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Sein wichtiger Job

Sein wichtiger Job

Wenn Arko sich morgens aufmacht, seinen Dienst anzutreten, dann ist sein nettes Hundegesicht von Wichtigkeit überzogen. Er trägt das Haupt hoch erhoben, und das nicht nur aus purem Stolz, denn im Maul birgt er kostbares Gut.

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Quelle: Volkmar Heinz

Zwischen seinen Lefzen, fest von den Zähnen umschlossen, schlenkern die Bügel einer Tasche und es ist ihm äußerst wichtig, den Kopf entsprechend zu halten, damit er sein Transportobjekt keiner Bodenberührung aussetzt. Schließlich ist ihm bekannt, dass er mit der Tasche auch Verantwortung trägt. Die Stirn in tiefe Falten der Konzentration gelegt, trabt er eilig zum Auto und nutzt die sich öffnende Tür zum Sprung auf seinen Sitz. Hier händigt er die Tasche vertrauensvoll seinem Frauchen aus, behält sie jedoch fest im Blick, um sie dann am Ende wieder in Obhut zu nehmen und die letzten Meter vom Parkplatz ins Gebäude zu tragen. An seinen Arbeitsplatz. Damit ist ein großer Teil seines wichtigen Jobs erledigt. Er benutzt dieses Ritual, um seine Bedeutung aufzuzeigen.

Im Grunde ist Arko ein Hund wie jeder andere auch. Er hat ein Faible für Leckerchen, verströmt Wohlbehagen, wenn er gestreichelt wird und möchte eine Aufgabe haben, die ihm Bestätigung verleiht. Hier hat jeder Hund seine eigenen Präferenzen. Arko glänzt auf dem Gebiet des artigen, unbeirrten Wartens. Doch dazu kommen wir später. Zuerst einmal beginnt sein Tag wie der vieler Artgenossen. Nach dem frühzeitigen Wecken, das er selbst übernimmt, geht er mit seinem Frauchen nach draußen in die Parkanlage, die liegt gleich um die Ecke. Leider hat Arko keinen Garten, er lebt in einer Wohnung mitten in der Stadt. Nach einer schönen Runde nimmt er ein kleines Frühstück ein, seine Hauptmahlzeit bekommt er erst am Abend gereicht. Dann wird es auch schon Zeit, zur Arbeit aufzubrechen. Denn Arko ist ein Bürohund. Und die große Tasche, die er morgens zum Auto trägt, weist seine Wichtigkeit aus. In ihr befinden sich Unterlagen und sein Pausenbrot. Sein Frauchen arbeitet in einem Verlag und die Belegschaft ist zum Glück tierfreundlich angelegt. Deshalb darf Arko seinen Tag neben dem Schreibtisch verbringen. Und hier kommt sein Talent zum Tragen, die Gabe fürs stille Lagern.

Brav nimmt er seinen Platz auf einem Deckchen ein. Gleichzeitig lockert er dabei das Betriebsklima auf. Er beobachtet alles genau, sieht die Kollegen kommen und die lassen es sich nicht nehmen, ihn freundlich zu begrüßen, was Arko, angenehm berührt, mit dem Wedeln des Schwanzes kommentiert. Dann nimmt er sich wieder zurück. Er hat sich so zu verhalten, als wäre kein Hund im Büro. Nur ein Hund, den man nicht spürt, ist ein guter Bürohund. Arko weiß das ganz genau. Bis auf das eine Mal... Das Jahr ging in die letzten Wochen und die Räume begannen, sich vorweihnachtlich zu präsentieren, zurückhaltend selbstverständlich, hier und da ein kleiner Schmuck. Und auf dem Tischchen beim Empfang stand ein Tellerchen mit Keksen, die waren für die Kunden gedacht, süße, duftende Kekse, ihr gutes Aroma überlagerte den typischen Bürogeruch und zog auch in Arkos Nase. Er witterte dezent, nie wäre es ihm eingefallen, seinen Platz zu verlassen, um die Duftspur zu verfolgen.

Es kam die Mittagspause, die Arko stets zu einem Spaziergang um den Parkplatz nutzt. Wieder zurück im Gebäude, ergab es sich dann so, dass das gewisse Tischchen mit dem Teller und den Keksen passiert zu werden hatte. Hätte sich sein Frauchen nicht in ein Gespräch vertieft, in ein unwichtiges sogar, mit einem noch unwichtigeren Kollegen, dann wäre es Arko gelungen, den Gelüsten zu trotzen. Doch nun, keiner Beachtung ausgesetzt, schob sich seine Nase fast wie von selbst zum Tisch und über den Tellerrand. Es war für seine Zähne ein Leichtes, sich einen Keks zu greifen und den zügig zu zermalmen. Und weil danach nichts Schlimmes geschah und auch das Gebäck nicht den geringsten Widerstand leistete, ging der nächste Keks den Weg seines ersten Kollegen. Weiter kam Arko leider nicht, er wurde auf frischer Tat ertappt. Ausgerechnet von diesem Kollegen! Die folgende Rüge war verdient und Arko schämte sich auch. Aber nicht zu sehr, dafür waren die Kekse einfach zu gut gewesen. Man kann es sich fast denken: Ihm wurde schnell verziehen. Und sein Job im Büro war dadurch auch nicht gefährdet, den hat er noch heute inne.

Karin Tamcke

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