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100 Feuerwehrleute kämpfen rund zwölf Stunden gegen Hausbrand in Kriebitzsch

Zwei leicht verletzte Einsatzkräfte 100 Feuerwehrleute kämpfen rund zwölf Stunden gegen Hausbrand in Kriebitzsch

Kurz vor 22 Uhr wurde am Mittwochabend Feueralarm in Kriebitzsch ausgelöst. In der Rositzer Straße war in einem Doppelhaus eine Brand ausgebrochen. Beim Löscheinsatz verletzten sich zwei Kameraden leicht. Darüber hinaus entstand an und in beiden Haushälften ein Sachschaden, den die Polizei nach einer ersten Schätzungen mit rund 100 000 Euro beziffert.

In der Rositzer Straße in Kriebitzsch zerstörte ein Brand in der Nacht ein Doppelhaus. Betroffen sind zwei Familien.

Quelle: Mario Jahn

Kriebitzsch. Zum Schlimmsten, was passieren kann, gehören Hausbrände. Diesen Horror erlitten am Mittwochabend zwei Familien in Kriebitzsch. Kurz vor 22 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Beim Einsatz verletzten sich zwei Kameraden leicht. Darüber hinaus entstand ein Sachschaden, den die Polizei nach einer ersten Schätzungen mit rund 100 000 Euro bezifferte. Ob sich diese Zahl halten lässt, werden Sachverständige in den kommenden Tagen ermitteln. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Vor Ort bot sich am Donnerstag ein Bild der Verwüstung. Der Schaden für die Betroffenen wird sicher über den rein materiellen Verlusten liegen.

„Seit einer Stunde ist das Feuer komplett aus“, erklärte der Kriebitzscher Ortsbrandmeister Karsten Kröber am Donnerstag gegen 11 Uhr. Der Feueralarm wurde etwa zwölf Stunden zuvor ausgelöst. „Ich habe mit den Eltern Fernsehen geschaut und bin dann hoch in meine Wohnung. Beim Öffnen der Tür schlug mir schon schwarzer Rauch entgegen“, schilderte Thomas Kahnt der OVZ. Er habe noch mit seinem Vater versucht, die Flammen mit Feuerlöschern zu bekämpfen. „Aber wir hatten keine Chance. Es war zu spät“, so der Mann weiter. Er vermutet als Brandursache einen technischen Defekt eines Elektrogerätes in seiner Wohnung.

Während die Männer noch vergeblich versuchten zu löschen, wurde nebenan die sechsjährige Tochter der dortigen Bewohner von Geräuschen geweckt. Als die Eltern – sie wollten angesichts des Unglücks keine Namen nennen – nachschauten, drang bereits Rauch herüber.

Etwa zehn Minuten nach Alarmierung traf die erste Feuerwehr ein, so Körber. Zu diesem Zeitpunkt loderten bereits Flammen aus Thomas Kahnts Wohnung. Wie der Feuerwehrchef der Gemeinde Kriebitzsch berichtete, wurde dann aus dem Kahnt’schen Haus als erstes eine Person gerettet. Damit waren alle sieben Bewohner der Häuser, darunter zwei Kinder, in Sicherheit. Der Höhepunkt der Feuerentwicklung stand aber noch bevor.

Nach der Kriebitzscher Wehr trafen weitere Kameraden aus Rositz, Meuselwitz, Wintersdorf, Monstab und Lödla ein. Sie verlegten über 700 Meter Schlauch zu zwei Hydranten und der Entnahmestelle des Teichs, woraufhin der Löschangriff startete. Beim Anlegen der Atemschutzgeräte, die Masken würden stets kurz vor dem Qualm im Objekt aufgesetzt, so Kröber, ereignete sich die nächste Eskalationsstufe. Die Rauchgase im Haus gerieten mit einer Verpuffung in Brand. Dabei zog sich ein Feuerwehrmann Schnittverletzungen zu und erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung.

Die anschließenden Löscharbeiten verliefen in soweit erfolgreich, dass die Flammen im brennenden Haus bekämpft waren. Die folgende Untersuchung mit Wärmebildkameras ergab jedoch ein trügerisches Bild der Sicherheit. Gegen 1.30 Uhr folgte eine weitere Eskalation: Das Feuer zündete ins Nachbarhaus der jungen Familie durch. Zur Verstärkung griffen nun auch die Feuerwehren aus Starkenberg und Naundorf ein. Insgesamt waren circa 100 Feuerwehrmänner im Einsatz. Bis in den Morgen lief der Kampf gegen alle Glutnester, an dem sich später auch Luckaer Wehr beteiligte, die die Meuselwitzer Drehleiter ablöste.

Nach dem Abzug der Feuerwehren war die Doppelhaushälfte Kahnt nahezu komplett zerstört. Seit 36 Jahren lebt die Familie darin. Möbel, Kleidung Erinnerungen – an die 90 Prozent ihres Hab und Guts vielen den Flammen zum Opfer. „Sie können jetzt alles gebrauchen. Sachspenden, aber auch Geld“, rief eine enge Freundin der Familie zur Hilfe auf. Bis nächste Woche könnten er und seine Eltern im Rositzer Bernsteinhof leben, so Thomas Kahnt. Wie es danach weitergeht, wusste er am Donnerstag noch nicht.

Die junge Familie aus der anderen Haushälfte – erst seit zwei Jahren wohnen sie dort – kam mit den beiden Kindern für den Moment bei Freunden unter. „Hier war alles noch so gut wie neu“, erklärt der Familienvater fix und fertig angesichts der Schäden. In seinem Heim wüteten die Flammen vor allem im Gebälk des Dachstuhls. Neben den Brandschäden, die große Löcher in Dach und Mauern hinterließen, machte auch das Löschwasser sein Haus erst einmal unbewohnbar.

Der bei der Verpuffung verletzte Feuerwehrmann aus Rositz wurde im Krankenhaus etwa eine Stunde ambulant behandelt. Außer ihm verstauchte sich ein weiterer Kamerad beim Einsatz das Fußgelenk. „Es ist schlimm, dass sich die Kameraden verletzten. Aber alle sind glimpflich davongekommen“, so Stefan Kirchner, Ortsbrandmeister in Rositz.

Von Jörg Reuter

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