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126 Aktenordner und 30 Kisten

126 Aktenordner und 30 Kisten

Sie wurden über Jahrzehnte in großen Auktionshäusern oder aus Privatbesitz gekauft, mitunter auch einfach auf dem Trödelmarkt erstanden.

Altenburg.

Zusammengekommen sind auf diese Weise rund 2000 historische Kartenspiele, gesammelt in 126 Aktenordnern und 30 Kisten. Jetzt hat sich das betagte Berliner Ehepaar Helga und Ernst-Henri Balan von diesem Schatz getrennt und die Sammlung an das Altenburger Schloss- und Spielkartenmuseum verkauft - für 120 000 Euro und damit weit unter Wert.

 

 

 

Oberbürgermeister Michael Wolf spricht von einem "ganz großen Wurf", als der Neuerwerb gestern erstmals auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert wird. "Es war ein gehöriges Stück Arbeit, aber jetzt sind wir einfach nur stolz", sagt der SPD-Politiker, der nicht nur sein Okay gegeben hat, als er durch den renommierten Altenburger Spielkartenexperten Gerd Matthes erstmals von der Möglichkeit des Ankaufs erfuhr. Wolf hat überdies kräftig Sponsoren geworben und die Finanzierung am Ende koordiniert. Denn: "Altenburg ist ja inzwischen dafür bekannt, dass uns die unmöglichen Dinge am meisten reizen".

 

Das finanzielle Engagement von Stiftungen, Bankhäusern und privater Geldgeber haben das Unmögliche also möglich gemacht. Das ist gestern im Schlossmuseum auf einem langen Tisch aufgereiht. 126 Aktenordner mit Klarsichthüllen, in denen sich auf Papier befestigte Spielkarten befinden, darunter beispielsweise Druckbögen mit Volksspielkarten, die 1580 in Augsburg hergestellt wurden. Ein Ordner daneben enthält handkolorierte Tarock-Karten mit Tierbildern - eines von 13 seltenen Tarockspielen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Auch chinesische Karten, die durch ihr ungewöhnliches Format in Form schmaler Streifen dem Besucher ins Auge fallen, gehören zum Fundus. Allein die 300 bedeutendsten Spiele dürften Expertenmeinungen zufolge über 250 000 Euro wert sein.

 

Hinzu kommen noch 30 schwarze Plastikkisten mit unsortierten Kartenspielen - als Geschenk des Ehepaars Balan. "Wir wissen überhaupt noch nicht, was drin ist und erleben so jeden Tag neue Überraschungen", erzählt Museumschefin Uta Künzl, die sich der vor ihrem Team liegenden Aufgabe sehr wohl bewusst ist. Denn alles muss akribisch aufgelistet und katalogisiert werden. Für jedes Spiel rechnet sie mit rund einer halben Stunde. "Wann wir damit fertig sind, lässt sich heute beim besten Willen noch nicht sagen." Um die Neugierde der Besucher zu befriedigen, wird das Museum in einer Sonderausstellung bereits Ende März aber zumindest ein paar Raritäten zeigen. Die Sammlung Balan auf einmal aber wird es nicht zu sehen geben, damit würde man einfach an die räumlichen Grenzen stoßen. Aktuell gehören zur Spielkartensammlung im Museum 10 000 Kartenspiele, die in acht Räumen zu sehen sind.

 

"Der Neuerwerb wird deshalb Stück für Stück in verschiedenen Sonderausstellungen gezeigt werden. Da bieten sich jede Menge Themen an", so Renate Reinhold, die 22 Jahre für die Altenburger Spielkartensammlung verantwortlich war. Obwohl inzwischen in Pension, wird sie sich trotzdem an der Katalogisierung beteiligen. "Denn so etwas habe ich in meiner Amtszeit nie erlebt. Das ist eine große Bereicherung für unser Museum."

 

Das sieht auch der Oberbürgermeister so. Michael Wolf hofft mit dem Kauf der Balan-Sammlung, das Altenburger zu dem bedeutendsten Spielkartenmuseum Deutschlands machen zu können. Langfristig solle sich das Museum in eine "Spielkartenerlebniswelt" verwandeln.

 

 

 

Sponsoren

 

Ernst von Siemens Kunststiftung: 30 000 Euro

 

Schlossverein Altenburg: 25 000 Euro

 

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen: 20 000 Euro

 

Sparkasse Altenburger Land: 20 000 Euro

 

Tipico Co. LTD: 10 000 Euro

 

Kultusministerium des Freistaats Thüringen: 5500 Euro

 

Förderstiftung der VR-Bank Altenburger Land: 5000 Euro

 

Spielkartenfabrik Altenburg: 2500 Euro

 

Commerzbank: 2000 Euro

Ellen Paul

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