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Altenburg 1165 bis 1250: Barbarossa und seine Nachfahren weilen wiederholt in Altenburg
Region Altenburg 1165 bis 1250: Barbarossa und seine Nachfahren weilen wiederholt in Altenburg
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00:32 08.07.2015
Friedrich Barbarossa mit seinen Söhnen Heinrich und Friedrich. Miniatur aus der Welfenchronik (Kloster Weingarten, 1179-1191). Heute Landesbibliothek Fulda. Repro Quelle: Repro Peschel
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Aber auch seine beiden Nachfolger aus dem Geschlecht der Staufer auf dem Kaiserthron, Heinrich VI. und Friedrich II., besuchten Altenburg.

Friedrichs erster Sohn, Heinrich VI., weilte im Jahr 1190 in Altenburg, also vor 825 Jahren. Und sein Enkel, Friedrich II., besuchte die Stadt vor 800 Jahren im Jahre 1215. Alle drei waren aber nicht nur einmal hier. Altenburg galt wegen der verkehrsgünstigen Lage in der Kaiserfalz als Zentrum des Pleißenlandes. Hier konnte man bereits existierende Infrastrukturen nutzen.

Friedrich I. besuchte noch weitere sechsmal zwischen 1172 und 1186 Altenburg. Heinrich VI. war 1192 erneut hier und Friedrich II. kam 1216 und 1217 weitere zweimal nach Altenburg. Dazwischen war König Phillip von Schwaben, Bruder Heinrichs VI., nach dessen Tod mehrmals in Altenburg - 1203 und 1206.

Die Kurie, die ein Erbkaisertum verhindern wollte, hatte Otto IV., Sohn Heinrichs des Löwen, der am englischen Königshof erzogen worden war, zur deutschen Krone verholfen. Auch er besuchte 1209 in seiner Funktion als Oberhaupt des Reiches die Stadt Altenburg. Als dieser die vielen Versprechungen gegenüber dem Papst nicht nur nicht erfüllte, sondern die staufische Politik mit deren Personal aus dem niederen Adel weiterführte, spielte die Kurie "die staufische Karte". Man brachte Friedrich II. ins Spiel, der bis dahin elternlos in Palermo auf Sizilien unter der Vormundschaft des Papstes gelebt hatte.

Es ist also nicht Lokalpatriotismus, wenn man von einer größeren Bedeutung Altenburgs in dieser Zeit ausgeht, als ursprünglich angenommen wurde. Denn immerhin besuchten in den Jahren von 1165 bis 1250 die jeweiligen Staatsoberhäupter 16-mal die Stadt, was zugleich eine Auszeichnung, sicher aber auch eine Belastung war.

Die Unterschiede zwischen den drei Kaisern aus dem Geschlecht der Staufer konnten größer kaum sein. Das hatte sicher mehrere Gründe. Das unterschiedliche Alter, das sie erreichten, wirkte sich auf die Dauer der Regierungszeit aus. Die politische Situation, in die sie hineingeboren wurden, war nicht gleich. Aber auch die Charaktereigenschaften der drei Herrscher waren unterschiedlich.

Friedrich I. erreichte ein Alter von 65 Jahren und starb bei einem Unfall. Heinrich VI. wurde nicht einmal halb so alt wie sein Vater. Er verschied plötzlich im Alter von 32 Jahren. Friedrich II. starb im Alter von 56 Jahren, regierte also fast so lange wie sein Großvater.

Friedrich I. wurde von der Mehrheit der Fürsten zum König gewählt. Schon drei Jahre später erreichte er bei seinem ersten Zug über die Alpen nach Rom die Kaiserkrone und konnte noch 30 Jahre in dieser Funktion regieren. Heinrich VI. ließ der Vater mit vier Jahren zum König krönen. 1191 erreichte er die Kaiserkrönung, stand damit nur sechs Jahre an der Spitze des Reiches.

Friedrich II. wurde gar im Alter von zwei Jahren auf Betreiben seines Vaters zum König gewählt. Mit 26 Jahren erlangte er die Kaiserkrönung.

Vorbilder in Bezug auf die Ausübung der Regierungsgewalt im eigenen Lande hätten die Vertreter der Zentralgewalt in Deutschland in den Ländern Frankreich und England beobachten können. Im Unterschied zu diesen beiden Ländern strebten die deutschen Herrscher immer die Kaiserkrone an, gingen sie doch von der irrigen Annahme aus, dass ihnen dieser Titel eine Vormachtstellung in den christlichen Ländern einräumen würde. Die Würde wurde aber oft zu einer zusätzlichen Bürde. Sechsmal zog Friedrich I., auch "Reisekaiser" genannt, nach Italien und überquerte zwölfmal die Alpen. Insgesamt verbrachte er zehn Jahre in Italien. Diese Abwesenheit von Deutschland hatte zur Folge, dass einige Fürsten ihre Stellung festigten.

Vgl. auch www.barbarossa-altenburg.de

Wolfgang Enke

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