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Liebesnächte im Gartenteich

Liebesnächte im Gartenteich

Sie sind wieder da! Kaum hat die Frühlingssonne beschlossen, ihre ersten warmen Strahlen auf die winterschläfrige Erde zu schicken, kommen bei Nacht und Nebel viele graubraune Wesen im Sternmarsch auf meinen Garten zu.

. Rana temporaria, der Grasfrosch, ist wieder dabei, sich für eine Saison zu verbandeln, um für viele kleine Grasfrösche zu sorgen. In meinem Gartenteich brodelt es, als hätte ich das Ungeheuer von Loch Ness zu Besuch. Dabei sind es nur diese glitschigen Wesen, die die Wellen höher schlagen lassen und gleichzeitig die Herzen ihrer Liebsten. Das kleine Gewässerchen – eine einzige Singlebörse.

Keine Ahnung, wo sie so lange gesteckt haben in dem letzten kalten Winter. Unter Blätterhaufen, Baumwurzeln? Jedenfalls gibt es genug ihrer Art, die sich meinen Teich als Geheimtipp weitergereicht haben müssen und nun auf der Suche sind nach der diesjährigen Liebe ihres Lebens. Die Froschmännchen paddeln langbeinig durchs Wasser, um sich dann abwartend irgendwo am Ufer zu verankern – und in mir spontan Erinnerungen an meine ersten Schwimmversuche wecken, die immer darauf abzielten, die rettende Kante des Beckens zu erreichen.

Doch diese Amphibien können schwimmen seit ihrer ersten Lebenssekunde. Das Verharren dient lediglich dem Sondieren des Angebotes, was denn an holder Weiblichkeit so auf dem Froschmarkt ist. Ihr tiefes „Mooa, Mooa“ hallt besonders nächtens durch den Garten und klingt in Froschdamenohren schöner als das „Nessun dorma“ von Pavarotti.

Doch lange halten sich Grasfrösche nicht auf mit ihrem Liebeswerben. Es dauert nur ein paar Tage, dann schwimmen große Ballen auf dem Wasser, die an gekochten Sago erinnern. Froschlaich. Das angestrebte Ziel ist erreicht und man verlässt die große Party, um sich erleichtert dem sommerlichen Froschleben in Garten und Feld zuzuwenden. Um den Nachwuchs wird sich nicht gekümmert. Soll der doch selber sehen, wie er erwachsen wird.

Das wird der theoretisch alleine, doch überall lauern Gefahren auf die Brut und es ist nicht sicher ist, ob jemals ein fertiger kleiner Frosch aus den vielen Eiern entsteht.

Ich erinnere mich an das erste Mal. Zwischen Wasserflöhen, Rückenschwimmern und Egeln wedelten plötzlich beschwänzte schwarze Linsen durchs Wasser: Wir hatten Kaulquappen im Teich. Im Geiste sah ich schon viele Frösche eines Tages dem Tümpel entsteigen. Doch meine Freude währte nicht lange. Der Gelbrandkäfer und seine Larven hatten die Quappen zum Fressen gern. Und nach kurzer Zeit war es aus mit den Froschanwärtern.

Das sollte nicht wieder passieren. Als im kommenden Jahr die Kaulquappen schlüpften, versprach ich ihnen Schutz und Geleit. Denn schon sah ich den ersten Gelbrandkäfer durch das Wasser flitzen. Und er war nicht zufällig da. Es dauerte nicht lange, da hatte er massenhaft Larven erzeugt, die versuchten, sich unauffällig zwischen meine Schutzbefohlenen zu mogeln.

Ich opferte ein Küchensieb, fischte die Räuber aus dem Wasser und evakuierte sie in den nächsten Teich. Sollten sie dort Wasserflöhe fressen, aber nicht mehr meine künftigen Frösche. Die fingen munter an zu wachsen. Wurden dickbäuchig und rund. Sie schwänzelten durch das Wasser und knabberten brav die Algen von Pflanzen und Steinen.

Zuerst bekamen sie Hinterbeinchen, dann wuchsen auch die Vorderfüße. Wie es sich für Kaulquappen gehört. Bald sahen sie wie richtige Frösche aus. Die glatte Haut wandelte sich zugunsten eines höckerigen, warzigen Erscheinungsbildes und sie guckten mich bereits aus Froschaugen an.

Einige von Ihnen wurden von Amsel und Bachstelze geklaut, die den Bestand aber nicht nennenswert dezimierten.

Und dann, eines Morgens.....da hatte die Terrasse Flöhe. Überall hüpften kleine Punkte, die munter in Richtung Garten strebten. Sie waren so zart und zerbrechlich und nicht größer als mein Daumennagel. Sie verteilten sich überall im Gras, um das Leben eines Einzelgängers zu beginnen wie schon vor ihnen ihre Eltern. Ich begegnete ihnen noch oft.

Zwischen den Blumen saßen sie, im Gemüsebeet, unter Steinen. Ich zwinkerte ihnen zu. Und manchmal sah es aus, als zwinkerten sie zurück. Nur – ein Krönchen, das trug leider keiner von ihnen.

Karin Tamcke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Karin Tamcke

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