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Ein gutes Ballgefühl

Ein gutes Ballgefühl

Was soll man von seinem Treiben halten? Wo steckt der tiefere Sinn? Wird sein seltsames Handeln ewig ein Rätsel bleiben? Fragen, die sich die Menschen stellen. Er selbst macht sich keine Gedanken und gibt auch keine Antwort.

Quelle: Dirk Hunger

Für ihn ist es vermutlich nichts anderes als ein Heidenspaß. Die Menschen müssen ihn nicht verstehen, er legt darauf keinen Wert. Wohl aber ist ihm wichtig, dass sie etwas hinterlassen, das ihm Freude macht. Und so liegt er auf der Lauer, wann immer es seine Zeit erlaubt. Warum soll ein Fuchs nicht auch ein Hobby haben? Das Leben ist schon schwer genug, kommt man in seinem Fell zur Welt.

Nicht überall ist er beliebt, nicht bei den Mäusen, nicht bei den Menschen. Wobei man die Mäuse verstehen kann. Wer endet schon gerne als Mittagessen im Magen eines Fuchses? Das müssen die Menschen nicht befürchten, sie lasten ihm trotzdem Schlimmes an. Gestohlene Gänse, Bandwurm und Tollwut. Da braucht es ein bisschen Leichtigkeit, um den Ernst zu entschärfen. Gibt er sich deshalb seit einiger Zeit dieser albernen Leidenschaft hin? Einer Leidenschaft, die nur er selbst begreift. Dazu muss man wissen, dass sein Wohngebiet eng an einen Rasen grenzt, auf dem die Menschen mit seltsamen Stöcken Bälle in kleine Löcher schubsen. Golfspiel nennen sie das. Er beobachtete eine Weile das für ihn rätselhafte Geschehen, traute sich dann eines Nachts aus seinem Versteck heraus. Die Löcher waren eine Enttäuschung. Sie bargen keine Mäuse, er hatte sich mehr davon versprochen. Er schnürte über das Areal, neugierig und erlebnishungrig. Fand hier die erste Begegnung statt? Keiner wird es je erfahren. Nehmen wir es einfach an.

Plötzlich lag vor ihm ein weißes rundes Ding, von dem eine Faszination ausging, die er sich nicht erklären konnte. Er prüfte das kleine Bällchen auf eine mögliche Fressbarkeit, die nicht gegeben war, das stellte er sehr schnell fest. Obwohl es einen Look aufwies ähnlich einem Hühnerei. Auf jeden Fall beschloss er, seinen unbekannten Fund als Glücksfall anzunehmen. Er trug den Golfball zu einem Platz, den er keinem verraten würde, und hatte ein gutes Gefühl dabei. Damit legte er den Grundstein zu einer umfangreichen Sammlung. Und wie jeder Sammler strebte auch der Fuchs nach weiteren Exemplaren. Nun war er ständig nachts vor Ort, untersuchte das Gras, kontrollierte die Löcher, fahndete im Gebüsch nach verschlagenen Bällen. Die Ausbeute war eher mager. Schnell hatte er begriffen, er musste offensiver handeln. Sich die Quelle erschließen, aus der die Bälle kamen. Und das hieß für ihn, er musste sich den Menschen nähern. Was eine kleine Mutprobe war, doch wer nichts wagt...

So kam es, dass er sich auch am Tag auf den Golfplatz traute. Er sah sie überall, die Objekte seiner Begierde. Sie flogen weit durch die Luft und rollten über den Rasen, bis sie in einem Loch verschwanden oder oft auch nicht. Als dann eine dieser Kugeln ihm fast vor die Nase kullerte, da hielt er nicht länger an sich, er sprang aus seiner Deckung und schnappte sich das Ding. Das war der große Durchbruch, ab da gab es kein Halten mehr für den ballaffinen Fuchs. Den Menschen blieb das nicht verborgen, sie begannen mit dem Erstaunen. Ihre anfängliche Vermutung, der Fuchs würde nur die Bälle beschnuppern, um sie als Neuheit einzuordnen in seinem vom Wald geprägten Leben, sahen sie nicht bestätigt. Denn die Bälle verschwanden. Verschwanden mit dem Fuchs. Der wurde immer mutiger. Er positionierte sich dreist am Abschlag, fing die Bälle aus der Luft und schleppte die Beute ab. Was soll ein Golfer empfinden, der ein wichtiges Zubehör im Maul eines Fuchses verschwinden sieht?

Die Spieler waren amüsiert. Sie brachten ihre Kameras mit, um den Anblick zu dokumentieren. Was zählen die entwendeten Bälle im Tausch gegen solch ein Erlebnis? Obwohl man mittlerweile nach Hochrechnung der Verluste dem Fuchs eine geklaute Anzahl im fünfstelligen Bereich anlastet. Eines Tages erschien auch die Presse und widmete ihm einen langen Artikel, gespickt mit Spekulationen über sein Leitmotiv. Man rätselte und diskutierte, belächelte und hinterfragte. Inzwischen ist er berühmt geworden, der Fuchs mit dem guten Ballgefühl. Was ihm, man kann es fast vermuten, im Grunde von Herzen egal ist.

Karin Tamcke

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