelungen, eine weltweit gültige Kollektion auf die Beine zu stellen", sagt eine Pressesprecherin der Firma Knirps, die zum Markenschirmhersteller Doppler gehört.

Seit Jahrtausenden wappnen sich Menschen mit schirmähnlichen Konstrukten vor allem gegen Sonnenstrahlen. Das englische "umbrella" oder das italienische "ombrello" (lat. umbra = Schatten) weisen auf den originären Zweck hin. Aus Bambus und Palmblättern, später mit Leder oder Seide bespannt, spendeten Schirme schon 2000 Jahre vor Christus Mächtigen Schatten. Diener hielten sie über Würdenträger. Es gibt Hinweise aus China, aber auch aus dem orientalischen Raum sind frühe Schirme bekannt, die vermutlich vor allem zum Fächern dienten.

Über Griechenland, bei dem man heute vorwiegend an den Euro-Rettungsschirm denkt, kam der damals oft dreieckige Kulturgegenstand nach Europa. Heute wählt der Kunde zwischen klassischem Stockschirm und Taschenschirm, beide auch als Automatikversion, die per Knopfdruck aufploppt. Es gibt ferner Golfschirme, Kinderschirme, Seniorenschirme, die mit stabilerer Spitze als Spazierstock geeignet sind, und ultraleichte Trekkingschirme, die gut auf den Rucksack passen.

Gefragt seien auch Schirme mit modischen Akzenten, sagt die Pressesprecherin von Doppler und Knirps: der Trachtenschirm, der Hochzeitsschirm mit Rüschen und das extravagante Modell mit Federn oder Swarovski-Steinen. Denn der Schirm sei ein Accessoire, "auf dem sich Modetrends einfach umsetzen lassen".

Dann wäre da der unzerbrechliche Selbstverteidigungsschirm. "Damit kann ich Angriffe abblocken, Abstand herstellen und notfalls zurück schlagen", sagt Gerhard Spannbauer, der das Gerät in München entwickelt hat. Oder der Hundeschirm, den Herrchen wie eine Tüte über den Liebling hält. Nasser Hund riecht nun mal schlecht. Im Einzelhandel scheint die Hundevariante keine Rolle zu spielen. Auch Kopfschirme, die man wie Mützen aufsetzt, setzten sich laut Händlern nicht durch, ebensowenig wie diverse Modelle für den regenfesten Radler, die in unterschiedlicher Position am Rad befestigt werden.

Im Zeitalter von 2.0 ist auch der Regenschirm mit seiner doch sehr mechanischen Schutzfunktion vielleicht ein bedrohtes Kulturgut. Studenten in Peking haben Berichten zufolge einen Schirm ohne Schirm entwickelt. Statt durch Stoff wird der Regen durch Luftdruck zur Seite gedrängt - und der Mensch bleibt trocken. Wie so oft heutzutage scheint aber auch hier die offene Frage die Akkuleistung zu sein.

dpa

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