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Jagdszenen

Tiergeschichten Jagdszenen

Die Zeichen sind höchst verdächtig. Keine Katze auf dem Sofa. Keine Katze auf dem Bett. Keine Katze in der Küche bei der Napf-Kontrolle. Stattdessen beide Katzen im Flur. In Lauer-Position. Vor der Wandverkleidung. Das sagt mir alles, ich kenne meine Pappenheimer.

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Quelle: Alexander Bley

Wenn sich selbst der Kater so engagiert einbringt, kann es sich nur um eines handeln: um eine verzweifelte Maus, die sich im letzten Moment hinter die Bretter retten konnte. Die Frage, wie kam die Maus ins Haus, beantwortet sich von selbst. Den ganzen Tag hindurch werde ich mit „Geschenken" bedacht, meistens gefangen vom Katze Minze. Sie bringt in der Mehrzahl Frösche an. Die sind rund um die Uhr verfügbar, direkt an die Terrasse grenzen zwei kleine Teiche, in denen es von Fröschen wimmelt und die sich alle Mühe geben, für Nachhaltigkeit zu sorgen. Minze kann sich daher ständig aus dem Angebot bedienen. Die glitschigen, graugrünen Hüpfer werden mir vor die Füße gelegt. Im Wohnbereich, wohlgemerkt. Aus dem Katzenmaul entlassen, nutzen die Frösche die Gunst der Stunde, indem sie die Flucht ergreifen, was verständlich ist.

Damit die Katze mein Haus nicht in ein Biotop verwandelt, habe ich in allen Räumen vorsorglich ein Tuch parat, das ich über die Lurche werfe, die sich in diesem Augenblick in dunkler Sicherheit wiegen und sich dann wieder anstandslos dem Garten zuführen lassen. Bis zum nächsten Mal. So weit, so gut. Man kann sich an alles gewöhnen. Nachts fängt Minze gerne Motten. Die bringt sie ebenfalls als Geschenk, frisst sie aber dann doch selbst.

Diesem ganzen Treiben kann Kater Matjes nichts abgewinnen. Nichts davon findet Eingang in seine Verständniswelt. Er guckt sich nur achselzuckend die seltsamen Beuteobjekte an. Bei Mäusen ist das aber ganz anders. Die findet auch Matjes spannend. Nicht dass er sie fressen würde, auch seine Schwester Minze hat einen anderen Speiseplan, doch Mäuse sind aufregend und schwieriger zu bejagen, ein gestandener Kater braucht die Herausforderung. Und nun sitzt so ein armes Opfer verschreckt hinter den Brettern im Flur.

Ich kann nicht mein Haus auseinandernehmen, ich kann die ganze Sache deshalb nur vertrauensvoll in die Pfoten der Katzen legen. Und das Beste hoffen. Es dauert auch gar nicht lange, da höre ich ein Poltern. Die Katzen sind wieder auf der Jagd. Vermutlich wollte die Maus einmal gucken, wie rein die Luft inzwischen ist. Minze kommt angetigert, im Maul die zappelnde Beute. In ihrem Kielwasser Matjes. Ich atme erleichtert auf. Das Öffnen der Terrassentür, durch die ich die Maus via Minze auf einfache Art entsorgen will, übersieht meine Katze mit voller Absicht. Nein, sie will die Maus nicht nach draußen tragen, sie hat sie doch extra hereingebracht. Stattdessen öffnet sie den Fang, zu meinem beträchtlichen Entsetzen, die Maus lässt sich das nicht zweimal sagen, rennt los, auf der verzweifelten Suche nach einem Mauseloch. Minze guckt gelassen zu, denn in purer Großzügigkeit darf nun ihr Bruder auch einmal.

Matjes versteht die Zurückhaltung richtig, bekommt leuchtende Augen, flitzt hinter dem Nager her, der rettet sich unters Regal, kommt sofort wieder hervor, orientiert sich kurz, Matjes tänzelt beglückt, gibt der verharrenden Maus einen Schubs, die, nun erneut in Gang gesetzt, rennt zum Schrank und verschwindet dahinter. Das kann ja heiter werden! Dann ist die Maus wieder da, was treibt sie bloß immer wieder hervor, die Sehnsucht nach Suizid? Minze bleibt unbeteiligt, Matjes von Jagdeifer durchdrungen, ich in Panik, kein Karton in der Nähe, ein Handtuch hilft bei Mäusen nicht und nein, ich will keine Maus im Haus, die Maus kommt wieder zum Vorschein, ich hole schnell einen Eimer, Matjes jagt die Maus zum Regal, ist nicht so geschickt wie Minze, ich jage hinter Matjes her, die Maus versteckt sich, kommt wieder hervor, läuft Minze fast vor die Füße, die guckt Löcher in die Luft, ist mir keine Hilfe, endlich bekomme ich es fertig, den Eimer über die Maus zu stülpen. Geschafft!

Ich expediere den Nager ins Freie, weit weg von meinen Katzen. Dann lasse ich mich erledigt in den Sessel sinken und atme erst einmal tief durch. Bis zur nächsten Maus...

Karin Tamcke

 

 

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