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Googles künstliche Intelligenz soll überall sein

Technik Googles künstliche Intelligenz soll überall sein

Auch wenn Google das erste beim Konzern entworfene Smartphone und einen vernetzten Lautsprecher vorstellte, eigentlich ging es dabei nicht um die Hardware. Die Geräte sind Schnittstellen, über die künstliche Intelligenz mit Menschen kommunizieren soll.

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Googles Brille «Daydream View» kann in das «Pixel»-Smartphone eingeschoben werden.

Quelle: John G Mabanglo

San Francisco. So sieht die Zukunftsvision von Google aus: Ein digitaler Assistent mit künstlicher Intelligenz durchdringt den ganzen Alltag. Er ist auf den Servern in der Google-Cloud zuhause und ist immer und überall über alle möglichen Geräte erreichbar.

Er kann den Nutzern nahezu jede Frage beantworten oder ihre Aufträge erfüllen - weil er sie gut kennt. Und er hört immer zu, damit er keinen Sprechbefehl und seinen Einsatz auf die Aktivierungs-Worte "Okay, Google" verpasst.

Bei Googles Neuheiten-Präsentation in San Francisco ging es vordergründig um neue Geräte, vor allem das Smartphone "Pixel" samt VR-Brille und den vernetzten Lautsprecher "Home". Doch das "Herzstück" beider Geräte ist der neue Google Assistant, der persönliche Assistent, der auf Googles Wissen über die Welt zurückgreife, wie Konzernchef Sundar Pichai gleich zu Beginn klarstellte. Deutschland ist dabei ein wichtiger Markt: Schon zum "Pixel"-Marktstart am 20. Oktober soll der Assistent Deutsch als einzige weitere Sprache außer Englisch beherrschen.

Um ihn besser in ein Smartphone zu integrieren, habe

Google erstmals selbst komplett ein Telefon entworfen - auch wenn das "Pixel" eigentlich vom Hersteller HTC gebaut wird. Erstmals seit Google kurzfristig Besitzer von Motorola war, bietet der Internet-Riese damit Hardware und Software aus einer Hand an. Das ist seit jeher Teil von Apples Erfolgsmodell und das "Pixel" soll ganz klar iPhone-Kunden abwerben: Es gibt einen Umzugsassistenten samt Adapterkabel. Aber als eine Art Kollateralschaden könnte auch Android-Partner Samsung Federn lassen, der gerade durch das Batterie-Debakel bei seinem Top-Modell Galaxy Note 7 angreifbar ist. Doch der Einsatz ist so hoch, dass Google keine Rücksicht darauf nehmen kann.

Denn es geht um die Zukunft. "Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Kommunikation mit digitalen Assistenten die nächste Form sein wird, die Computer-Technik annimmt", sagt Analyst Ranjit Atwal vom IT-Markforscher Gartner. Sprache sei natürlich, und wenn die Interaktion mit Geräten gut klappe, würden die Menschen sie auch schnell annehmen. Alle Großen der Branche arbeiten daran. Apple hat seit 2011 die sprechende Assistentin Siri in seinen iPhones, die inzwischen auf allen Geräten des Konzerns verfügbar ist. Microsofts Gegenstück heißt Cortana. Und der Online-Händler Amazon landete einen Hit mit dem vernetzten Lautsprecher "Echo", über den die Assistentin Alexa mit den Nutzern kommuniziert.

Google will das Zuhause nicht Amazon überlassen und lässt jetzt gegen das Gespann von "Echo" und Alexa den Lautsprecher "Home" und seinen Assistenten antreten. Das Konzept ist bemerkenswert ähnlich: Man sagt "Hey, Alexa" oder "Okay, Google" - und ist im Gespräch mit künstlicher Intelligenz. Dann könne man zum Beispiel Fragen, wie heute die Verkehrslage sei oder wie man sich ein Bier auf Spanisch bestelle, erklärte Entwickler Mario Queiroz in San Francisco.

Die Software dahinter ist so schlau, wie Google es ist. Man könne also sagen: "Spiele den Shakira-Song aus dem Film "Zoomania"" - und der Lautsprecher wisse, welches Lied gemeint sei. Anhand von Einkaufslisten wurde demonstriert, wie verschiedene Geräte zusammenspielen. Man sagt dem Lautsprecher: "Zeige mir die Einkaufsliste" - und sie wird auf dem Smartphone eingeblendet.

Und Google wäre nicht Google, wenn man in "Home" nicht auch eine nerdige Spielerei eingebaut hätte: Wer unentschlossen ist, kann den Lautsprecher eine Münze werfen lassen - es macht "pling", und das Gerät sagt, ob dabei Kopf oder Zahl herauskam.

Mit der Funktion "Mein Tag" kann der Lautsprecher einem am Morgen den Tagesablauf erzählen. Voraussetzung ist natürlich, dass man den gesamten Inhalt seines Kalenders bei Google hat. Und hier wird deutlich - jeder Assistent ist nur so nützlich, wie gut er den Menschen kennt. "Die Anbieter werden versuchen, so viele Daten wie möglich über die Nutzer zu erfahren", betont Gartner-Analyst Atwal. Das Vertrauen zu einem Anbieter beim Datenschutz werde eine zentrale Rolle spielen. Schließlich müssten sich die Menschen an den Gedanken gewöhnen, dass um sie herum ständig Mikrofone lauschten.

Das Analysehaus IHS rechnet damit, dass der Google Assistant dank der selbstlernenden Computer des Internet-Konzerns Amazons Alexa im Alltag überlegen sein wird. Und Google will die Plattform öffnen, damit alle Hersteller den Assistenten in ihre Technik integrieren können. "Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der der Assistant in jeder Situation von jedem Gerät aus helfen kann", betonte Hardware-Chef Rick Osterloh. Nach Informationen des Magazins "Variety", das in der Unterhaltungsbranche zuhause ist, lud Google jüngst Vertreter von Elektronik-Konzernen ein, um ihnen den Assistenten zu präsentieren und schmackhaft zu machen.

Bleibt die Frage nach dem Geschäftsmodell. Bei Amazon ist das klar - über den "Echo" kann man zum Beispiel auch alle möglichen Verbrauchsartikel per Sprachbefehl nachbestellen. Im Fall von Google wird es schwieriger: Der Konzern verdient sein Geld nach wie vor hauptsächlich mit Werbeanzeigen im Umfeld der Internet-Suche. Allerdings glaubt Gartner-Analyst Atwal, dass der Online-Riese mit Daten profitieren kann: Google werde über die Interaktion mit dem Assistenten mehr über die Nutzer lernen, um ihnen besser auf sie zugeschnittene Werbung zeigen zu können. "Das Ziel ist, ein persönliches Google für jeden einzelnen zu entwickeln", sagte Pichai in San Francisco.

dpa

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