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Gackern für die Werbung

Gackern für die Werbung

Sie trägt den Kopf etwas höher als die Artgenossen. Ihr Gang ist energisch und zielgerichtet. Stolz steht der rote Kamm, der ihren perfekten Körper krönt. Sie ist die Beauty vom Hühnerhof.

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Quelle: André Kempner

Adonia, ein Huhn wie aus dem Bilderbuch. Doch nicht nur die fesche Erscheinung macht den großen Unterschied. Adonia ist ein Star. Sie ist das Huhn in der Werbung.

Als sie vor gut zwei Jahren aus einem zartbraunen Ei als flaumiges Küken schlüpfte, sah man ihr nicht an, was alles in ihr steckte. Zweifellos war sie niedlich mit ihrem rötlichen Daunengefieder, wie alle Küken niedlich sind, doch piepste sie sich nicht auffälliger als die kleinen Geschwister durch den Hühneralltag. Adonia wuchs heran, kam in die Phase der Adoleszenz und damit in die Mauser, die sie vorübergehend der Attraktivität enthob. Als dann aus den sperrigen Kielen auffällig schimmernde Federn sprossen und in einem kraftvollen Rostton das Huhn rundum bedeckten, die Beine ein kerniges Goldgelb annahmen und sich der straffe Kamm in satter Röte erhob, da war aus dem alltäglichen Küken ein stattliches Federvieh geworden und es zeigte sich nun deutlich, dass Adonia zur schönen Rasse der Rhodeländer zählt. Stolz schreitet sie über den Hühnerhof, adrett wie aus dem Ei gepellt, selbstbewusst und in sich gefestigt, das Gefieder glänzt wie lackiert, der leicht gehobene Schwanz und die gerade Rückenlinie unterstreichen ihr gutes Selbstwertgefühl.

Doch nicht allein das nette Aussehen sollte Adonia adeln. Es war bald festzustellen, dass sie über Gaben verfügt, die sie besonders machen. Sie fiel durch Neugier auf, durch Zutraulichkeit und Stressresistenz. Sie zeigte Intelligenz, die über dem Hühnerdurchschnitt liegt. Sie sucht sich das gemütlichste Nest und legt mit wesentlich mehr Nachdruck als die anderen Hühner, wenn auch ihre Eier nicht größer sind als die Norm. Selbst bei der Fütterung dringt ihr eigenes Wesen durch. Sie ist bereits am Trog, bevor die ersten Futtergaben die Schüssel kontaktieren. Mit diesen guten Eigenschaften bereitete sie sich selbst den Weg in die Welt des Ruhmes. Sie würde nicht den ganzen Tag im Sand nach Würmchen und Käfern scharren, Adonia hatte andere Ziele.

Nicht zufällig erfolgte die Entdeckung ihrer speziellen Talente, der Hof und sein lebendes Inventar gehören einer Tiertrainerin. So war es nicht verwunderlich, dass das begabte Huhn zu den Auserwählten zählte. Eine fundierte Ausbildung wurde der Henne zuteil. Sie hatte viel zu lernen, musste sich erarbeiten, wie man auf Verlangen Treppenstufen ersteigt, souverän auf Hunden reitet oder exakt in die Richtung läuft, die vorgegeben ist. Adonia zeigte sich gelehrig, erahnte die Wünsche der Trainerin. Die schien versessen zu sein auf ein bestimmtes Geräusch, auf ein speziellen Klicken, das sie erzeugen durfte, wenn der Lernprozess in richtige Bahnen lief. Dann streute sie Weizenkörnchen und den zartesten Mais. Da das Klicken verbunden war mit den guten Gaben, verstärkte das beim Huhn den Eindruck, die Trainerin zu trainieren. So konzentrierte sich die Henne und tat all die gewünschten Dinge, die einen Klick zur Folge hatten. Dadurch füllte sie sich täglich nicht nur mit feinem Futter an, sondern ebenfalls mit vielen Erfahrungswerten, auch wenn sich ihr der Sinn des Ganzen nicht erschließen wollte. Doch bei der überzeugenden Gage verbot sich Adonia alle Fragen nach der Zweckhaftigkeit.

Durch die vielen Trainingsstunden hatte sich das Huhn mit einem stattlichen Repertoire an Verhaltensweisen ausgestattet, die auf Kommando abrufbar waren. Bald kam ein Angebot für eine tragende Rolle in einem Werbespot. Das Casting durchlief Adonia mit vorhersehbar gutem Ergebnis. Sie stand da in voller Pracht, präsentierte sich aufgeschlossen, schüttelte die Federn, gackerte auf Verlangen, scharrte graziös den Boden und wurde das Werbehuhn. Die nicht so wichtigen Szenen führten Doubles aus, unbedeutende Hennen mit entfernter Ähnlichkeit. Und ein befiederter Handschuh gab ein Ei von sich, denn bei allem Talent war es Adonia nicht möglich, auf Kommando zu legen. Doch wenn der fertige Spot über die Bildschirme flimmert, wird nicht zu bemerken sein, dass sich hier das Huhn mit fremden Federn schmückt. Und von Adonia selbst wird man das nie erfahren.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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