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Die neuen MacBook Pro im Praxistest

Technik Die neuen MacBook Pro im Praxistest

Vor vier Jahren setzte das MacBook Pro mit seinem Retina-Display neue Maßstäbe im Laptopmarkt. Mit einem runderneuerten Modell und einem alternativen Touch-Bedienkonzept will Apple nun wieder punkten. Erste Eindrücke aus einem Praxistest.

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Das Retina Display der neuen MacBook Pro strahlt 67 Prozent heller als seine Vorgänger und kann erweiterten Farbraum (P3) anzeigen.

Quelle: Apple Inc.

Berlin. "Touch" ist das Zauberwort bei den neuen Laptop-Generationen. Die aktuellen Modelle von Microsoft, Lenovo und anderen Herstellern haben inzwischen durchgängig Bildschirme zum Antippen und Wischen. Auch Apple setzt beim neuen MacBook Pro auf Bedienung durch Berühren.

Dabei handelt es sich aber nicht um den eigentlichen Bildschirm, sondern um einen schmalen Displaystreifen namens Touch Bar oberhalb der Tastatur. Bei der Vorstellung des neuartigen Eingabefeldes konnte man bereits erahnen, dass es sich nicht nur um eine technische Spielerei handelt. Adobe-Managerin Bradee Evans demonstrierte, wie etwa in Photoshop komplizierte Arbeitsschritte mit einem Fingertipp erledigt werden.

Die Touch Bar ist ein berührungsempfindliches, schmales OLED-Display und ersetzt die oberste Reihe der Tastatur mit den Funktionstasten F1 bis F12. Beim Anfassen fällt auf: Sie fühlt sich nicht wie ein Bildschirm an, sondern deutlich griffiger. Die Symbole erscheinen kristallklar und in Farbe - wie aufgedruckt. Der Streifen reagiert als Multi-Touch-Display auf mehrere Eingaben gleichzeitig. Bis zu zehn Eingabepunkte werden erkannt. 

Die Touch Bar ersetzt auch den herkömmlichen Ein-/Aus-Schalter. Das MacBook Pro startet nun beim Öffnen des Deckels. Mit dem eingebauten Touch-ID-Sensor sind Anmeldung und Benutzerkontenwechsel per Fingerabdruck möglicht. In den USA und einigen anderen Ländern kann man darüber auch via Apple Pay im Web bezahlen. In Deutschland und Österreich ist der Bezahldienst aber noch nicht verfügbar.

Ist kein Programm aktiv, zeigt die Touch Bar die üblichen Funktionstasten an. Auch die klassische Escape-Taste ist hier zu finden. Je nach Situation und aktiver App verändern sich die angezeigten Schaltflächen. Beim Schreiben in Word oder anderen Programmen lassen sich per Fingertipp Formatierungen und Schriftfarben auswählen oder Wortvorschläge akzeptieren. Anwender können - ähnlich wie bei den "Ribbons" in Microsoft Office - wählen, welche Bedienelemente sie auf dem OLED-Streifen sehen wollen.

Auch in anderen Apps ist die Touch Bar flexibel: In der Notizen-App kann man auf der Touch Bar Aufzählungen direkt anwählen. In der Nachrichten-App oder in Mail wird sie zur Emojileiste, die Fotos-App bietet an, durch viele Bilder zu wischen, um das gesuchte Foto schneller zu finden. Noch nicht alle Programme unterstützen das neue Bedienkonzept. Da Apple aber die Programmschnittstelle (API) für Entwickler geöffnet hat, ist es nur eine Frage der Zeit.

Die neue Touch Bar fasziniert beim Praxistest so sehr, dass die anderen Merkmale der neuen MacBook-Pro-Generation ein wenig in den Hintergrund rücken. Das neue MacBook Pro ist im Vergleich zu den Vorgängermodellen deutlich kompakter geworden: Also leichter, dünner und mit schmalerem Displayrahmen. Deutlich größer fällt dagegen das Trackpad aus. Beim 15-Zoll-Gerät ist es um 100 Prozent gewachsen, beim 13-Zöller sind es 43 Prozent mehr Fläche. Beim Tippen lösen aufliegende Hände keine ungeplanten Aktionen aus - eine Fingereingabe wird dagegen präzise erkannt.

Auch das Display wurde verbessert. Es strahlt bei 500 Nits (ein Nit bezeichnet die Helligkeit einer Kerze) um 67 Prozent heller als die Vorgängermodelle. Beim Hauptprozessor setzt Apple wie Microsoft beim Surface nicht auf Intels neueste Chip-Generation "Kaby Lake", sondern auf die Vorgängergeneration "Skylake". Das hat vor allem damit zu tun, dass Intel "Kaby-Lane" derzeit nur mit zwei Rechenkernen ausliefert. Für die großen 15-Zoll-Modelle setzt Apple aber auf vier Kerne, die im Highend-Bereich auch nötig sind.

Einen radikalen Neuanfang wagt Apple bei den Schnittstellen: Die bisherigen Modelle boten neben dem MagSafe-2-Port für den Ladestrom, zwei USB-3-Buchsen, einen HDMI-Ausgang, einen SD-Karten-Schacht, zwei Thunderbolt-2-Schnittstellen sowie eine Klinkenstecker-Buchse für den Kopfhörer. Davon hat nur die Kopfhörerbuchse überlebt. Alle anderen Stecker haben das Thunderbolt-3-Format und können auch mit USB-C-Geräten genutzt werden. Je nach MacBook Pro sind zwei oder vier der Anschlüsse verbaut. Sie dienen zum Aufladen des Rechners, aber auch zum Anschluss von Monitoren, Festplatten und anderen Geräten.

Da diese modernen Schnittstellen aktuell noch wenig verbreitet sind, brauchen MacBook-Pro-Nutzer wohl zumindest anfangs viele Adapter. Etwa für SD-Speicherkarten oder USB-Sticks, für HDMI- oder VGA-Monitore oder externe Festplatten. Insbesondere der Wegfall des SD-Kartenslots ist zu bedauern, konnten Profifotografen damit bislang doch ohne Zusatz-Hardware Fotos von der Kamera auf den Rechner holen.

Ein MacBook Pro war auf dem Laptopmarkt noch nie ein Schnäppchen. Mit dem schwachen Eurokurs sind die Preise nun nochmals gestiegen. Das 13-Zoll-MacBook Pro mit Touch Bar (2,9 GHz Dual-Core i5 Prozessor, 8 GB Arbeitsspeicher, 256 GB Flash Speicher) gibt es ab 1999 Euro. Das 15-Zoll-Modell mit Touch Bar (2,6 GHz Quad-Core i7 Prozessor, 16 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Flash-Speicher) kostet ab 2699 Euro. Das Einsteigermodell mit 13-Zoll-Bildschirm und ohne Touch Bar gibt es ab 1699 Euro. Die meisten Kunden dürften aber auf die Modelle mit der neuartigen Bedienleiste schielen.

dpa

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