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Alban und Cara

Alban und Cara

Sie konnte so lieb aussehen. Aber der Eindruck täuschte. Sie zeigte sich gerne aggressiv und von aufbrausendem Temperament. Doch hatte man endlich ihr Herz gewonnen, war Cara ein netter Hund.

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Quelle: André Kempner

Nur in einem Punkt ließ sie nicht mit sich reden: Ihr unverfälschter Hass galt den Artgenossen. Jeder Spaziergang mit ihr wurde zum einzigen Ausweichmanöver. Sah sie einen anderen Hund auch nur aus weiter Ferne, begann sie, sich wie wild zu gebärden. Nie hätte sie ein Beschnuppern für sich in Betracht gezogen. Ihr ungesundes Sozialverhalten trennte sie von jeglicher Akzeptanz und Freundschaft.

Und nun sollte zusammenkommen, was nach ihrem Verständnis nicht zusammengehörte. Ihre Menschen mussten verreisen und für sie gab es stattdessen Urlaub im Verwandtenkreis. Alles wäre gut gewesen, wohnte da nicht schon ein netter Doggenrüde. Er war das krasse Gegenteil. In seinem großen Körper schlummerte eine sanfte Seele. Sein ausgeglichenes Naturell führte ihn zufrieden und entspannt durchs Leben. Und nun sollte sie, die aufsässige Schäferhündin, die Ferien bei ihm verbringen. Allein die Vorstellung war absurd. Der Erstkontakt mit Alban, dem eindrucksvollen Rüden, verlief unter hohem Dezibel-Pegel. Cara machte viel Radau, was Alban mit Erstaunen erfüllte. Fast konnte man bei ihm ein verständnisloses Kopfschütteln sehen. Liebend gerne hätte Cara einen Scheinangriff gestartet und ihn bei festgestellter Schwäche des verhassten Gegenübers in den Ernstfall umgewandelt. Doch Albans imposante Erscheinung war so eindrucksvoll, dass sie die zornige Attacke in Wartestellung beließ. Knurrend verzog sie sich unter das schützende Dach eines Tisches.

Denn um bei der Wahrheit zu bleiben, im Grunde war sie ein ängstlicher Hund. Eine Schwäche, die sie versuchte, mit viel Krawall zu übertönen. Nun hockte sie unter dem Möbel und war mit dem Versuch befasst, die Stärke des Gegners abzuschätzen. Sollte der überlegen sein, dann wäre sie bereit, die Anerkennung zu leisten und das Theater einzustellen. Sie war zwar nicht sehr mutig, doch schließlich war sie nicht dumm. Sie würde sich nie im Leben mit einem Hund anlegen, gegen den sie chancenlos war. Doch es lag nicht in Albans Bestreben, mit seiner Kraft zu protzen. Aufgrund seiner enormen Größe zeigte er sich souverän. Er wusste um seine Stärke, er musste sie nicht demonstrieren. Und so beließ er die Hündin weiter in Unwissenheit. Er tat das nicht aus Berechnung, sondern aus reiner Arglosigkeit. Doch was er nicht absichtlich in die Wege leiten wollte, geschah nun in einer Form, die sein bewusstes Zutun nicht einmal benötigte. Ein Hund von so erhabener Größe muss nicht unbedingt über Eleganz verfügen. Die war auch bei Alban zu vermissen, eine charmante Tollpatschigkeit stellte sich ihm oft entgegen. In diesem Fall jedoch sollte sie die Wege ebnen.

Es kam der erste Spaziergang, er führte beide Hunde zu einem kleinen See. Mit Eifer strebte Cara zum Wasser, um ein geworfenes Stöckchen aus offensichtlicher Seenot zu retten. Sie planschte im knietiefen Nass, ganz in die Bergung versunken, als sich plötzlich vom Ufer eine scheinbare Woge löste, sie spritzend überrollte und sich der Kern der Welle als Dogge Alban entpuppte, der aus reinstem Versehen auf die Hündin sprang, um sich dasselbe Stöckchen zu holen. Cara jaulte auf, verlor die Bodenhaftung, tauchte kurzfristig unter und sprang erschrocken ans sichere Ufer, auf die eigene Rettung bedacht, während ihr vermeintlicher Gegner die hölzerne Trophäe stolz aufs Festland trug. Die ungeschickte Aktion, ohne Vorsatz ausgeführt, konnte Cara dennoch nur als Dominanz verstehen. Der Zustand der endgültigen Akzeptanz war jedoch noch nicht erreicht.

Der sollte auf dem Rückweg der Hunde-Tour erfolgen. Ein langer, schwerer Ast, bei Doggen darf der gerne über Normalmaß liegen, wurde dabei zum wichtigen Werkzeug. Stolz trug Alban seinen Fund quer im großen Maul. Ihm zur Seite trabte die Hündin. Als ein gereiztes Grollen ihren Körper verließ und sich der Kopf des Rüden schwungvoll zur Quelle des Knurrens wandte, wandte sich auch der Stock, um unsanft den Schäferhundkopf zu touchieren. Dieser weiteren Demonstration seiner Überlegenheit hielt Cara nicht länger stand. Der Transformation von Feindschaft in Freundschaft stand nun nichts mehr im Wege.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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