Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Fiasko mit Asko

Fiasko mit Asko

„Es lächelt der See, er ladet zum Bade", schwärmte damals Friedrich Schiller. Das Gleiche empfand nun Asko an einem schönen Sommertag, er musste dazu kein Dichter sein.

Voriger Artikel
Dem Täter auf der Spur
Nächster Artikel
Ein problematischer Nachbar
Quelle: dpa

Auch er spürte stark dieses Lächeln und lächelte sozusagen zurück, indem er mit einem mächtigen Satz ins klare Gewässer sprang. Der Tag fing ausgezeichnet an, Asko verspürte Lebensfreude. Er schwamm ein Weilchen hin und her, seine Hundepfoten paddelten und trugen ihn leicht durch den See. Die Sonne schien vom adriablauen Himmel und um ihn herum waren froher Lärm und Lachen. Menschen belagerten das Ufer, die Kinder plantschten im flachen Wasser, warfen sich einen Ball zu.

Asko entging das nicht. Der Anblick aktivierte sein Lustzentrum, denn das Spiel mit Bällen gehört für ihn zu den höchsten Wonnen. Doch er ist nicht nur ballaffin, er fühlt sich auch Kindern sehr verbunden. Sanft geht er mit ihnen um und sehr kameradschaftlich. Die Kleinen mögen ihn ebenfalls, diesen Border Collie-Mix mit dem weißen Fell und der schwarzen Zeichnung rund um das linke Auge, die wirkt wie eine Augenklappe und die dem netten Hund einen verwegenen Look verleiht, auch wenn er sich nicht verwegen fühlt, er hat es mehr mit der Vorsicht. Doch das behält er lieber für sich. Und weil nun alles zusammenkam – Wasser, Ball und Kinder – fragte Asko gar nicht erst, er brachte sich gleich begeistert ein, hetzte dem Ball hinterher, im Wasser und an Land. Die Kinder warfen, Asko flitzte, es war ein Spaß für beide Seiten.

Und dann war die Freude vorbei. Urplötzlich und unerwartet. Es war nicht der kurze Schmerz, dieses unangenehme Kribbeln, was Asko so erschrecken ließ. Es war das Unbegreifbare, der nicht sichtbare Gegner mit dem hinterhältigen Angriff, der nicht einzuordnen war. Asko war so erschrocken! Er hatte sich auf den Ball konzentriert, dessen Flugrichtung übernommen, war kurz gegen diesen Draht geprallt, gegen den Elektrozaun, der die angrenzende Koppel umschloss. Das nasse Hundefell und der Strom, der durch die Drähte floss, schlossen sich kurz zu einem Resultat, mit dem Asko nicht gerechnet hatte. Er gab ein kurzes Jaulen ab, dann merkte er, dass er laufen wollte, das hielt er momentan für das Beste. Und so rannte er einfach los, um einen schnellen Abstand bemüht zu dem unbekannten Feind. Alles war so schnell geschehen und seine Menschen sahen dem flüchtenden Hund hinterher, den kein Rufen mehr erreichte.

Asko verschwand bald hinter Büschen und damit aus ihrem Sichtbereich. Vorbei waren Ruhe und Entspannung. Ein schöner Tag hatte es werden sollen und eine Belohnung für den Hund. Er musste die letzten beiden Wochen bei Bekannten verbringen, konnte die Familie nicht in den Urlaub begleiten. Erst gestern waren sie heimgekehrt, hatten Asko abgeholt, um heute nun zum See zu fahren, weil er doch das Wasser liebte. Und jetzt war Asko verschwunden! Sie suchten und riefen noch eine Weile, dann keimte eine Hoffnung: Vielleicht war er nach Hause gelaufen? Eine Hoffnung, die bald erlosch. Sie fuhren wieder zurück zum See. Hinter den Büschen dehnte sich ein abgesperrtes Gelände aus, ein früheres Armeegebiet. Vielleicht hockte Asko hier zwischen Niederwuchs und Unkraut und traute sich nicht mehr heraus? Es bedurfte einer Genehmigung, um das Areal zu betreten. Askos Menschen telefonierten, baten, ersuchten und bekamen endlich die Erlaubnis. Sie riefen, durchkämmten die ganze Gegend, schauten hinter jeden Busch. Sie fanden etliche Hasen und sogar einen Fuchs, doch Asko fanden sie nicht. Wo steckte bloß der Hund?

Es war ein einziges Fiasko. Das Tierheim wurde informiert, sie waren gerade dabei, eine Steckbriefaktion zu starten, wollten alle Bäume mit Askos Konterfei bekleben, da rollte ein Auto vor ihre Tür. Und dann sahen sie, ungläubig und erstaunt, wie aus dem Kofferraum ein Border Collie sprang. Ein Hund mit weißem Wuschelfell und schwarzer Augenklappe. Asko hatte plötzlich vor der Tür seiner Urlaubsbetreuung gestanden und sozusagen Sturm gebellt. Nie zuvor war er die Strecke auf eigenen Pfoten gelaufen. Woher kannte er die Wege, die er zu gehen hatte? Wie konnte er sein Ortungssystem entsprechend programmieren, wer hatte ihm für diesen Zweck die Koordinaten übermittelt? Doch Asko verweigerte die Erklärung und schwieg sich tief und nachhaltig aus.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Tiergeschichten
  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr