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Der Lebensretter

Der Lebensretter

Nie hätte es ahnen können, welche Rolle es spielen würde. Vor allem welch wichtige Rolle. Doch bis es zu dem Ereignis kam, ging einiges voraus. Zum Beispiel das Wachstum einer Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Quelle: dpa

Freundschaft wäre zu hoch gegriffen, doch hatte der Kontakt etwas erfreulich Konstantes und liebevoll Zugewandtes. Und so war der Weg geebnet für das, was kommen sollte.

Alles trug sich zu im Randbezirk einer größeren Stadt. Viele Bäume erhoben sich zwischen den Häuserfronten, säumten die Straßen, schufen grüne Oasen. So hatte es auch Eichhörnchen in die Gegend gezogen. Sie lebten dort seit Generationen und vertrieben sich die Zeit mit dem Springen von Ast zu Ast und der Produktion von Lebensfreude und weiteren Artgenossen. Einer dieser Baumakrobaten sollte nun zum Helden werden, wenn auch wider Willen. Dieses kleine Hörnchen turnte auf den Ästen herum und erfreute dabei die Blicke einer alten Dame, die eines Tages begann, auf der Terrasse ihres Hauses Nüsse auszulegen. Dieser Aufforderung zum Futtern kam der Nager gerne nach. Bald erschien das Hörnchen täglich, um das Zubrot abzuholen. Mit Vorfreude und Verlangen erschien es auf der Terrasse. Es ging sogar so weit, die Gaben einzufordern. Von Ungeduld getrieben, stemmte es die Vorderpfoten gegen die Fensterscheibe bei einer verspäteten Lieferung. Es wurde nicht richtig zahm, aber zutraulich genug, um an besonders mutigen Tagen das Futter der Menschenhand zu entnehmen. Die gemeinschaftlich begangene Sache, dieses Geben und Nehmen, erzeugte auf beiden Seite erwärmende Gefühle.

Dann kam der bewusste Tag. Manchmal geschehen Dinge, die den Glauben an einen Zufall nicht mehr zulassen mögen. Wie eine Inszenierung musste das Ganze erscheinen. Eine Inszenierung, von höherer Warte gelenkt. Worin das kleine Eichhörnchen die Hauptrolle spielen sollte. Wie gewohnt war es gekommen. Doch weder erschien seine Wohltäterin, noch lagen Nüsse aus. Es suchte in allen Ecken, es gab aber nichts zu finden. Auch seine gute Nase sagte ihm das deutlich. Mit verständlicher Enttäuschung verließ es wieder den Garten und wandte sich vorübergehend anderen Geschäften zu. Nicht ohne von Zeit zu Zeit und in aufrechter Hoffnung die Terrasse zu kontrollieren. Doch es tat sich nichts. Auch nicht am folgenden Tag und am Tag darauf. Das Hörnchen schaute durchs Fenster, stemmte wie gewohnt die Pfoten gegen das Glas. Mit umfassendem Misserfolg. Dann sah das enttäuschte Hörnchen den offenen Fensterspalt und mit einem leichten Sprung drang es ins Hausinnere ein. Über den eigenen Mut erschrocken, versuchte der kleine Nager, die ungewohnte Umgebung schleunigst wieder zu verlassen. Doch was ihm soeben noch leichtfüßig gelungen war, zeigte sich jetzt als großes Problem. Das Fenster war nicht gewillt, den kleinen Einbrecher freizugeben. Die Pfote klemmte fest in dem Spalt des gekippten Flügels und nichts ging mehr vor und zurück. Mit sich steigerndem Entsetzen wand und drehte sich das Hörnchen, was seine missliche Lage eher noch verschlimmerte. Es sah die hohen Bäume, die Freiheit schien so nah. Doch fehlte die Gebrauchsanweisung zur Überwindung der fatalen Lage.

Die verzweifelten Versuche blieben nicht unbemerkt. Einer Nachbarin fiel auf, dass da etwas geschah, das sich nicht mit dem Prinzip einer guten Ordnung verstand. Spontane Hilfsbereitschaft überkam die nette Frau. Sie läutete an der Wohnungstür, um die Befreiung einzuleiten. Doch niemand kam zum Öffnen. Nur ein Fernsehapparat schickte hörbar Nachrichten durch die Fensteröffnung, was der Nachbarin als Alarmsignal erschien. Als kein Klopfen und lautes Rufen mit einem Ergebnis verbunden war, alarmierte die beunruhigte Frau Polizei und Feuerwehr. Die Beamten fanden im Haus nicht nur das gefangene Hörnchen, sondern hilflos am Boden liegend auch die alte Dame. Sie befreiten den kleinen Kletterer, der darauf sein Dankeschön durch lautes Schimpfen zur Kenntnis brachte, bevor er in den Bäumen verschwand. Um die Frau stand es schon schlimmer. In buchstäblich letzer Minute fuhr man sie ins Krankenhaus, das sie zum Glück nach einiger Zeit wieder verlassen konnte. Ihrem kleinen Lebensretter sicherte sie daraufhin auf ewig Nüsse zu.

Karin Tamcke

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