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Zwei unausgelastete Katzen haben Langeweile. Nichts ist los, was Kater Matjes und Katze Minzi erfreuen könnte. Da kommt der Besitzerin eine Idee: Sie bastelt den beiden etwas zum Denken, zum Taktieren und Rumprobieren.

So leicht hat es die Katze von nun an nicht mehr, an Futter heranzukommen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Winterzeit. Zeit für Kälte, Dunkelheit und Schmuddelwetter. Langeweile gähnt mich an in Form von zwei unausgelasteten Katzen. Sie lümmeln schläfrig herum. Matjes im Pappkarton auf meinem Schreibtisch (extra für ihn hingestellt), Minzi verteilt ihren weichen Körper zwischen Maus und Tastatur. Unausgefüllt und lustlos sind sie, meine beiden Mäusetiger. Sie blinzeln mich anklagend an, werfen mit deutlichem Missmut Blicke durchs Fenster in den Garten.

Der hat sich über Nacht verwandelt. Schnee bedeckt die Zweige der Tannen, häuft sich auf dem Boden an, begräbt alles unter sich: Mäuselöcher und Maulwurfshügel. Und kalt ist es geworden. Unangenehmer Frost, zu spüren an Nase und Katzenpfoten. Nein, es ist rein gar nichts los in dieser Jahreszeit, nichts, was sie erfreuen könnte. Die anfangs häufigen Kontrollen, ob nicht schon Sommer ist, reduzieren sich proportional zur Länge des unfreundlichen Winters. Die Hoffnung schwindet mehr und mehr auf baldige Veränderung. Wenn sie nicht gerade dösen, verlegen sie sich auf Missetaten, suchen nach ihren Leckerchen, nagen frech die Tüten durch und klauen schamlos das Futter oder auch mal mein Frühstück, wenn ich nicht wachsam bin.

Nein, so geht das nicht weiter. Ich fühle eine Verantwortung, der ich mich nun stellen werde. Sie brauchen eine Beschäftigung! Die Spielmäuse sind nichts Neues mehr, haben sich schon zu sehr mit dem Hausgeruch umgeben, und die vielen Federpuschel werden nur noch bejagt, um mir eine Freude zu machen, so kommt es mir zumindest vor. Alles ist so abgenutzt, bietet keinen Anreiz mehr. Wie kann ich meine Schnurrer bespaßen? Ihnen die Winterzeit verkürzen?

Dann kommt mir eine Erinnerung, eine gute Idee, gesehen im Internet. Ich suche ein altes Brett und beginne mein kreatives Werk. Sie bekommen etwas zum Denken, zum Taktieren und Rumprobieren, ein sogenanntes Fummelbrett! Ich nehme leere Eierkartons und saubere Joghurtbecher und klebe sie auf das Holz, dazu das runde Innenleben von Haushaltsrollen und Toilettenpapier, ich türme Pyramiden auf, schaffe Tunnel, Höhlen, schneide Löcher in Pappe und Plastik, gerade groß genug für kleine Katzenpfoten. Meine beiden Helden sind ganz Aufmerksamkeit, sie hocken neben mir, kontrollieren meine Arbeit, Neugier und Fragezeichen im Blick. So etwas kennen sie noch nicht, was unter meinen Händen entsteht.

Dann ist es fertig, das große Werk. Ich hole ihre Leckerchen, was sie sofort elektrisiert. Das Klappern der Knusperdinger in dem Plastikdöschen ist Musik in ihren Ohren, das Brett wird uninteressant. Doch nun geschieht, was in ihnen krassestes Unverständnis erzeugt. Ich fülle ihre Leckerchen nicht direkt in sie, sondern in die Becher und Röhren auf dem neuen Brett! Große Katzenaugen starren mich verdutzt an. Wieso, weshalb, warum? Warum nicht gleich vor ihre Nase? Warum dieser Umweg? Ich lasse sie allein mit ihrer Verwunderung, nun ist es ihre Sache, was sie daraus machen.

Der Kater nimmt die Herausforderung an, beginnt tapfer, Wege zum Futter zu erkunden. Die Schnauze passt nicht durch die Öffnungen, das findet er sofort heraus. Er umrundet das Brett, nähert sich von der anderen Seite, doch die Situation hat sich dadurch nicht verbessert. Tiefe Denkerfalten graben sich in die Katerstirn. Er ist ein bezauberndes Kerlchen mit beschaulichem IQ, was seinen Charme noch erhöht. Kater können es sich leisten, schwergängig denkend zu sein. Er versucht es weiter, wieder von der anderen Seite, tatzt verlangend in die Becher, das knusprige Glück so dicht vor der Nase, doch es widersetzt sich – dann endlich krümmt sich seine Pfote tief unten im Joghurtbecher, angelt ein Leckerchen heraus. Ein Aha-Erlebnis! Hoffnung breitet sich aus.

Es folgen die anderen Becher, die er nun immer gekonnter leert. Das erste Hindernis hat er überwunden, es war allerdings auch das leichteste. Die Pyramiden und Höhlen erfordern eine andere Taktik. Es ist ein schwerer Denkprozess, dem er sich unterwirft, bis er für heute ermattet aufgibt. Er überlässt seiner Schwester das Feld. Die ist wesentlich cleverer. Mit provozierender Lässigkeit schiebt sie ihre Pfote in die Röhren und Höhlen und macht reiche Beute, sehr zu Matjes‘ Verdruss.

In der Nacht erwache ich von einem Kratzen und Schaben. Kater Matjes! Heimlich übt er am Fummelbrett! Mit Ausdauer und sportlichem Ehrgeiz. Die knirschenden Kaugeräusche sind Anzeige für den Erfolg. Nun hat auch er den Bogen raus. Er arbeitet schwer in dieser Nacht. Was er noch nicht weiß: Die geliebten Leckerchen wird er sich auch weiterhin durch eigenen Einsatz verdienen müssen.

Mehr Tiergeschichten unter www.lvz.de/tiere

Von Karin Tamcke

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