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Tanz der Zuckerfee

Tiergeschichten Tanz der Zuckerfee

Nun ist endlich der Tag gekommen, wo sich Mensch und Hund beweisen können.  Nein, Karlsson wird den Pokal nicht gewinnen. Ein Teddybär scheint hier zu agieren, nichts von dem, was er macht, ist perfekt. Doch er schafft etwas, das besser ist als jeder Pokal.

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Quelle: dpa

Wie der zierlich die Füße setzt! Wie er sich in den Hüften wiegt, sich nach der Melodie ästhetisch und dennoch kraftvoll bewegt! Und so synchron mit seiner Partnerin! Karlsson sieht es mit blankem Neid. Ob er eines Tages ebenfalls in der Lage sein wird, sein täppisches Erscheinungsbild in diese Anmut zu verwandeln? Sich die ganzen Figuren zu merken?

Ja, der Pablo, dieser Dalmatiner, ist das Vorbild der ganzen Gruppe, der Vortänzer des Kurses. Und zugegeben, seine Bewegungen sind beispielhaft, sicher und fest im Rhythmus. Dazu das weiße Fell mit den schwarzen Tupfen, allein das macht überzeugend viel her, spricht für modisches Gespür und figurbetonte Eleganz. Da hat man es schon schwerer, wenn man ein Berner Sennenhund ist. Sein langer Zottelpelz macht jeden Anspruch auf hohe Eleganz zunichte. Karlsson kann nur seufzen und von vorne beginnen. Doch es hilft schon eine Menge, aufsteigende Zweifel zu bekämpfen, wenn Frauchen ihm mit sanfter Hand über den Scheitel streicht. Schließlich war es auch ihre Idee mit dem Tanzen gewesen.

Dog Dancing heißt der neue Trend. Das bedeutet, Mensch und Hund bewegen sich rhythmisch zur Musik und nach einer Choreografie, die eine kleine Geschichte erzählt. Berner Sennenhunde sollen gefordert werden, hatte sein Frauchen gelesen. Und das nicht nur körperlich durch ausgedehnte Spaziergänge, gegen die Karlsson rein gar nichts einzuwenden hat, sondern auch der Geist sollte nicht nur im Training bleiben, sondern sich stetig erweitern. Um beidem zu genügen, buchte sie den Kursus in der Hunde-Tanz-Akademie. Hier fand sich Karlsson dann wieder. Mit leichter Verwirrung, doch auch gepaart mit Interesse, gab er sich der Begrüßung durch einige Teilnehmer hin. Vom Mops bis zum kraftvollen Berner Sennenhund, für den er selber steht, war alles vertreten, was es so gibt in der Hundewelt. Ein albern geschorener schwarzer Pudel mit Pompons an Schwanz und Ohrenspitzen war gerade bemüht, auf den Hinterbeinen zu laufen. Ein hyperaktiver Chihuahua konnte sein Temperament nicht zügeln und quirlte auf und nieder wie ein senfbrauner Flummiball. Und ein behäbiger Boxer mit etwas Übergewicht schaute ebenso zweifelnd wie Karlsson. Jeder kann hier teilnehmen, Voraussetzung sind ein Mindestmaß an Intelligenz und ausgezeichnetes Benehmen.

An beidem sollte es bei Karlsson nicht scheitern. Er ist der freundlichste Hund der Welt, niemals käme es ihm in den Sinn, Artgenossen anzupöbeln. Wenn er Verachtung empfindet, dann zeigt er sie eher durch festes Ignorieren. Und die Intelligenz... Seine Familie findet, dass kein Hund so clever ist wie er, wobei die Liebe zu ihm den Blick schon trüben könnte. Doch im Großen und Ganzen kommt er mit allen zurecht. Nun also sollte er lernen zu tanzen. Tapfer versuchte er zu begreifen, was man von ihm wollte. Immer am Bein von Frauchen bleiben, das war die erste Stufe. Nicht gemeint war damit, als ungeschicktes Hindernis menschliche Füßen zum Stolpern zu bringen. Doch kein Meister fällt vom Himmel und kein Karlsson vom Dach. Deshalb hatte er fleißig zu üben.

Und plötzlich begann er zu begreifen, meisterte die erste Stufe, nicht zuletzt aufgrund der Leckerchen, die als Lernhilfe dienten. Mit jeder Übung steigerte sich der Schwierigkeitsgrad. Bald war es Karlsson möglich, sein Frauchen zu umrunden und auf Verlangen ein Bein zu heben. Hob sie ihres, hob Karlssons ebenfalls eins. Wenn auch nicht immer das richtige. Die Fortschritte waren nicht zu leugnen. Nur das Laufen auf den Hinterbeinen wollte und wollte nicht klappen. Die Schwerkraft wurde Karlsson zum Feind, die Weiterentwicklung stagnierte. Und gerade wo es doch darum ging, am Wettbewerb teilzunehmen, den die Schule jährlich ausschreibt.

Nun ist endlich der Tag gekommen, wo sich Mensch und Hund beweisen können. Viele Zuschauer füllen die Reihen um die kleine Bühne. Momentan ist Pablo an der Reihe. Wie er schwänzelt, wie er tänzelt! Mit angeborener Arroganz nimmt er den Beifall entgegen. Gleich darauf startet Karlsson. Der Unterschied könnte größer nicht sein. Zum „Tanz der Zuckerfee" setzt er fröhlich seine Schritte, die Komik ist unübersehbar, selbst Tschaikowski würde lächeln. Ein Teddybär scheint hier zu agieren, nichts von dem, was er macht, ist perfekt. Doch aus jedem Schritt sprüht so viel Charme, sprüht Lebensfreude, sein ganzes Wesen bringt er ein, dass er die Zuschauer damit erreicht. Er erhält den meisten Applaus, mehr noch als der geschmeidige Pablo. Nein, Karlsson wird den Pokal nicht gewinnen, aber er hat es ganz leicht geschafft, der Sieger der Herzen zu werden. Und das wiegt kein Pokal auf.

Karin Tamcke

 

 

 

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