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Wo das Handy zum Verräter wird: Bedrohung der Hightech-Welt

Computer Wo das Handy zum Verräter wird: Bedrohung der Hightech-Welt

Der normale Bürger wird dank der sozialen Medien immer transparenter. Auf der Hightech-Messe CeBIT fordern Experten und Verbraucherschützer daher einen benutzerfreundlicheren, wirksameren Datenschutz.

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«Cyber Security» ist ein wichtiges Thema auf der CeBIT Messe in Hannover.

Quelle: Ole Spata

Hannover. Die Gefahr schlummert auf dem Display. Auf der Technologiemesse CeBIT wollte der Chef des IT-Sicherheitsunternehmens Avast, Vince Steckler, von den Zuhörern wissen: "Wer hat auf seinem Dienst-Handy WhatsApp?".

Als sich bei einer Konferenz über Datensicherheit viele Hände in die Höhe reckten, schockte er sein Publikum mit den Worten: "Ohne die Zustimmung ihres Arbeitgebers können Sie WhatsApp gar nicht nutzen." Grund: Vor dem Laden der App steht der Klick auf Nutzerbedingungen, die dem Kurzmitteilungsdienst üppigen Zugriff auf alle Daten und Bilder des Smartphones gewähren.

Steckler wies auf ein Dilemma hin, das viele Nutzer der sozialen Medien umtreibt. Auch wenn viele ahnen, dass ihre Kommunikation nicht sicher ist: Es gibt kaum Alternativen. Will man nicht isoliert leben, wie es eine Nutzerin auf den Punkt brachte, drückt man eben auch mal beide Augen zu. "Wir haben viel zu wenig Kenntnis darüber, wie manipulierbar wir sind durch die Dienste, die wir nutzen", kritisierte die Datenschutz-Aktivistin und Autorin Anke Domscheit-Berg auf der CeBIT. Sie verwies auf den großen Einfluss von Diensten wie Facebook, durch die selbst demokratische Wahlen manipuliert werden könnten.

Eine Antwort könne eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema im Schulunterreicht sein. "Das Internet gehört in alle Fächer hinein und kann nicht nur ein extra Fach sein", sagt Domscheit-Berg. Allerdings reiche das nicht aus. Auch der Rest der Gesellschaft habe immer noch zu wenig verstanden, wie exponiert er sei: "Da besteht ganz breiter Aufklärungsbedarf."

Der US-Datenverschlüsselungsexperte Phil Zimmermann vertrat zwar die Ansicht, das öffentliche Bewusstsein sei seit den Enthüllungen des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden geschärft. Doch viele wüßten nicht, wie sie dieses Wissen praktisch umsetzen können. "Wir machen uns immer mehr abhängig von Smartphones, ohne zu wissen: Was ist da überhaupt drin?" meinte Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragte Marit Hansen. Es sei auch heute noch sehr untypisch, dass man einer Behörde vertrauliche Daten verschlüsselt senden könne.

Die Einfalltore für Cyber-Gangster reichen von kostenlosen Hotspots über simple Rechner- oder Wecker-Apps und verschenkte USB-Sticks bis zu Mails mit angehängter Schadsoftware oder auch Klimaanlagen. Die immer schnelleren technischen Innovationen in der digital vernetzten Hightech-Welt senken zwar die Produktionskosten vieler Unternehmen, schaffen aber auch neue durch den aufwendigen Schutz der wichtigen Datenströme. Um sich vor Cyber-Attacken zu schützen, reichen die Kosten nach Angaben der IT-Experten von sechsstelligen Euro-Beträgen bis hin zu mehreren Millionen Euro bei großen Betrieben.

Einige waren sich aber alle Experten, dass der Mensch das größte Risiko bleibt. Deshalb dürften Verschlüsselungstechniken nicht kompliziert sein, sondern müssten anwenderfreundlich daher kommen. "Das ist noch immer schwierig, das ist noch immer kompliziert - da brauchen wir mehr", forderte Hansen. Nicht alles, aber doch wesentliche Bausteine gelte es abzusichern. Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte einen Datenschutz, der schon ab Herstellung auf den Geräten so gut sei, dass der Nutzer nichts mehr selber machen muss.

Der finnische Manager Christian Fredrikson demonstrierte, wie einfach der Zugang zum Allerheiligsten von Banken oder Online-Casinos ist. "Innerhalb ihres Unternehmens ist alles ein Ziel", sagte er. Als Beispiel für eine derartige Attacke führte er einen Cyber-Angriff aufs Navigationssystem im Jeep des US-Autobauers Chrysler an. Die Täter hatten glücklicherweise keine kriminellen Motive, sondern wollten nur auf Schwachstellen hinweisen. Das Schadenspotenzial wäre enorm gewesen - auch mit Blick auf das Kundenvertrauen bei der Debatte um das fahrerlose, autonom fahrende Auto von morgen.

dpa

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