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Flache Flunder für Fotofans - Das Huawei P10 im Test

Technik Flache Flunder für Fotofans - Das Huawei P10 im Test

Leistung allein reicht nicht, ein Alleinstellungsmerkmal muss her. Bei Huaweis P10 soll das eine besonders gute Kamera sein. Und gut ist die mit Leica entwickelte Doppelknipse wirklich. Ansonsten ignoriert das P10 allerdings einige Smartphone-Trends.

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Bei der Kameraentwicklung arbeitet Huawei seit dem P9 mit Leica zusammen. Die Wetzlarer sind unter anderem am Linsendesign und der Software beteiligt.

Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Berlin. Richtig schlechte Smartphones gibt es eigentlich nicht mehr. Nahezu alle Android-Modelle ab der Mittelklasse aufwärts bewältigen alle Alltagsaufgaben mühelos. Da braucht es schon mehr als reine Leistung, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Huawei versucht, bei seinen Top-Modellen die Kamera zum Alleinstellungsmerkmal zu machen und holt sich seit dem P9 Hilfe bei Leica. Auch im neuen P10 stecken zwei gemeinsam mit dem Wetzlarer Traditionsunternehmen entwickelte Kameras: eine 12-Megapixel-Farbkamera und ein Schwarz-Weiß-Modell mit 20 Megapixeln. P10-Nutzer können damit neben herkömmlichen Farbfotos echte Monochrom-Bilder schießen oder die Vorzüge beider Kameras vereinen.

Mit dem Hybridzoom etwa lassen sich Motive verlustfrei zweifach heranzoomen, der S/W-Sensor wird außerdem zur Ermittlung von Tiefeninformationen genutzt. Das zeigt sich besonders beim Porträtmodus. Hier arbeiten beide Kameras zusammen, Gesichter auf Porträtfotos erscheinen vom künstlich mit Unschärfe versehenen Hintergrund leicht losgelöst.

Die Bedienung der Kameras ist trotz zahlreicher Optionen erfreulich simpel gehalten. Alle relevanten Filter oder Aufnahmemodi sind nur zwei Fingertipper entfernt. Wer selbst Hand an Belichtung, Blende und Co. anlegen will, aktiviert per Fingerwisch nach oben im Sucher den Profi-Modus. Videos filmt das P10 maximal mit 4K-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel), in Full-HD-Auflösung (1920 zu 1080 Pixel) auch mit 60 Bildern pro Sekunde.

Einige Schwächen erlaubt sich die unter Normalbedingungen sehr gute Kamera doch. Gelegentlich liegt der schnelle Autofokus leicht daneben. Am Smartphonedisplay fällt das kaum auf, am Computerbildschirm schon. Bei wenig Licht verrauschen die Bilder schnell, wenn man der Automatik die Arbeit überlässt. Alles in allem zählt die Kamera aber zur momentanen Smartphone-Spitze.

Im Inneren des P10 steckt mit dem Kirin-960-Achtkernprozessor ordentlich Rechenkraft, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte Speicher. Das 5,1 Zoll große Full-HD-Display (1920 zu 1080 Pixel) ist angenehm scharf, hell und stellt Farben brillant dar. Den Trend zu größeren Bildschirmen wie bim LG G6 oder dem Galaxy S8 von Samsung ignorieren die Chinesen allerdings. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Bildschirm sogar leicht kleiner. Das Gehäuse aus Aluminium liegt gut in der Hand und ist recht griffig. Allerdings zieht es Fingerabdrücke hinten und Wischspuren vorne geradezu magisch an.

Huawei installiert auf dem P10 Android 7, legt aber eine Emotion UI genannte eigene Oberfläche darüber. Sie ist ähnlich gestaltet und simpel wie Apples iOS, sogar die Android-Bedienleiste kann man ausblenden. Kommandos wie Zurück, Home oder das Aufrufen des App-Switchers werden dann über Wischgesten auf dem blitzschnell reagierenden Fingerabdrucksensor aufgerufen.

Ab Werk sind einige praktische Huawei-Apps installiert. Der Telefonmanager bündelt alle wichtigen Einstellungen zu Datenschutz, Zugriffsrechten, Speicher, Leistung, Virenschutz und Stromverbrauch an einer Stelle. Im App-Twin können Zweitzugänge für den Messenger Whatsapp und Facebook angelegt werden. Da das P10 auch zwei SIM-Karten verwalten kann, ist das ziemlich praktisch. Im Dateisafe lassen sich Daten verschlüsselt ablegen, die App-Sperre sichert einzelne Apps mit Zugriffscode gegen unbefugte Nutzer.

Fazit: Das Huawei P10 ist ein schlankes, leistungsstarkes und extrem gut verarbeitetes Smartphone mit zwei tollen Kameras. Der Androide für knapp 600 Euro kann die Kompaktkamera in den meisten Fällen locker ersetzen. Die reduzierte Android-Bedienoberfläche ist leicht zu nutzen und hebt das P10 mit cleveren Bedienhilfen und praktischen Optionen von der Konkurrenz ab. Allerdings konnte das in weiten Teilen auch schon der Vorgänger P9.

Außerdem fehlen Wasserschutz und Unterstützung für Googles Daydream VR. Für die virtuelle Realität taugt das P10 damit nur sehr eingeschränkt. Einen kleinen Punktabzug gibt es für die für Fingerabdrücke extrem anfälligen Oberflächen.

Mehr Huawei P10 gibt es im Huawei P10 Plus. Es hat ein größeres 5,5-Zoll-Display (2560 zu 1440 Pixel), 6 GB Arbeitsspeicher und eine noch größere Blende von F1.8 für beide Kameras. Der Preis: rund 750 Euro. Wer auf Leica-Kameras verzichten kann, findet vielleicht die Variante P10 lite interessant. Sie gibt es mit etwas kleinerer Hardware, Fingerabdrucksensor auf der Rückseite und ohne Doppelkamera für rund 350 Euro.

dpa

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