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Dem Täter auf der Spur

Dem Täter auf der Spur

Die Meldung, die bei der Polizei einging, verhieß wahrhaftig nichts Gutes. Schon wieder hatte jemand eine schwere Straftat begangen. Die Tatortbesichtigung ergab ein klares Bild: Sie zeigte die gleiche und gut bekannte Handschrift wie bei den Angriffen zuvor.

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Quelle: Uwe Zucchi

Ein Serientäter wirkte hier, erneut hatte er zugeschlagen. Und war wieder entkommen. Er, der Meister im Täuschen. Die Kripo filterte die Umgebung, prüfte, was nur zu prüfen ging, observierte die Nachbarschaft, doch alles ohne Erfolg. Ein neuer Denkansatz war gefragt.

Auf dem Gipfel der Ratlosigkeit brachte sich eine Kollegin mit ganz speziellem Wissen ein. Eine Kollegin besonderer Art. Recht beleibt war sie und ausgesprochen gemütlich, eher maskulin anmutend: solider Kurzhaarschnitt, sonorer Bass, ausgeprägter Bauchansatz.Trotz ihres jugendlichen Alters war ihr eine Weitsicht gegeben, die einen Erfolg an den nächsten reihte. Mit leichten Gedanken fühlte sie sich in das Täterverhalten ein. Denn auch sie hat es im Täuschen zur Meisterschaft gebracht. Wenn auch aus anderen Gründen. Diese bewährte Kollegin wurde nun in den Prozess der Aufklärung eingebunden. An ihre brummige Art gewöhnte man sich schnell. Obwohl sie verbal nur karg kommunizierte, übermittelte sie den Beamten ein durchdachtes Konzept. Ihr Name: Bombus. Doch durfte man sie auch Hummel nennen.

Nun sieht man auf den ersten Blick kaum den Zusammenhang zwischen einem Strafdelikt und dem pummeligen Insekt. Noch weniger scheint es verständlich, dass man eine Hummel zwecks Aufklärung eines Falles um eine Hilfeleistung ersucht. Vordergründig betrachtet ergibt sich lediglich das Bild eines brummenden Hautflügler, der von Blüte zu Blüte strebt. Eine Tätigkeit, weit entfernt von kriminalistischer Feinarbeit. Doch Kommissarin Hummel weiß es besser. Das Besuchen der Blüten steht für sie im Vordergrund, daraus macht sie keinen Hehl. Eifrig fliegt sie den ganzen Tag, bringt Pollen und Nektar ein und hält den Nachwuchs am Leben. Das ist gar nicht so einfach, wie man sich denken kann, manch skrupelloser Fressfeind hätte gerne zum Frühstück ein Hummellarvensteak. Das kann der Hummel nicht gleichgültig sein. Der Schutz des hilflosen Nachwuchses hat höchste Priorität. Nun wird eine Hummel, die selbstvergessen vor dem eigenen Hauseingang die Einkaufskörbchen füllt, viele Feinde zu dem Schluss verleiten, dass praktischerweise in der Nähe auch ihr Wohnort sein muss. Wer macht schon lange Wege, wenn der nächste Supermarkt gleich vor der Haustür liegt? Dieser verhängnisvollen Annahme galt es wirkungsvoll zu entgegnen, das wurde der Hummel bald klar. Es ist nicht übermittelt, ob sie ihre bepelzte Stirn in Denkerfalten legte, bevor sie zu einem Ergebnis kam. Doch stand am Ende eine Methode, die einfach und wirkungsvoll ist, weil sie jeden Verdacht in weite Ferne lenkt: Sie erschafft sich ein eigenes Niemannsland rund um ihren Bau. In diesem gedachten Kreis wird sie vorsichtshalber nie tätig. Nur nicht auffällig werden in der Umgebung der Kinderwiege. Die Hummel verhält sich sehr clever.

Und nun kommt man zu dem Punkt, wo sich Hummel- und Täterverhalten deckungsgleich begegnen und der kleine Brummer seinen Hilfseinsatz ableistet. Denn ein paar Kriminologen bekamen einen Geistesblitz. Sie studierten das pelzige Tierchen, das sich, gutmütig wie es ist, dem Studium nicht verschloss. Die Wissenschaftler analysierten speziell das Flugverhalten, erkannten spezielle Muster und rechneten das Ergebnis auf das Täterhandeln um. Parallel zur Hummelaktion schaffen sich auch Serientäter, ähnlich dem Insektenmodell, eine friedliche Sicherheitszone rund um ihren Wohnbereich. Mit dieser neuen Erkenntnis schenkte die Hummel den Forschern einen wertvollen Baustein, der letzten Endes in diesem und vielen weiteren Fällen zur Ergreifung des Täters führte. Die Hummel konnte zufrieden sein. Der Fall war abgeschlossen. Emsig wie immer fliegt sie weiter von einer Blüte zur nächsten, rund tausend Stück besucht sie täglich. Ihr Arbeitstag zählt achtzehn Stunden in der Hauptsaison. Und wenn es sich ergibt, dann macht sie sich eine große Freude: Sie favorisiert die Farbe Blau und gönnt sich daher, so oft es geht, den Besuch der bevorzugten Blüten. Dass man dem Rechnung trug, als man das Blaulicht erfand, ist jedoch unwahrscheinlich.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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