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Schnecken sind lahm und schleimig - aber tolle Haustiere

Tiere Schnecken sind lahm und schleimig - aber tolle Haustiere

Auf dem Salatkopf sind sie gefräßige Feinde. Hinter Glasscheiben werden Schnecken zum possierlichen Haustier. Zu beobachten, wie sie ihre Fühler aus dem Haus recken und langsam ihren schleimigen Körper bewegen, ist vor allem für Kinder äußerst spannend.

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Schnecken sind dankbare Haustiere - sie benötigen eine feuchte Umgebung und sind leicht zu pflegen.

Quelle: Franziska Gabbert

Berlin. Der siebenjährige Marley beobachtet sein neues Haustier. "In der Schule haben sie auch Hunde und Katzen durchgenommen, aber ausgerechnet Schnecken sind es, die ihn faszinieren", sagt seine Mutter Fanny Jimenez. Seitdem hat die Familie in ihrer Berliner Wohnung neue Mitbewohner.

"Schnecken sind ein ausgezeichnetes Haustier für Kinder, aber auch sehr beruhigend für Erwachsene", meint Robert Nordsieck, Biologe und Autor des Ratgebers "Einheimische Schnecken" aus Österreich. Man könne sie stundenlang beobachten und entdecke immer wieder etwas Neues.

Der 47-Jährige hält selbst seit seiner Jugend Schnecken. Auch seine Frau und seine Tochter sind von den Weichtieren begeistert. Aktuell macht es sich die Neunjährige zur Aufgabe, Schneckenarten zu bestimmen und ihre wissenschaftlichen Namen zu lernen.

Auch Marley findet Schnecken wahnsinnig niedlich, erzählt seine Mutter. Er gibt ihnen Namen und lässt Turbo, Lukas und Schnecki in Rennen über Stock und Stein gegeneinander antreten.

"Nachdem die Terraristik starken Zulauf hatte, sind in den letzten Jahren auch viele Schneckenhalter dazu gekommen", erklärt Florian Grabsch vom

Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) aus Olching. Es seien unkomplizierte Haustiere.

Schneckenfreunde haben die Wahl aus zahlreichen Arten. Zum Einstieg empfiehlt Grabsch Achatschnecken. "Sie sind die gängigste Art im Hobby, einfach zu bekommen und können sich zu ansehnlichen Tieren entwickeln", sagt der VDA-Experte. Am besten hält man sie in Grüppchen.

Wer Schnecken kaufen möchte, kann das beispielsweise in Zooläden mit Terraristikabteilung machen. Auch bei anderen Schneckenliebhabern können Interessierte fündig werden. Bei exotischen Arten sollten Käufer darauf achten, dass es sich nicht um illegale Wildfänge handelt, sagt Robert Nordsieck.

Natürlich kann man die Tiere auch im Garten oder in der Natur einsammeln. Aber Vorsicht: Manche Arten wie Weinbergschnecken sind geschützt.

Ein Terrarium oder ein leeres Aquarium zum Beispiel ist ein gutes Schneckenhaus. "Eine Fläche von 60 auf 30 Zentimeter reicht für eine Handvoll Tiere", erklärt Grabsch. Extra Beleuchtung braucht es in der Regel nicht; zu dunkel sollte es allerdings nicht sein.

Auch eine Heizung ist nicht nötig: Die meisten Schnecken sind bei Zimmertemperatur zufrieden. Allerdings sollte das Schneckenheim gut verschlossen sein: Die Tiere können ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts heben und bei einem losen Deckel leicht entwischen.

Als Untergrund rät Grabsch zu Erde aus Humuspressziegeln, erhältlich im Gartenmarkt. Ein paar ungespritzte Ästchen und ein Rindenstück, an dem sich die Tiere verstecken können, vervollständigen die Einrichtung. Als Kalkquelle stellt Grabsch seinen Tieren Eier- oder Sepiaschalen ins Terrarium.

Zur Fütterung bekommen die Schnecken ungespritztes Obst und Gemüse - mit Ausnahme von Kohl und Zitrusfrüchten. "Gefüttert wird täglich so viel, wie die Tiere innerhalb von 24 Stunden fressen", sagt er. Trinkwasser benötigen die Schnecken nicht, manche baden aber gern - und freuen sich über ein flaches Schälchen Flüssigkeit.

Und Schnecken sind pflegeleicht. "Abgesehen von ein bisschen Füttern und ein wenig Saubermachen brauchen sie praktisch keine Zuwendung", sagt Nordsieck. Die Tiere sind oft schon ab einem Preis von zwei Euro zu bekommen, ihr Futter lässt sich gut aus Haushaltsresten speisen. Aquarien bekomme man neu ab etwa 40 Euro, gebraucht wesentlich günstiger, sagt Grabsch.

Wie lange Schnecken leben, ist ganz unterschiedlich. Achatschnecken würden bis zu zehn Jahre alt, sagt Grabsch. Weinbergschnecken sind freilebend mit bis zu 39 Jahren nachgewiesen worden. Viele Nacktschnecken sterben schon nach einem Jahr.

Unterschiedliche Arten lassen sich laut Nordsieck in der Regel auch zusammen halten. Allerdings haben sie unterschiedliche Nahrungsvorlieben, die die Halter vorher recherchieren sollten. Der Biologe warnt aber: Manche Schneckenarten sind räuberisch, wie beispielsweise die einheimischen Schnegel, Wegschnecken und Glanzschnecken, aber auch viele exotische Schnecken. Sie dürfen nicht in die gemischte Schnecken-Gruppe.

Literatur:

Robert Nordsieck und Micaela Brugsch: Einheimische Schnecken: In der Natur, im Garten und zu Hause, 19,80 Euro, Natur und Tier Verlag 2012, ISBN-13: 978-3-86659-191-2

dpa

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