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Zwei kleine Hoffnungsträger

Tiergeschichten Zwei kleine Hoffnungsträger

Was für ein Schlamassel! Hunger! Durst! Die Mama weg! Da kann man so ausgefuchst sein, wie man will, was soll man schon tun, wenn man zwar ein Fuchs, aber noch ein Winzling ist, gerade einmal sechs Wochen alt und kaum schwerer ist als ein Päckchen Butter?

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Quelle: Patrick Pleul

Wenn man nun verlassen in einem alten Schuppen sitzt, wo man die mütterliche Versorgung doch so dringend braucht, noch viele Wochen lang? Da nützt es wirklich wenig, dass man als Fuchs geboren wurde, so wie Rufus und Ronja, hier greift einfach keine List. Man kann nur warten und hoffen. Doch dann hatte das Schicksal ein Einsehen und aktivierte einen Schutzengel, der einen freundlichen Menschen zu den beiden Füchsen schickte. Die Welpen wurden gefunden, hilfsbereite Hände reichten die beiden weiter, bis in einen Wildpark.

Es hätte nicht besser kommen können in dieser misslichen Lage. Hier kannte man sich aus mit kleinen Waisenkindern. Ein Rettungsprogramm lief an. Mögen sich Rufus und Ronja auch gewundert haben über die Lebewesen, die so anders waren als die verschollene Mutter, die anders rochen, anders sprachen – ihr Hauptbedürfnis wurde erfüllt. Sie bekamen die Flasche, anfangs Tag und Nacht. Das allein zählte, alles andere würde sich finden. Fühlten sie sich ängstlich in der Obhut der Menschen? Schließlich waren das die Feinde, die allergrößten sogar, so hatte es ihnen die Mutter von Anfang an eingeschärft. Nicht grundlos sind Füchse scheu. Doch wenn sie Furcht empfanden, so verbargen sie das geschickt. Sie tranken brav ihre Flasche leer, das war erst einmal wichtig, sie wuchsen vorschriftsmäßig heran, ein niedlicher weicher Pelz bedeckte die beiden Körper, die sich zusehends rundeten. Sie legten sich ein bräunlichgraues Fell zu, die typischen roten Anzüge würden ihnen erst später wachsen. Doch solche Äußerlichkeiten waren ihnen eh einerlei. Sie tobten sich bald durch den Tag, fröhlich und ausgelassen, spielten Fangen miteinander, sie kämpften große Kämpfe, rauften, kuschelten, wie es sich für gesunde Fuchskinder gehört.

Ihr hoher Niedlichkeitsfaktor steigerte sich von Tag zu Tag. Alle waren verzaubert von diesen beiden entzückenden Füchschen. Die Pfleger rissen sich darum, bei den Kleinen zu sein. Ständig war jemand in ihrer Nähe, zum Streicheln, Toben, Füttern. Und keiner wurde daran gehindert, es steckte nämlich ein Plan dahinter. Die Füchse sollten zutraulich bleiben, an die Menschen gewöhnt und so zahm wie möglich. Sie sollten den sonst so scheuen Fuchs den Menschen näher bringen, ihnen die alten Ängste vor der Tollwut nehmen, in einem Land, das längst als tollwutfrei gilt. Das war der große Plan, Rufus und Ronja als Botschafter für ein gutes Verhältnis zwischen Mensch und Fuchs. Mit ihrem umwerfenden Charme könnte es den beiden gelingen, dieses Vorurteil auch endlich abzubauen.

Die kleinen Füchse ahnten nichts von ihrer wichtigen Bestimmung. Inzwischen wurde für sie ein eigenes Gehege vorbereitet. Denn Füchse leben in freier Natur und nicht im Wohnzimmer ihrer Retter. Es dauerte nicht lange, da konnten sie zum ersten Mal ihre Pfoten auf richtigen Waldboden setzen. Aufregend war das, spannend, interessant und reich an neuer Erfahrung. Es duftete nach Gras und den vielen Nadelbäumen auf dem großen Parkgelände. Die Sonne schien warm, Vögel sangen in den Bäumen, Käfer krabbelten auf dem Boden, Mücken kreiselten, Ameisen bauten sich eine Straße. Es war eine völlig neue Welt, eine unbekannte, die doch ihre ureigene war. Vor dem Absperrungszaun drängelten sich die Menschen und konnten nicht genug bekommen vom Anblick der tollpatschigen, herzigen Geschwister. Die genossen sichtlich diese Aufmerksamkeit, blickten knopfäugig in die Menge, warfen sich in Pose, ließen sich von den Pflegern lustvoll den Fuchspelz kraulen und winselten vor Begeisterung. Sie waren der Magnet für immer mehr Besucher, von denen kaum jemand einen Fuchs aus nächster Nähe kannte. Und zusehends schwand alle Skepsis. Von Rufus und Ronja ging wahrlich nichts Bedrohliches aus.

Inzwischen hatte auch die Schule für die Füchschen begonnen. Sie sollten lernen, Befehle auszuführen. Befehle, wie sie auch Hunde lernen. Sitz! Platz! Und ein bisschen Agility, wie durch einen Tunnel laufen. Selbstverständlich gegen Belohnung in Form von Leckerchen, was die Motivation zum Lernen ganz entschieden verstärkte. Und es stellte sich bald heraus. dass besonders Rufus schneller lernte als jeder Hund. Sofort reagierte er auf jeden Fingerzeig, las im Gesicht seines Trainers dessen Wünsche ab, alles begriff er blitzschnell. Und verdiente sich damit viele Leckerchen. Er ist eben doch ein schlauer Fuchs.

Karin Tamcke

 

 

 

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