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Seine große Leidenschaft

Tiergeschichten Seine große Leidenschaft

Es war ein einziges Freudenfest: Hubert hatte seine Leidenschaft für das Wasser entdeckt! Er verspürte Lust zum Schwimmen. Zwar hatte er es vorher nie probiert, doch seine strammen Beinchen bewegten sich wie von selbst. Die Tage des ungetrübten Glücks waren viel zu früh vorbei. Doch zu Hause erlebt er eine Überraschung.  

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Quelle: Andreas Döring

Man sollte nicht denken, dass Hubert kein gutes Leben führt. Sein liebevolles Umfeld erzeugt in dem Retriever ein watteweiches Wohlgefühl. Er hätte es in der Tat nicht besser treffen können. Keine rauen Schicksalsstürme brausten je über ihn hinweg. Seine Familie ist von ihm entzückt und beweist ihm jeden Tag, welch toller Hund er für sie ist. Hubert besitzt viel Spielzeug, die Kinder der Familie toben mit ihm herum, wann immer ihn dazu das Begehren überkommt. Und Hubert überkommt es oft. Seine Spaziergänge sind gesichert, täglich findet sich jemand, der eine gute Stunde mit ihm in die Felder geht, oder er darf am Fahrrad mitlaufen, was Hubert ebenfalls sehr schätzt. Auf dem Hundeplatz hat er viele Freunde und wenn er dann nach Hause kommt, wartet auf ihn sein gefüllter Napf, der Höhepunkt der Zufriedenheit. Folglich kann Hubert nicht klagen. Und er tat es bislang auch nicht. Bis beim letzten Urlaub etwas in sein Leben trat, das er vorher nie vermisste, weil er es vorher auch nicht kannte.

Seine Familie fuhr an die Ostsee. Selbstverständlich gemeinsam mit Hubert. Hier offenbarte sich dem Hund eine große Leidenschaft, ein unerhörtes Gefühl des Glücks. Es gab dort einen Hundestrand, wo Hubert laufen konnte und wo er, nach Beobachtung der Artgenossen, dem aufregenden Beispiel folgte, indem auch er dem Meer zustrebte und hier zuerst recht zögerlich, dann immer zielgerichteter seine Pfoten ins kühle Nass eintauchte. Es war wie eine Explosion! Spontan ausgeschüttete Endorphine überschwemmten seinen Körper, er wusste nicht, wie ihm geschah, er verstand plötzlich nur, dass vor ihm ein Abenteuer lag, dem sich mit einer großen Dringlichkeit und ohne Wenn und Aber sofort hinzugeben war. Nun muss man dazu wissen, dass es in seinem Heimatort nicht das geringste Gewässerchen gibt. Kein Teich liegt in der Nähe, kein Fluss und schon gar nicht die Ostsee. Es ist lediglich ein Freibad vorhanden, das aber nur Menschen zugänglich ist. Das nasse Element war folglich etwas völlig Neues für den euphorisierten Hund.

Ohne die geringste Furcht, denn die hätte durchaus auftreten können bei diesem Erstkontakt, trabte er weiter in die See. Zuerst überflutete das Wasser die Retriever-Pfoten, umspielte bald die Oberschenkel, bis sich der Wasserspiegel über seinem Körper schloss, verbunden mit dem Gefühl von vehementer Freude. Der leichte Wellengang massierte sanft seine Flanken, er verspürte Lust zum Schwimmen, er war sich nicht sicher, ob er es konnte, er hatte es vorher nie probiert, doch seine strammen Beinchen bewegten sich wie von selbst in der richtigen Art und Weise. Es war ein einziges Freudenfest. Hubert hatte seine Passion für das Wasser entdeckt! Das gerade durchlebte Vergnügen würde nicht von Dauer sein. Doch daran dachte Hubert noch nicht, er befand sich im Hier und Jetzt und das hieß für ihn: Ostsee! Sein besorgtes Herrchen ließ einen Pfiff ertönen, das Signal zur Umkehr. Nicht dass der Hund bis nach Dänemark schwamm! Nur widerwillig gab Hubert nach, er paddelte ans Ufer, schüttelte einen Schauer blitzender Wassertropfen aus seinem gelben Fell, dann wurde es ihm erneut erlaubt, ins Wasser einzutauchen. Hubert biss spielerisch in die Wellen, ließ sich vom Salzgeschmack verblüffen, er hatte nicht damit gerechnet. Auch das war ein Erlebnis, eine neue Erfahrung. Ein Frisbee wurde geworfen, Hubert hechtete hinterher, apportierte froh.

Die Tage des ungetrübten Glücks waren viel zu früh vorbei. Schön war es, wieder zu Hause zu sein, doch blieb in Huberts Gemüt eine leise Sehnsucht zurück. Die Familie versuchte, seine Speicher des Glücks mit gelegentlichen Fahrten an einen entfernten See wieder etwas aufzufüllen. Hubert nahm alles dankbar an. Dann kam die Überraschung! Der Sommer war vorbei und damit wurde im heimatlichen Freibad das Ende der Badesaison durch den jährlichen Abbadetag angezeigt, bevor man die Becken leerte. Doch in diesem Herbst gab es eine Änderung. Er wurde ausgeschrieben als Hunde-Badetag! Das war eine kleine Sensation. Und sie kamen von überall her, die vierbeinigen Badegäste. Alle Rassen waren vertreten. Selbstverständlich auch Hubert. Nach anfänglicher Skepsis nahm er die Herausforderung an und sprang mutig vom Rand ins allertiefste Becken. Er wusste jetzt, er konnte schwimmen. Mit der bekannten Wonne tobte er durch das Wasser, das nicht einmal salzig war. Am folgenden Tag berichtete die örtliche Presse über den Badetag. Das muntere Treiben der Hunde war durch ein Foto dokumentiert. Und ganz im Vordergrund sah man einen Retriever beim hohen Sprung ins Becken. Es war der glückliche Hubert.

Karin Tamcke

 

 

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