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Freundschaft ist eine Maus

Tiergeschichten Freundschaft ist eine Maus

Ich habe ein Geschenk erhalten. Ein Geschenk zum Zeichen der Freundschaft. Der materielle Wert ist gering, doch dass ich für würdig befunden wurde, es dargebracht zu bekommen, erfüllt mich mit Stolz und Freude und mit tiefer Rührung.

Es ist eine kleine graue Plüschmaus. Und die edle Spenderin hat sie selbst gefangen.

Es war eine aufregende Jagd gewesen, quer durchs ganze Zimmer. Die Maus hatte sich verstecken wollen, war in die Ecken geflohen, doch es gab keine Gnade. Sie wurde zur Strecke gebracht und mit Triumphgeschrei vor meine Füße gelegt. Die tapfere Jägerin heißt Minze und dass sie mir in Selbstlosigkeit die Beute überlässt, ist rührend und nicht selbstverständlich. Es ist noch nicht lange her, da suchte sie lieber die Deckung, als sich freiwillig zu nähern. Von Mäuse-Präsenten ganz zu schweigen.

Als mein letzter Kater sein irdisches Dasein beenden musste, stand ich vor der Frage, ob nun endgültig Schluss sein sollte mit der Katzengesellschaft. Es lockte die Unabhängigkeit und viel sprach dafür, mein Leben ruhiger zu gestalten, frei von allen Sorgen um kätzische Belange und Nöte. Doch kann man katzenlos in einem Gebäude leben, das in allen Türen ausgesägte Quadrate zum bequemen Durchgang für Katzen hat, wo selbst die Fliegengittertür zum Garten eine ausgesparte Öffnung bekam? Wo an allen Wänden Katzenbilder hängen und ich sogar meinen Kaffee aus einer Katzenkanne gieße?

So fand ich mich dann auch bald, getrieben von der erlangten Einsicht, im nächsten Tierheim wieder. Meine Vorstellung war präzise. Zwei Miezen sollten es sein, aus dem jugendlichen Alter heraus und in problemloser Freundschaft verbunden. Das Angebot war überwältigend, besonders bei den älteren Katzen. Es brauchte schon eine gewisse Stärke, um nur mit den zwei geplanten und nicht mit dreißig weiteren Katzen wieder nach Hause zu fahren. Ich entschied mich für ein Geschwisterpärchen in schwarzweißem Kuh-Design, fünf stramme Jahre alt, aus schlechter Haltung entnommen und im Tierasyl gelandet. Nun fuhr ich mit Minze und Matjes heim und versprach ihnen aus tiefster Seele ein schönes Katzenleben.

Es ist immer wieder ein mit Spannung erfülltes Abenteuer, neue Katzen ins Haus zu holen, besonders in volljährigem Zustand. Junge Kätzchen sind süß, doch erst die erwachsenen Tiger sind charakterlich ausgereift. Welches Naturell würde ich bei den beiden entdecken, welche Wesenszüge schlummerten unter dem schwarzweißen Fell, welche Gedanken formten sich hinter den runden Katzenstirnen? Von der Rückbank drang zartes Miauen aus den beiden Katzenkörben, als Antwort nicht zu werten, da reine Laute des Protestes. Im neuen Zuhause angekommen, saß Matjes still und gesammelt da, wie ein kleiner Buddha, während sich Minze blitzschnell auf die Suche nach dem Notausgang machte. Offensichtlich hatte sie den hinter der Einbauküche vermutet und sich durch einen schmalen Spalt in der Verkleidung gequetscht. Mir wurde angst und bange, ich hatte keine Ahnung, wie es aussah hinter den Möbeln.

Die Sorge war nicht unbegründet, bei der Sanierung meines Bades hatte sich unter der alten Wanne ein reines Nichts entdecken lassen, es ging direkt zum Mutterboden. Führte auch hier der Weg ins Erdreich? Bei diesen betagten Häusern kann man mit allem rechnen. Und so sah ich schon meine Minze in den Katakomben des Ortes verschwinden. Ein kräftiger Freund, in Panik herbeigerufen, nahm die Verkleidung auseinander und hinter dem letzten Brett saß meine vorwurfsvolle Katze.

Doch es dauerte nicht lange und die erhoffte Annäherung trat bei beiden ein. Sie zirkulierten mutig durchs Haus. Ich konnte mit Behagen sehen, wie sie ihre kleinen Körper durch die Katzenöffnungen schoben und alle Räume erforschten. Matjes wagte sich heraus aus seiner Buddha-Haltung und fing zu meiner Beruhigung an, erste Ansprüche zu stellen, ans Futter und auch sonst, wie es sich für Katzen gehört. Und Minze suchte nicht mehr verzweifelt nach fragwürdigen Verstecken. Sie hatten mich und das Haus akzeptiert, meine beiden Tigerchen. Waren endlich angekommen. Doch als die Krönung des Ganzen ist eindeutig Minzes Geschenk, die kleine Spielmaus, zu werten. Ich nehme gerne weitere an. Solange es keine lebenden sind...

Karin Tamcke

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