Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Das Überraschungsgeschenk

Das Überraschungsgeschenk

Was war dem Schicksal nur eingefallen? Wie kam es auf die abstruse Idee, Rita so zu überrumpeln? Konnte man nicht einkaufen gehen, ohne dass es listig auf der Lauer lag? Und überhaupt – woher wusste es, dass genau dieses kleine Wesen zu längst vergessenen Träumen führte? Es gibt keine vorgeschriebene Methode, an ein Haustier zu kommen.

Voriger Artikel
Das Wunder der Verwandlung
Nächster Artikel
Mülltrennung
Quelle: Andreas Röse

Doch wie Rita und das Pelztier nun zueinander fanden, war ein sonderbarer Weg und nicht zur Nachahmung empfohlen.

Es war ein Tag wie jeder andere, nichts Ungewöhnliches wurde erwartet, als Rita ins Stadtzentrum fuhr. Sie bummelte über die Shoppingmeile, blieb gedankenverloren vor einem Schaufenster stehen. Nur kurz nahm sie die Frau wahr, die sie plötzlich ansprach: Können Sie das mal kurz halten? Das „Das" war weich und kuschelig und bevor Rita richtig denken konnte, hatte sie es auch schon im Arm. Ein Meerschweinchen! Wie sehr hatte sie sich als Kind so ein Kuscheltier gewünscht! Und leider nie bekommen. Dann war der Wunsch zurückgetreten hinter anderen Belangen. Sie hielt das Schweinchen vorsichtig, aber trotzdem fest genug. Es sah Rita direkt in die Augen. Mit weniger Scheu als Verwunderung, bevor es sich zur Sicherheit in ihre Armbeuge drückte. Braun war es, mit glattem Fell und weißen Abzeichen um die Nase.

Die junge Frau war verschwunden. Nun gut, bis zu ihrem Erscheinen würde sich Rita an dem Meerschwein erfreuen. Doch das Erfreuen zog sich spürbar in die Länge, ohne dass man Rita von ihrer netten Last befreite. Sie bettete den kleinen Nager etwas bequemer auf dem Arm, dabei fiel ein Zettel zu Boden, er musste mit dem Tierchen überreicht worden sein. Er war in der Mitte gefaltet, Rita klappte ihn mit der freien Hand auseinander und las die verwirrende Botschaft: GESCHENKT! Das war nun eine ganz andere Situation. Eine Situation, die Rita in Fassungslosigkeit versetzte, gepaart mit verständlicher Empörung. Wird man neuerdings auf diese Art seine Tiere los? Nichts gegen das Schweinchen als solches, doch was sollte sie anfangen mit ihm? Hier in der Einkaufspassage? Es kam tatsächlich keiner, der sie davon erlöste. Keine Spur von der Frau, nur das amüsierte Lächeln anderer Passanten.

Rita überkam beträchtliche Ratlosigkeit. Sie schob das unendlich geduldige Tier schützend in ihren Jackenausschnitt. Zum Glück hatte sie ihr Auto nicht weit entfernt geparkt. Auch auf dem Beifahrersitz verhielt sich der kleine Nager friedlich. Vorsichtshalber deckte Rita die Jacke über ihn. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander, fast hätte sie bei Rot eine Ampel überfahren. Dann begannen die Gedanken, sich langsam zu sortieren, in eine Richtung zu strömen. Nein, Rita fuhr nicht zum Tierheim, wie ursprünglich geplant. Sie hielt an beim nächsten Zoogeschäft und kaufte ein Meerschweinchenheim. Die Entscheidung war gefallen. Ihr Kindertraum hatte sich erfüllt, wenn auch etwas verspätet und auf ungewöhnliche Weise. Sie nannte das Kleine Karli. Karli zog also ein mit allem Drum und Dran.

Schnell merkte Rita, dass er sehr menschenbezogen war. Es gab kein Fremdeln und keine Scheu. So bekam er den ganzen Tag Freilauf in Ritas Arbeitszimmer, wo er die Zeit mit seinem Hobby verbrachte: Er verteilte Heu im Raum, mit unermüdlichem Eifer. Abends saß er auf Ritas Schoß, wo sich dann beide am Fernsehprogramm erfreuten. Den Käfig benutzte Karli nur nachts. In dieser Zeit gab er sich ernsthafter Arbeit hin. Er rundete die Ecken seines Holzhäuschens ab und vergrößerte den Eingang. Die Meerschweinchen-Mensch-WG gestaltete sich angenehm. Doch Meerschweinchen sind Rudeltiere, Karli brauchte Artgenossen, das war Rita klar. Daher besuchten beide eine Vermittlungsstelle.

Hier stellte sich nach fachmännischer Begutachtung heraus: Karli war kein kastrierter Karl, wie von Rita angenommen, sondern eigentlich eine Karla. Was die Sache als solche weder besser noch schlechter machte. Das bunte Lieschen zog nun mit ein, wurde jedoch von Karli meisterhaft ignoriert. Einige Wochen dauerte es, bis eines Morgens aus dem Stroh dicht an dicht zwei kleine Gesichter blinzelten. Die Zuneigung zu Lieschen hatte nun auch Karli erfasst. Liebevoll putzten sich beide gegenseitig das Fell, besonders hinter den Ohren, als absoluten Liebesbeweis. Und was so turbulent begonnen hatte, war nun endlich perfekt.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Tiergeschichten
  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr