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Altenburg 1800 Verzückte in den Altenburger Opernnächten
Region Altenburg 1800 Verzückte in den Altenburger Opernnächten
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00:21 05.07.2018
Orchester, Solisten und nicht zuletzt die Chöre machten die Open-Air-Abende zu einem Opernfest. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Auf einen sonnenreichen Tag folgte eine opernreiche Nacht. So geschehen am Freitag und Sonnabend in Altenburg. Das Geschehen auf dem Markt erinnerte hinsichtlich Stimmung, Atmosphäre, Publikumsinteresse und Opernglanz durchaus etwas an die Arena von Verona, was man hier landläufig für das Nonplusultra allen Operngeschehens unter freiem Himmel hält. Es war aber nur der Altenburger Markt, flächenmäßig überdimensioniert und mit abfallendem Grund und dadurch mit südländischer Architektur mancher Gebäude und warmen Temperaturen durchaus etwas an Italien erinnernd.

Wieder Glück mit dem Wetter

Theater&Philharmonie Thüringen, das Fünfspartentheater in Gera und Altenburg, beendete zum fünften Mal eine Spielzeit mit einem großen Theaterspektakel open air. Der Wettergott ist seit fünf Jahren Altenburg gnädig, Gera leider nicht. So konnten alle bisher zehn geplanten Veranstaltungen in Altenburg im Freien stattfinden, in Gera musste man auch mal unters Dach umziehen, wie zuletzt vor einer Woche. Doch in Altenburg war am Wochenende wieder ein Wetter wie aus Samt und Seide, das am Freitag mit 1100 Besuchern der Skatstadt einen Rekord bescherte. Und am Sonnabend waren es noch einmal um die 700. Das Marktereignis bekam Volksfestcharakter und hat sich dank des guten Zusammenwirkens von Theater und Stadt zum Hauptereignis im Jahresablauf entwickelt. Vier gastronomische Einrichtungen hatten eigens 400 Freiplätze auf dem Markt geschaffen hatten und überzeugten mit passenden Angeboten.

Ein wahres Opernfest

Orchester und Chor sowie die Solistinnen und Solisten einschließlich Chefdirigent Laurent Wagner schienen inspiriert worden zu sein vom Interesse und der Begeisterungsfähigkeit des riesigen Publikums, denn sie bewegten sich alle auf einem künstlerischen Level, das die „Sternstunden der Oper“ zu wahren Sternstunden in der Interpretation werden ließ. Dieser Abend wurde zu einem Opernfest mit Richard Wagner und Verdi. Laurent Wagner, der Spiritus Rector und Leiter all dessen, dirigiert immer sehr intensiv, aber mit welcher Intensität er sich an den beiden Ouvertüren zu Wagners „Tannhäuser“ und Verdis „Macht des Schicksals“ abarbeitete, sprengte den Rahmen des Gewohnten und ließ das Orchester aufnahmefähige Wiedergaben kreieren.

Bei diesem Konzert wiederholt sich, was kürzlich schon zum Bauernhofkonzert in Nöbdenitz festzustellen: Frei allen Bühnenballastes gewinnen Sängerinnen und Sänger bei solchen Auftritten an Format. Durchgehend herausragend ist deren Gesang. Anne Preuß hatte ihre Stimme bei der Hallenarie aus dem „Tannhäuser“ vollkommen unter Kontrolle und überstrahlte mühelos mit ihrem Sopranglanz die Szene in ihrem Ausschnitt aus der Oper „La Gioconda“ von Amicare Ponchielli.

Kraftvoller koreanischer Tenor

Der für eine solche Operngala unerlässliche Tenor ist der koreanische Sänger Kyungho Kim, ausgeliehen von der Oper Leipzig. Kraftvoll stieg er in den Ring und sang, was man ihm aufgetragen hatte: Duette mit Anne Preuß, „Holde Aida“ aus Verdis gleichnamiger Oper und die erste Zugabe als ein Muss für jede große Gala: die Arie des Kalaf „Nessun dorma“. Alles souverän gesungen mit allen Spitzentönen, wie es sich für einen solchen Tenor gehört. Das Publikum nahm es jubelnd an.

Die große Überraschung aber war der hauseigene Bariton Alejandro Larraga Schleske in Arien und Duetten mit Anne Preuß und dem koreanischen Tenor, so unter anderem aus Verdis „Don Carlo“ das Freundschaftsduett als ersten großen Höhepunkt. Er bestach in allen Lagen durch eine hochsensible, weiche wie auch dramatische Stimme, die rund und voll ist und sehr angenehm zu hören. Sein Belcanto-Gesang blieb immer auf Linie und kam wie aus einem Guss. Er verkörpert eine vitale Eleganz.

„Nabucco“ ist ein Höhepunkt

Ein Aktivposten im Programm war die Vereinigung aus dem Theateropernchor und dem Philharmonischen Chor Gera. Er hatte seine Höhepunkte mit dem Freiheitschor aus Verdis „Nabucco“ und mit den Chorpartien aus dem 2. Akt von Verdis „Aida“. Dieses Finale war der Höhepunkt des Programms, an dem auch die finnische Sängerin Pihla Terttunen, Kai Wefer und Ulrich Burdack erfolgreich beteiligt waren. Es war alles zu erleben, was Verdi dieser großen Oper gegeben hat, bis auf die trampelnden Elefanten auf dem Marktpflaster.

Das war ein fulminanter Abschluss kurz vor Mitternacht, angereichert durch Effekte, indem die Aida-Fanfaren sowohl vom Balkon des Rathauses als auch aus dem vierten Stock des gegenüber liegenden Wohnhauses geblasen wurden. Jubel und Beifall wollten kein Ende nehmen und führten zu einer zweiten Zugabe, dem Wach-auf-Chor aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, pikanterweise kurz vor der Bettruhe der über eintausend Gäste von Chor und Orchester eindrucksvoll dargeboten.

Nächstes Jahr: Edith Piaf

Übrigens: Das Open-Air-Ereignis des Theaters 2019 steht schon fest – am 14. und 15. Juni mit Chansons von Edith Piaf und Jacques Brel, dargeboten von Vasiliki Roussi und Dominique Horwitz.

Von Manfred Hainich

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