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Erziehung und Ruhe helfen: Tipps für Besuch beim Tierarzt

Tiere Erziehung und Ruhe helfen: Tipps für Besuch beim Tierarzt

Der Besuch beim Tierarzt muss für einen Vierbeiner nicht stressig sein. Hunde können schon als Welpe in der Praxis gute Erfahrungen sammeln. Und bei Katzen hilft vor allem: Ruhe bewahren.

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Thomas Steidl arbeitet als Tierarzt in Tübingen.

Quelle: Christoph Schmidt

Frankfurt/Main. Das Drama geht schon los, wenn die Katze Jennie nur die Transportbox sieht. Sie weiß genau: "Jetzt geht's zum Tierarzt". Nur mühsam kann sie eingefangen und in die Box gesperrt werden. Dort jault sie ununterbrochen.

Auch für Hund Onja ist ein Tierarztbesuch stressig: Der große Hund weigert sich, auf dem Hof der Praxis aus dem Auto zu springen. Mit Mühe und Not schafft ihn sein Herrchen schließlich ins Wartezimmer. "Wichtig ist, dass der Besitzer immer souverän bleibt", sagt Monika Groß, Tierverhaltenstherapeutin aus Grävenwiesbach (Hessen).

Bei Hunden kann in der Erziehung vorbeugend viel getan werden, damit sie sich nicht mit allen Pfoten gegen den Besuch beim Tierarzt sträuben. Sie können schon als Welpen der Praxis einen Besuch abstatten, ohne dass sie behandelt oder geimpft werden. Am besten ist die Zeit bis zum Alter von zwölf Wochen, also im wichtigsten Bereich der Prägephase. Was der Hund in dieser Zeit erlebt, behält er sein Leben lang im Gedächtnis. "Da nimmt man sich Zeit, setzt sich zu ihm auf den Boden, spielt mit ihm und gibt ihm Leckerlis", rät der Tierarzt Thomas Steidl aus Tübingen. Außerdem darf das Tier sich in aller Ruhe den Behandlungsraum anschauen. 

Natürlich sollte sich der Besitzer vorab einen Termin geben lassen und nachfragen, ob der Tierarzt mit einem solchen Vorgehen einverstanden ist. Steidl meint, dass sich dieser Zeitaufwand nicht nur für Hund und Besitzer, sondern auch für den Veterinär lohnt. Denn solche Hunde bleiben oft dauerhaft unkomplizierte Patienten. 

Doch was tun, wenn der Hund sich schon vor dem Tierarzt fürchtet? Hier ist es zum einen sinnvoll, sich einen Termin geben zu lassen, damit die Wartezeit möglichst kurz ist. Sehr ängstliche Hunde können bis zur Behandlung im Auto warten. Die Psychologin Andrea Beetz, die sich mit der Mensch-Tier-Beziehung beschäftigt, warnt davor, permanent beruhigend auf das Tier einzureden: "Das gilt vor allem, wenn man sich selbst eigentlich damit beruhigen will." Auch ständiges Streicheln führt dazu, dass der Hund noch aufgeregter wird. Denn solch ein Verhalten bestätigt ihn darin, dass etwas überhaupt nicht in Ordnung ist. 

Der Besitzer sollte Ruhe ausstrahlen, das überträgt sich auf sein Tier. Während der Behandlung sollte er den Hund - wenn es geht - am Kopf festhalten. Schließlich ist er die Vertrauensperson. Bei einem nervösen Tier kann es helfen, wenn es von einem ruhigen und angstfreien Artgenossen begleitet wird.

Viel schwierigere Patienten sind oft Katzen. "Sie sind keine Rudeltiere und müssen von einer Kooperation überzeugt werden", sagt Tierarzt Steidl. Vielen geht es so wie Katze Jennie - sie sehen die Transportbox und flüchten entsetzt. "Am besten, man gewöhnt die Katze schon zu Hause unabhängig vom Tierarztbesuch an die Box. Sie können sich darin zurückziehen und kriegen Leckerlis", rät Monika Groß. Zu Hause kann die Box auch mal zugemacht und das Tier darin herumgetragen werden.

So erlebt die Katze den Transport wenigstens am Anfang nicht als Stress, spätestens im Auto weiß sie jedoch Bescheid. Viele Katzen weinen dann jämmerlich. Im Wagen wird die Box am besten auf den Beifahrersitz gestellt. Wie beim Hund gilt auch hier: Einige beruhigende Worte in einem tiefen Tonfall helfen, aber Dauerreden ist kontraproduktiv. Bei sehr aufgeregten Katzen kann es helfen, die Box mit einem Tuch abzudecken. 

In der Praxis wird der Katzenkorb am besten auf den Schoß genommen und das Tier durch die Gitterstäbe gestreichelt. Auf keinen Fall sollte Hunden im Wartezimmer erlaubt werden, sich dem Korb zu nähern. Gut sind hier Tierarztpraxen, die getrennte Wartezimmer für Hunde und Katzen anbieten. 

"Bei der Behandlung ist es dann wichtig, so wenig Zwang wie möglich anzuwenden", weiß Steidl. Die flinken und wendigen Tiere sind schwer festzuhalten, außerdem wissen sie sich mit ihren scharfen Zähnen und Krallen gut zu wehren.

Im Gegensatz zu Hunden bringt es bei Katzen nichts, sie schon im Welpenalter zum Kennenlernen beim Tierarzt vorbeizubringen. "Für eine Katze ist so etwas immer Stress", sagt Steidl. Auch ein zweites Tier zur Beruhigung ist Katzen in der Regel egal - sie wollen einfach nur weg. Ein Katzengeschirr kann ebenfalls kontraproduktiv sein. "Da werden sie nur noch panischer", warnt Tierverhaltenstherapeutin Groß.

dpa

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