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Bekannt wie ein bunter Hund

Tiergeschichten Bekannt wie ein bunter Hund

Woher hatte er sie genommen, diese Selbständigkeit? Dieses pfiffige Verhalten? Wann war das alles in ihm gewachsen? Er hatte sie überrascht. Sein Herrchen, seine Umgebung.

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Quelle: dpa

Sie mussten erstaunt registrieren, erstaunt und amüsiert, wie sich Taco offenbarte, welche Intelligenz sich unter dem gelben Fell verbarg, so dass er befähig war, ein Verhalten vorzuweisen, das man normalerweise Menschen zuschreibt und nicht unbedingt einem Hund. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Taco ist außergewöhnlich. Der Retriever-Mix lebt in einer Kleinstadt. Seinen Morgenspaziergang bewältigt er durch den Besuch durch die Straße, in der er seine Wohnung hat. Es ist keine sehr lange Straße und so ist auch der Spaziergang kurz. Doch der ist eh nur ein Vorgeplänkel, der Vorgeschmack auf das Highlight des Daseins. Das kommt am Abend zum Tragen, nun geht es gemeinsam mit Herrchen in die große Parkanlage und dort auf die Hundewiese. Hier lebt sich Taco aus. Er liebt diese Wiese, er liebt das Toben, trifft sich hier mit Artgenossen. Zum Beispiel mit dem schwarzen Arco, den Taco bellend umspringt, was Arco wenig stört, Arco ist Phlegmatiker. Oder er nähert sich mit schwärmerischem Verlangen der schönen Hündin Debbie. Hier hat er weniger Glück, Debbie weist ihn knurrend zurück. So wird Tacos Sehnsucht wohl ewig ungestillt bleiben müssen.

Doch es gibt noch andere Hunde, denen sich Taco in lockerer Freundschaft verbunden fühlt. Und alle verhalten sich angepasst. Sie kommen angetrabt, brav an der Leine von Herrchen und Frauchen, wie es sich gehört. Nur Taco, der ist anders. Taco geht seine eigenen Wege. Der nette gelbe Hund hat ein freundliches Zuhause, in dem er nichts entbehrt. Er wird geliebt und geschätzt. Und so bekam auch Tacos Wunsch nach dieser Hundewiese seine tägliche Erfüllung. Der Platz ist nicht sehr weit entfernt, wenn man mit dem Bus fährt, nur drei Haltestellen. An jedem frühen Abend stellt sich Taco der freudigen Erwartung, lässt ein frohes Bellen aus seinem Körper dringen, wenn ihm die untrüglichen Zeichen – Herrchen ergreift die Leine, schultert seinen Rucksack – die Fahrt zur Wiese verkünden. Genau vor Tacos Haustür liegt die Haltestelle und beide steigen gemeinsam ein, um sich schnell und mit nur zwei Zwischenstopps dem begehrten Ziel zu nähern. In Tacos Gefühlswelt ist diese Busfahrt, wie man sich denken kann, sehr positiv besetzt.

Dann geschah es eines Abends, dass sich Tacos Herrchen in ein wichtiges Gespräch mit einem Nachbarn vertiefte, während der Bus anrollte, seine Türen einladend öffnete – und Taco in sich aufnahm. Bevor sein Herrchen die Situation erfasste, schlossen sich die Türen und der Bus fuhr los, in ihm ein erwartungsvoller Retriever. Nun sollte man nicht befürchten, dass das zur Katastrophe führte. Taco kannte den Busfahrer und der Fahrer kannte Taco. Er war nur reichlich verwundert, dass der Hund begleitungslos in seinem Fahrzeug saß. Doch nach genau drei Haltestellen stieg Taco wie selbstverständlich aus und wandte seinen Weg in Richtung Hundewiese. Er hatte die Route verinnerlicht. Sein äußerst besorgter Besitzer folgte ihm in Eile und war um Tonnen erleichtert, als er seinen zufriedenen Hund im Spiel mit den Artgenossen antraf. Taco hatte mit diesem Coup seine Eigenständigkeit bewiesen. Schließlich ist er clever und mit Selbstbewusstsein gefüllt.

Seitdem beobachtet er, aus dem Wohnzimmerfenster schauend, erwartungsvoll die roten Busse mit der bunten Werbung rechts und links auf den Seiten. Er kennt sie ganz genau, seine geliebten Busse. Und wenn man nicht auf ihn achtet, büxt der Hund einfach aus – warum denn immer auf Herrchen warten? – und steigt in den nächsten Bus. Hier ist er mittlerweile ein gern gesehener Fahrgast, alle kennen Taco inzwischen, er ist bekannt wie ein bunter Hund, auch wenn seine Fellfarbe gelb ist. Er wird gestreichelt und freundlich angesprochen, was er sichtlich sympathisch findet. Nach den drei Stationen steigt er aus wie gewohnt, sein Herrchen kann ihm getrost nachfolgen, ob dem das gefällt oder nicht, Taco genießt inzwischen die Freizeit. Und weil er mit seiner Größe nicht zum Handgepäck gehört und einen Fahrschein braucht, besitzt er nun wie die Menschen eine eigene Monatskarte. Und die – Selbständigkeit hin oder her – trägt dann doch lieber sein Herrchen.

Karin Tamcke

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