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Gottesanbeterin ist "Insekt des Jahres"

Tiere Gottesanbeterin ist "Insekt des Jahres"

Männchenverschlingendes Horrormonster oder faszinierende, großäugige Schönheit? Um wenige Insekten dürften sich so viele Mythen ranken wie um die Gottesanbeterin. Nun ist sie "Insekt des Jahres".

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Die Gottesanbeterin ist zum «Insekt des Jahres 2017» gekürt worden.

Quelle: Nic Bothma

Müncheberg/Frankfurt. In Japan gilt sie als Symbol für Wachsamkeit, Geduld und Beständigkeit - in Deutschland ist sie eher als "Femme fatale" unter den Insekten berühmt-berüchtigt. Mit der Gottesanbeterin ist ein ganz besonderes Tier

"Insekt des Jahres 2017" geworden.

Die Fangschrecke mit den großen Facettenaugen, die in Deutschland als bedrohte Art geführt wird, soll auch auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen.

"In den letzten Jahren hat sich die Gottesanbeterin stark ausgebreitet - das scheint auch eine Folge des Klimawandels zu sein", sagt Professor Thomas Schmitt, Direktor des Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg und Vorsitzender des Auswahlkuratoriums.

Die Entscheidung für die Gottesanbeterin als "Botschafterin der Insekten im deutschsprachigen Raum" sei einstimmig gefallen - es handele sich schließlich um ein faszinierendes Insekt, das Neugier erzeuge. "Marienkäfer kennt jeder", so Schmitt - wobei auch der Marienkäfer schon seinen Auftritt als Insekt des Jahres hatte.

Allerdings gilt der Käfer bei den meisten Menschen als niedlicher Glücksbote. Die Gottesanbeterin hat einen deutlich schlechteren Ruf. Schuld daran ist ihr Paarungsverhalten. Da gilt das Weibchen als Männerkillerin. "Das ist schon eine ganz schöne Mördermaschine", räumt Schmitt ein.

Aber es sei auch nicht ganz richtig, die Gottesanbeterin in so ein "fürchterlich schlechtes Bild zu rücken", bemüht sich der Experte um Ehrenrettung der ersten Fangschrecke, die zum Insekt des Jahres gekürt wurde. "Die Paarung der Gottesanbeterin ist schon ein gefährliches Spiel für das Männchen", gibt er allerdings zu. Denn das deutlich kleinere Männchen passe ins Beutespektrum - nicht nur für die Paarung.

Wenn das Weibchen mit Sexuallockstoffen auf sich aufmerksam mache, seien die Männchen "sehr sehr vorsichtig", pirschten sich von hinten an und sprängen auf den Rücken der Partnerin. "Wenn sie das gut machen, dann passiert nichts", sagt Schmitt.

Am Ende der Kopulation, die auch schon mal mehrere Stunden dauern könne, müsse das Männchen allerdings "schnell abhauen". Andernfalls ende es in der Tat als "after-Sex-Snack" des Weibchens. Und auch während der Paarung sollte das Männchen vorsichtig sein: "Die Kopulation kann auch kopflos erfolgreich zu Ende geführt werden", so Schmitt.

Faszinierend findet der Insektenexperte die großen Facettenaugen der bis zu 75 Millimeter großen Gottesanbeterin. Als "optische Räuber" drehten sie ihren Kopf stets in Blickrichtung. "Das ist eine der absoluten Ausnahmen im Insektenreich, dass ein Insekt einen richtig anschauen und fokussieren kann." Die Gottesanbeterin fixiert die Beute mit ihren großen Augen - dann schnellen die Fangarme vor, in nur 50 bis 60 Millisekunden.

Angesichts des eher rabiaten Umgangs mit Beute - auch außerhalb der Paarung - ist es auch für den Wissenschaftler irgendwie beruhigend, dass Gottesanbeterinnen von überschaubarer Größe sind. "Es ist ja generell so, dass es im Reich der Insekten viel brutaler zugeht als bei den Wirbeltieren", erläutert Schmitt. "Ein Löwe oder ein Tiger bringt seine Beute um, ehe er sie auffrisst. Die Gottesanbeterin, die schnappt sich etwas und fängt an, das bei lebendigem Leibe aufzufressen."

Sollte sich das zappelnde Beuteinsekt wehren, werde notfalls schon mal noch schnell ein Bein abgebissen. Allerdings seien die Nervensysteme von Insekten anders als bei Wirbeltieren. "Man geht davon aus, dass kein Schmerzempfinden da ist", sagt Schmitt. "Damit relativiert sich die scheinbare Grausamkeit wieder."

Der Schutz der Gottesanbeterin jedenfalls wirkt sich auch auf andere Arten aus. Denn die Insekten machen nicht nur Jagd auf andere Insekten, darunter auch Schädlinge, sie sind Fressbeute von Vögeln und leben in der Regel in relativ artenreichen Gebieten - vom Schutz profitieren dann auch die anderen Spezies.

dpa

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