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Die Schuld der Katzen

Tiergeschichten Die Schuld der Katzen

Ich brauchte mir gar nichts vorzumachen. Ich steckte in der Klemme und zudem in einer Situation, die blitzschnelles Handeln erforderte. Ohne jede Verzögerung. Und alles nur wegen der Katzen.

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Quelle: André Kempner

Es begann mit dem Putzen meines Küchenfensters. Die Frühlingssonne lachte, aber sie lachte nur draußen, denn der graue Schleier, den der Winter stets auf das Glas zu legen beliebt, ließ der Sonne nur mäßige Chancen. Also griff ich nach meinen Putzutensilien und entfernte vorher natürlich auch die Gardine, die mich vor neugierigen Blicken bewahrt, denn mein Haus steht dicht an der Straße. Ich vollendete das reinigende Werk und war gerade damit befasst, die Gardine wieder über die Stange zu streifen, da gab deren Halterung nach und fiel ab, und das zugleich mit dem Rollo. Darüber war ich nicht sehr beglückt. Ich brauche einen Sichtschutz, vor allem wenn ich am frühen Morgen noch im Nachtgewand die nörgelnden Katze füttere. Ich bin nicht für so viel Außenwirkung. Nun bot sich den Dorfbewohnern der ungetrübte Einblick auf mich und meine nicht immer aufgeräumte Küche. Und kein Handwerker in Sicht, der würde erst Tage später kommen. Für eine kurze Zeit musste ich es daher ertragen. Es hatte ja auch durchaus etwas Nettes, Nachbarn winkten mir freundlich zu und ich winkte zurück. Der Postbote ersparte sich das Klingeln, beschränkte sich auf den Augenkontakt. Und selbst die Männer von der Müllabfuhr lächelten mir zutraulich durch die Scheibe zu, wenn ich in der Pfanne meine Bratkartoffeln wendete.

Das war der Stand der Dinge, als es zu diesem Vorfall kam, der mich in arge Bedrängnis brachte. Und wer war schuld daran? Jawohl, die Katzen! Meine beiden Tiger namens Minzi und Matjes. Im Grunde sind sie sehr brav und wir harmonieren in schönster Weise miteinander, doch in einem Punkt lassen sie nicht mit sich spaßen. Sie verlieren jede Einsicht, wenn es um ihre Leckerchen geht. Geradezu versessen sind sie auf diese Dinger. Als verantwortungsvoller Katzenbesitzer teile ich sie ihnen natürlich in vertretbarem Maße zu. Sonst würden sie fressen ohne Ende und sicher eines Tages platzen. Nun hatte Minzi oft genug die Eigeninitiative ergriffen und meine Zuteilung umgangen, indem sie die Tütchen einfach klaute. Für eine ambitionierte Katze ist es ein leichtes Spiel, die Plastikhülle aufzubeißen und sich den Inhalt zuzuführen. Und genau das tat sie dann. Der Kater profitierte ebenfalls von dem Diebesgut seiner Schwester. Um dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben, bewahrte ich daraufhin die begehrten Leckerchen in einer Blechdose auf, die selbst spitzesten Katzenzähnchen wirkungsvollen Widerstand bot. So konnte ich mich dann in dem Wissen um meine Überlegenheit frohen Sinnes entspannen und auf der sicheren Seite fühlen. Bis zu diesem bewussten Morgen.

Ich hatte mich gerade ins Badezimmer begeben und stand in der Duschkabine, als ich es laut scheppern hörte. Und dieses Scheppern kam aus der Küche. Nun kann man so ein Scheppern einfach ignorieren, zumindest für die Zeit, die ein Duschvorgang benötigt, doch ich kenne meine Pappenheimer, das Scheppern war ein Alarmsignal! Ich ließ die Dusche Dusche sein und eilte ich Richtung Küche, schielte dann vorsichtig um die Ecke, eingedenk des gardinenlosen Fensters. Was ich da allerdings sehen musste, erforderte ein Eingreifen, und das ohne Wenn und Aber. Meinen Katzen war es geglückt, die volle Leckerli-Dose vom Regal zu stoßen. Beim Aufprall auf den Boden hatte sich der Deckel geöffnet, so dass sich der Inhalt auf katzenerfreuende Weise in der ganzen Küche verteilte, und meine beiden Helden waren gerade dabei, mit höchstem Entzücken und großer Eile in sich hineinzustopfen, was ihre Körper nur fassen konnten. Oh nein!!!! Doch was tun? Es gab da ein Problem von nicht unbedeutendem Ausmaß. Wenn man davon ausgeht, dass kein Mensch angezogen duscht, dann kann sich jeder denken, dass auch meinen Körper kein einziges Kleidungsstück bedeckte. Was nun? Vor mir das Fenster mit grandiosem Einblick, auf dem Boden die Fülle der Leckerchen und zwei sich überfressende Katzen. Es half alles nichts, ich musste blitzschnell handeln! Ich ging in den Vierfüßlerstand, in der Hoffnung auf genügend Deckung, und krabbelte auf dem Boden entlang bis zu meinen glückseligen Katzen, denen ich den Spaß verdarb, indem ich ihre Beute eiligst zusammenscharrte und in die Dose schaufelte. Dann robbte ich zurück ins Bad. Einen Blick zum Fenster ersparte ich mir. Inzwischen sind Rollo und Gardinenstange wieder repariert. Doch oft stelle ich mir jetzt die Frage: Hat das Zwinkern meines Nachbarn etwa einen bestimmten Grund?

Karin Tamcke

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