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Ein gradliniger Charakter

Tiergeschichten Ein gradliniger Charakter

Wer wollte ihm einen Vorwurf machen? Er hatte es doch nur gut gemeint! Fühlte sich seiner Treue verpflichtet, seiner guten Erziehung. Wie hätte er ahnen sollen, dass nun in diesem Fall eine listige Verweigerung wesentlich angebrachter gewesen wäre?

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Quelle: dpa

Nein, dazu ist Ponto ein viel zu gradliniger Charakter. Er kennt keine Finten und üblen Machenschaften, er kennt nur die Liebe zu seinem Herrchen und die enge Verbundenheit. Und nichts anderem kam er nach in diesem speziellen Fall. Ponto hängt mit hingebungsvoller Zuneigung an seinem jetzigen Besitzer. War doch sein früheres Leben kein reines Zuckerschlecken gewesen. Dazu muss man wissen, dass Ponto ein Pitbull Terrier ist. „Kampfhund" sagen viele zu ihm, was Ponto sehr verwirren könnte, würde er verstehen, was die Titulierung bedeutet. Er fühlt sich friedlich und entspannt und hält rein gar nichts vom Kämpfen. Doch diese Klassifizierung brachte ihm nur Scherereien, plötzlich war er dem Erstbesitzer nicht mehr wichtig genug, als es darum ging, sich um die Erlaubnis zum Halten der Rasse zu bemühen, gilt Ponto doch allein aufgrund dieser Zugehörigkeit als mögliche Gefahrenquelle.

In der Folge wurde er herumgereicht, die Verwandtschaft nahm ihn auf, erst der Onkel, dann der Neffe, doch alle distanzierten sich bald von den damit verbundenen Pflichten. Es ist auch nicht jedem gegeben, am regelmäßigen Gassigehen Freude zu empfinden. Also musste der mittlerweile verwirrte Ponto auch diese Plätze verlassen. Das Tierheim stand zur Debatte, bis er glücklicherweise über ein paar Ecken zu seinem jetzigen Herrchen kam, dem ein Pitbull nur recht sein konnte. Hier fand er einen Hundekenner, der ihn konsequent mit den nötigen Manieren versah, ihn auch zur Hundeschule schickte, so dass sich Ponto bald der verlangten Prüfung stellen konnte, die er mit Bravour bestand und sie mit dem schönen Zertifikat der größten Friedfertigkeit verließ. Sozusagen mit blütenreiner Weste. Was man von seinem Herrn leider nicht behaupten konnte, wie sich später zeigen sollte. Doch vorerst begann ein aufregendes Leben für den glücklichen Hund, stets trabte Ponto an Herrchens Seite, sie waren viel unterwegs, fuhren von einem Ort zum nächsten, Ponto erweiterte seine Bildung, lernte Land und Leute kennen.

Bis sich dann eines Tages leider offenbarte, dass sein Herrchen die Reisen nicht deshalb unternahm, um seinen Hund zu bilden, sondern Geschäfte betrieb, die die Legalität ganz entschieden verließen. Die Art der Gaunereien bleibt hier besser im Dunkeln. Er hatte jedenfalls den lichtvollen Pfad der Tugend verlassen. Das ging eine Weile gut, dann flog die Sache auf und Pontos irregeleitetes Herrchen geriet in dringenden Tatverdacht. Es kam, wie es kommen musste, die Polizei stand vor der Tür, woraufhin sich der erschrockene Sünder eiligst durch die Hintertür aus dem Staube machte, flüchtend ein paar Gärten durchquerte und sich als letzte Rettung in einem Schuppen versteckte, was die Angelegenheit natürlich nicht besser machen konnte, sondern jeden Anfangsverdacht aufs schönste erhärten musste. Während sich die überrumpelten Polizisten vorerst in Ratlosigkeit ergingen, trabte ihnen mit großer Offenheit der freundliche Pitbull entgegen. Ponto ahnte nicht, wie gerufen er kam. Die Polizisten waren nicht dumm, sie hatten die gute Idee zu einem hoffnungsvollen Versuch. Sie wandten sich an Ponto und baten ihn um Hilfe, was in der Form geschah, dass an den Hund der aufmunternde Befehl erging, sein geliebtes Herrchen zu suchen.

Ein Leuchten strahlte über das Hundegesicht, nichts wollte er lieber tun. Seine ganze Ausbildung kam ihm hierbei zustatten. Suchaufgaben kannte er, er hatte sie stets mit großer Wonne erfüllt. Mit immensem Eifer lief er zielstrebig voran und führte die Polizisten eilfertig bis vor die Schuppentür. Der Rest ergab sich von selbst. Der Sünder wurde gefasst und zum Revier gebracht. Und plötzlich wurden dem Mann die Konsequenzen seines unehrlichen Treibens bewusst. Eine mögliche Inhaftierung, sie würde eine Trennung von seinem Hund zur Folge haben! Geläutert gelobte er Besserung, nie mehr würde er künftig das Gesetz missachten, und kam in diesem Fall mit einem blauen Auge davon. Weder Einsicht noch Reue aufgrund der begangenen Taten hatten diesen Umschwung in seinem Denken bewirkt, sondern ganz allein die Sorge um den Hund. Der hatte ihn zwar verpfiffen, doch konnte er ihm nicht gram sein. Ponto musste sich gemäß seiner Erziehung verhalten. Er selbst hatte ihn das Suchen gelehrt. Doch ihm war dabei ein entscheidender Fehler unterlaufen: Auf so einen speziellen Fall war die Ausbildung nicht abgestimmt.

Karin Tamcke

 

 

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