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Immer der Nase nach

Immer der Nase nach

Er sieht aus wie ein ganz normaler Hund. Nichts Auffälliges ist an ihm, dem dunklen Labrador. Und das ist ausgesprochen gut so. Denn Hermann arbeitet undercover.

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Quelle: Kyodo dpa

Sozusagen. Nur wenn man ihm tief in die Augen schaut, dann kann man hinter dem treuherzigen Blick ein waches Leuchten entdecken, ein Feuer höchster Aufmerksamkeit.

Hermann ist ein Überflieger. Schon im zartesten Alter war er der Erste an der Quelle, die ihm Nahrung versprach. Später fraß er seinen Napf viel früher leer als die Artgenossen. Sein erstes klares Wau kam zu einem Zeitpunkt, wo sich die wuselnden Wurfgeschwister noch in der Äußerungsphase welpenhaften Quiekens befanden. In allen wichtigen Punkten hatte er die Nase vorn. Hermann ist eine Hochbegabung in braunem Hundefell. Glücklicherweise kam er zu Menschen, die seinen hohen IQ erkannten. Sie merkten, er brauchte Förderung, damit er seine Fähigkeiten zur vollen Blüte bringen und zur Gänze ausleben konnte. Niemals würde es ihm genügen, faul auf der Matte zu liegen und von Knochen zu träumen. Er wünscht die Beanspruchung seines Verstandes, die Nutzung seiner Denkfähigkeit. Doch was sollte man ihm bieten, um seinem nach Arbeit verlangenden Geist in ausreichendem Maße Nahrung zu geben?

Zuerst brachte man ihm die Freuden des Agilitys nahe. Herrmann flitzte in Windeseile über den Parcours und machte keinen Fehler. Bald gab er sich gelangweilt und signalisierte damit den Wunsch nach anderen, höheren Zielen. Er begehrte die große Herausforderung. Und dann stand die Idee im Raum: Er sollte ein Suchhund werden. Ein Hund, der in der Lage ist, vermisste Personen aufzuspüren, ihre Fährten zu lesen und gezielt zu verfolgen. Er sollte das Trailing erlernen. Das ist ein ehrenhafter Job, der vollen Einsatz verlangt. Und so schloss sich Hermann dem Suchhundezentrum an, um unter fachkundiger Leitung die Ausbildung zu beginnen. Ein spezielles Trainingsprogramm führte ihn der wichtigen und edlen Aufgabe zu. Die ersten Schritte waren leicht, man konnte sie fast überspringen bei einem Hund wie Hermann. Denn er war längst in der Lage, seine Familienmitglieder mithilfe der Nase zu orten, betrachtete er das doch als eine Herzenssache.

Nun sollte er sein Können auch auf fremde Menschen ausdehnen. Man gab ihm getragene Kleidungsstücke, er prägte sich das Duftbild ein, dann konnte ihn nichts mehr halten. Er spürte die Erregung, das Arbeiten seines Riechepithels, das olfaktorische Erlebnis. Seine Nase navigierte ihn sicher in die korrekte Richtung. Es zeichnete sich schnell ab, dass Hermann der klassische Mantrailer war. Doch er beschränkte sich nicht nur auf das Zuordnen des Individualgeruches. Er zeigte auch Qualitäten als guter Fährtenhund, fand die Spur als solche, zu wem auch immer sie führte. Er suchte nicht mit erhobener Nase wie viele seiner Artgenossen, die auf den Wind vertrauen, der ihnen die Geruchspartikel zufällig vor die Schnauze weht. Nein, Hermann suchte auf höchstem Niveau. Er prüfte auf alle Arten. Er filterte den Untergrund, durchforschte den Boden auf hinterlassene Zeichen, fahndete nach Fußabdrücken, bemerkte die kleinste Veränderung. Er roch an geknickten Halmen, der angedrückten Bodenkrume. Er sondierte mit tiefgelegter Nase.

Hermann erweiterte sein Wissen, feilte seine Technik aus, wurde immer besser. Die Prüfung bestand er mit Bravour. Um in Übung zu bleiben, schloss er sich einer Suchhundestaffel an. Und dann kam der große Tag, der ihn herausheben sollte aus der Reihe seiner Kollegen. Die Polizei sprach bei Hermann vor. Es gab einen wichtigen Auftrag. Ein hilfloser Mensch war verschwunden. Für Hermann war das die große Chance, sich und sein Können einzubringen. Voller Tatendrang nahm er die Witterung auf, lief zielgerichtet durch die Straßen, bog auf den Wiesenweg ab und von dort aus in den Wald. Selbstsicher und ohne zu zögern erarbeitete er sich die Streckenführung und krönte seinen Einsatz mit einem schnellen Erfolg. Das war der Durchbruch für ihn. Seitdem arbeitet er regelmäßig für die Polizei. Er spürt flüchtende Diebe auf, Einbrecher und Drogenkuriere. Doch was die Einzelheiten betrifft, da unterwirft er sich professionell der Schweigepflicht.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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