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Kork als neues Trendmaterial für Möbel

Immobilien Kork als neues Trendmaterial für Möbel

Kork ist seit einiger Zeit als Material für Wohnprodukte wieder sehr gefragt. Dieser Designtrend verkörpert wie kaum ein anderer den Zeitgeist.

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Designerin Ilse Crawford hat für Ikea eine Produktfamilie mit Korkmöbeln entworfen, dazu gehören Sitzmöbel und ein Tisch. Foto: Ikea/Marcus Lawett

Berlin. Kork kennt man als Verschluss für Weinflaschen, ebenso als Fußbodenbelag oder Dämmstoff. Seit einigen Jahren erfreut sich das Material auch bei Wohnprodukten wieder großer Beliebtheit.

Sogar der Möbelgigant Ikea bedient den Trend gleich mit einer kompletten Kollektion von Produkten aus Kork. Für deren Design hat das schwedische Unternehmen mit Ilse Crawford eine der derzeit international erfolgreichsten Innenarchitektinnen engagiert.

Zu der von der Britin entworfenen Produktfamilie gehören Sitzmöbel, ein Tisch, eine Leuchte, Untersetzer sowie verschiedene Glasgefäße mit Korkverschluss. Crawford begründet ihre ungewöhnliche Materialwahl mit den vielfältigen Eigenschaften des Werkstoffes: "Kork ist wasserabweisend, leicht und sehr robust", sagt sie.

"Was noch wichtiger ist: Es fühlt sich gut an. Wir wollten eine Kollektion schaffen, deren Stücke man gerne anfasst." In der haptischen Qualität des Werkstoffes sieht die Designerin einen Gegenpart zur immer immaterieller werdenden modernen Welt. "Je digitaler unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach dem Greifbaren", sagt Crawford.

Kork gehört in die Gruppe von hochwertigen Naturmaterialien, die derzeit beim Wohnen gefragter sind denn je. Es gab in den vergangenen Jahren eine Renaissance des Marmors, ebenso sind Buntmetalle wie Kupfer, Messing, Bronze, Hölzer oder wollene Textilien sehr in Mode.

Wie bei allen Naturstoffen ist auch die Gewinnung von Kork aufwendig. "Erst bei der dritten Schälung, wenn der Baum ungefähr 40 Jahre alt ist, können sie zum ersten Mal das wertvollste Produkt, den Naturkorken, aus der Rinde ausstanzen", erklärt Ulrike Schaeidt, Mitglied im Deutschen Kork-Verband. "Sie müssen auf die Wälder sehr aufpassen, dass kein Feuer entsteht. Sonst haben sie 40 Jahre Investition in den Sand gesetzt." Wie ein guter Wein muss auch der Kork lange reifen.

Mit dem Material Kork entscheiden sich die Hersteller von Wohnprodukten aber für einen nachhaltigen Werkstoff. Korkwälder sind wichtige Ökosysteme, die die biologische Vielfalt sichern, Wasserkreisläufe regulieren und Kohlenstoffdioxid binden. Bei der Ernte der Rinde geht nichts verloren, sondern alles wird verwertet.

Aus dem wertvollsten Teil werden die Korken ausgestanzt. Die Abfälle – rund zwei Drittel des Volumens – zermahlen die Produzenten zu Granulat. Dieses wird mit einem Bindemittel versetzt und unter Hitze zu Blöcken gepresst. Auch alte Korken können so zermahlen werden, denn Kork ist zu 100 Prozent recycelbar. Die Korkblöcke sind das Rohmaterial für die Wohndesigner.

Ein weiteres Beispiel für die dabei entstehende kreative Vielfalt ist das portugiesische Unternehmen Sofalca. Unter dem Label Black Cork veröffentlicht der Korkproduzent in Zusammenarbeit mit jungen portugiesischen Designern ein komplettes Programm mit Wohnaccessoires, Sitzmöbeln und Tischen. Die Designer verwenden ausschließlich einen dunklen Kork. Der Produzent Solfaca hat ein Verfahren entwickelt, bei dem der Kork mit Hilfe von Dampf und nur mit dem eigenen Harz als Bindemittel verbacken werden kann. Auf diese Weise erhält das Material eine schokoladenhafte Farbe.

Ein originelles Produkt aus der Serie ist der Rohla Coffee Table. Dem Designer Gonçalo Campos gelingt damit eine Referenz zur Weinflasche: Die Holzbeine des Tisches haben an einem Ende eine Stahlspirale wie bei einem Korkenzieher. Damit werden sie einfach in die Tischplatte gedreht - und theoretisch kann man zwischendurch ein Bein wieder rausdrehen und damit eine Rotweinflasche öffnen.

Jasper Morrison setzt bei seiner Hockerserie namens Cork Family für Vitra noch eine weiteren besonderen Aspekt des Materials in Szene: Seine Schlichtheit. "Heute wird im Design die Form überbewertet", findet der britische Gestalter. "Wenn ich ein Produkt entworfen habe, dem man nicht ansieht, dass dabei ein Designer am Werk war, habe ich eine gute Arbeit gemacht."

Das Credo von Morrison sei "supernormal". Er setzt Design in Szene ohne Eitelkeiten und Extravaganzen - und mit dem Kork findet er das passende Material für seine Philosophie. Im Gegensatz zu Marmor, Holz oder Messing wirkt Kork nicht edel, sondern unauffällig, fast schon antiluxuriös. Und Morrissons Design setzt keinen schnell vergänglichen Reiz, sondern wirkt so lange gereift wie Korkeiche. Und letztlich trifft Entschleunigung auch den Nerv unserer Zeit.

dpa

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