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Der Reigen der Lämmer

Der Reigen der Lämmer

Aller guten Dinge sind drei! Das klingt nach einem Glücksfall. Doch so erfreulich und überraschend, wie sich der Dreierwurf anfänglich zeigte, es fehlte doch die Leichtigkeit, um das Ganze abzuhandeln.

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Quelle: dpa

Drillinge hatte sie bekommen, die Aue Kunigunde. Drei kleine gesunde Lämmer. Dann begannen die Schwierigkeiten. Nur für zwei der Kinder hatte Kunigunde Anschluss an die Milchversorgung und mit der gewünschten Rotation wollte es rein gar nicht klappen. Keines der älteren Geschwister zeigte sich sozial genug, den erkämpften Platz zu verlassen. Und das jüngste Lamm war nicht so clever wie benötigt, um sich gegen die Übermacht der Erstgeborenen zu behaupten. Auch Kunigunde selbst fühlte sich überfordert. Alleinerziehende Mutter von ewig hungrigen, fordernden Drillingen – der Aufgabe war sie nicht gewachsen. Sie wählte den bequemeren Weg und lehnte das dritte Lämmchen ab. Damit war für sie die Sache zufriedenstellend geregelt. Es fruchteten keine Versuche, das Schaf zur Akzeptanz zu bringen, Kunigunde hatte beschlossen, dass nur zwei Kinder zu ihr gehörten.

Da saß nun das kleine Lamm, auf den Namen Millie getauft, und fühlte sich ziemlich belämmert. Schnell begann es, schwächer zu werden, was so nicht gewollt sein konnte. Es half nun alles nichts, es musste der Hoffnung entsagen, am Mutterleib einen Platz zu finden, und sich mit einem Ding anfreunden, das sich fremdartig glatt in sein Mäulchen schob, sich aber bald als Quelle guter Lämmernahrung erwies. Das Trinken an der Flasche mit dem ungewohnten Sauger lief dann bald recht flüssig ab. Verständlicherweise hatte Millie etwas anderes erwartet, doch da ihr Körper nach Nahrung verlangte, gab sie diesem Drängen nach und tolerierte die Methode.

Nun erwies es sich als nicht praktisch, das Lamm im Stall zu füttern. Zu oft brauchte Millie die Milch-Ration. Deshalb wurde der Aufenthalt in die Räume der Menschen verlegt. Die betrieben die Schafzucht nur als Hobby und verdienten ihr Geld mit dem Verkauf von allerlei Gartengeräten. Milli bekam im Laden ein kleines Eckchen zugeteilt. Und zwischen Verkauf und Kundenberatung fand die Versorgung des Lammes statt. Millie überwand alle schwierigen Phasen, trank gut und nahm sichtlich zu. Gleich an das Geschäftsgebäude schloss sich der Schafstall an und durch eine Verbindungstür konnte Millie so oft, wie sie wollte, ihre Brüder besuchen, um den Kontakt nicht zu verlieren und sich weiter als Schaf zu fühlen.

Trotzdem zog sie es bald vor, sich im Laden zu vergnügen. Die ersten Bocksprünge übte sie zwischen Rasenmähern und Heckenscheren, sie durchstöberte die Regale und es kam schon einmal vor, dass Blumentöpfe und Schaufeln scheppernd zu Boden fielen. Dann fühlte sich Millie erschrocken, wenngleich umfassend verständnislos, denn keinesfalls bezog sie den Lärm auf sich und ihr übermütiges Treiben. Doch im Großen und Ganzen benahm sie sich gesittet und so kam, was kommen musste. Sie wurde zu einem wertvollen Mitglied, zu einer geschätzten Kollegin.

Milli bildete sich selbst zu einer Empfangsdame aus und nahm ihren Posten denkbar ernst. Öffnete sich die Ladentür, lief das Lamm den Kunden freundlich blökend entgegen. Die Kunden wiederum fanden das wollige Tierchen entzückend und frequentierten das Geschäft in höherem Maße als zuvor. Millie war die Attraktion. Sie verströmte Liebreiz, zeigte sich heiter und zutraulich. In ihrer Freizeit besuchte sie weiter die Geschwister im Stall und ihre noch immer fremdelnde Mutter. Und dann, eines hoffnungsvollen Tages, schaute Kunigunde auf ihr drittes Kind. Plötzlich einsetzendes Wohlwollen überkam überraschend das Schaf. Es änderte abrupt das abgewandte Gehabe, beugte sich zu Millie herab und strebte die Vereinigung an. Von nun an, da ihr Dreiernachwuchs der milchspendenden Quelle nicht mehr bedurfte, besann sie sich auf die Muttergefühle, verteilte sie nun gleichmäßig auf alle ihre Lämmer.

Leichten Herzens kündigte Millie ihren Job im Laden. Gerne wollte sie wieder Schaf unter Schafen sein. Und als die Sonne wärmer schien, sah man auf dem Wiesenstück neben dem Garten-Fachmarkt ein zufriedenes Mutterschaf saftige Grasspitzen zu sich nehmen und es wurde im Reigen umsprungen von drei blonden Osterlämmern.

Karin Tamcke

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