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EIn glückliches Gesicht

EIn glückliches Gesicht

Delilah ist eine Glückskatze. Dieser Umstand ist nicht nur gegeben durch ein schönes Zuhause, was jede Katze zur Glückskatze macht, Delilah scheint das Glück in doppelter Hinsicht gepachtet zu haben.

Rote und schwarze Tupfen sprenkeln ihren weißen Pelz und der weist somit die Eigenschaften auf, die eine Katze benötigt, um sich Glückskatze nennen zu dürfen. Dieser netten Dreifarbigkeit schrieb man einst im Mittelalter die begehrte Fähigkeit zu, Unglück zu verhindern. Das kann Delilah nicht garantieren, doch ist sie in der Lage, ihren Menschen Glück zu schenken: Sie wird heiß und innig geliebt, was fraglos ein Glücksgefühl erzeugt.

Daher kümmern sie sich mit Freude um Delilahs Wohlergehen. Ihre schnurrende Hausgenossin ist Besitzerin kuscheliger Körbchen und etlicher Kratzbäume mit Leo-Print. Und selbstverständlich wird ihr Napf mit gutem Futter gefüllt. Nicht zählbar sind die Streicheleinheiten, die sie stets erhält. Sie verfügt über ein Haus mit Garten in einer ruhigen Gegend, so dass sie den Freigang nutzen kann ohne große Gefahren. Es ist ein Areal mit viel Natur und gutem Mäuseaufkommen. Ein wahres Katzenparadies. Das wissen auch andere Katzen zu schätzen, daher ist das Viertel reich an Artgenossen. Mit einigen ist Delilah befreundet, um andere macht sie einen Bogen, wie man es handhabt in Katzenkreisen. Jeder hat die Freiheit, dem anderen aus dem Weg zu gehen. Um ihren Ausgang selber zu regeln, baute man für Delilah eine Katzenklappe ein. Doch damit begann ein Problem. Die Tür wurde nicht nur von ihr genutzt. Immer wieder kam es vor, dass Katzen aus der Nachbarschaft die Klappe als Einladung verstanden. Sie drängten sich in Delilahs Reich, streiften durch alle Räume, fraßen den Futternapf leer.

Das könnte man noch tolerieren. Doch es waren nicht nur die Freunde, die sich hier verlustierten. Da wäre an erster Stelle dieser herrische Tigerkater zu nennen. Er hat zwar einen Charakterkopf und ist nicht unattraktiv, doch sein rüdes Verhalten war ein Indiz dafür, dass er sich mit guten Manieren nicht belasten wollte. Er klaute nicht nur Delilahs Futter, sondern er fauchte und knurrte sie an, wenn nicht sogar Schlimmeres. Oder der dicke Moppelkater, der nur mit eingezogenem Bauch durch die Öffnung passte. Er huldigte seiner Verfressenheit, indem er nicht ein Bröckchen in dem Napf beließ. Es war ein Kommen und Gehen von Fremdkatzen aller Arten, was so nicht vorgesehen war und den Entschluss verlangte, dem Treiben ein Ende zu setzen. Doch konnten Delilahs Menschen die Katzentür einfach schließen? Ihrem geliebten Schnurrer die Selbstbestimmung nehmen?

Sie begannen zu tüfteln und zu basteln, Bauteile zusammenzustecken und eine Software zu entwickeln und hatten am Ende die Katzenklappe in günstigster Form veredelt. Durch das biometrische Verfahren der Gesichtserkennung öffnet sich die Tür fortan nur noch für Delilah mit ihrem Glückskatzen-Konterfei. Eine Videokamera ermöglicht es zudem, den Ablauf zu überwachen. Nach anfänglichem Verwundern suchten sich Tiger- und Moppelkater anderweitig Möglichkeiten, ihre Wünsche auszuleben. Und Delilah kann nun unbehelligt ihr Reich für sich alleine nutzen. Doch eines Tages geschah es, da verweigerte die Klappe in vorgesehener Form den Dienst. Delilah stand verwundert davor, nichts öffnete sich für sie. Sie wartete recht lange, versuchte sich im Miauen, die Tür ließ sich nicht erweichen. Endlich registrierten die Menschen auf dem Video-Schirm das vergebliche Bemühen. War es ein Fehler in der Software? Der Mechanismus defekt?

Man begab sich folglich zur Haustür, um die Katze auf herkömmliche Weise dem Hausinneren zuzuführen und sich danach an die Ursachenforschung für den Defekt zu begeben. Das war jedoch nicht mehr vonnöten. Der Anblick ihrer Katze löste das Rätsel im Nu. Kein defekter Mechanismus, keine fehlerhafte Software. Die Ursache war Delilah selbst. Ihr war Erfolg beschieden gewesen. Mit berechtigtem Stolz trug sie eine Maus, die quer wie ein großer grauer Schnauzbart das Katzengesicht dekorierte. Quer getragene Mäuse sind nicht vorgesehen in der Gesichtserkennung. Pech für die Katze Delilah, keine Mäusetransporte ins Haus. Auch Glückskatzen haben nicht immer nur Glück.

Karin Tamcke

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