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Altenburg 20 Jahre Kabarett – die Nörgelsäcke feiern Geburtstag
Region Altenburg 20 Jahre Kabarett – die Nörgelsäcke feiern Geburtstag
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11:34 21.09.2017
Gehören zum Stamm bei den Gößnitzer Nörgelsäcken: Kabarett-Chef Markus Tanger, Micha Kreft und Carsten Heyn (v.l.). Mit ihren Kollegen und Gästen wollen sie am Sonntag Geburtstag feiern. Quelle: privat
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Gössnitz

Das Kabarett Nörgelsäcke wird 20. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! An diesem Sonntag, 24. September, ist es soweit. Den ganzen Tag über geht’s in der Gößnitzer Dammstraße bunt und lustig zu. Und es wird massig Gelegenheit sein, sich an „alte Zeiten“ zu erinnern, wenn sich aktuelle und ehemalige Mitstreiter ein Stelldichein geben. Kabarett-Chef Markus Tanger hofft, dass möglichst viele kommen können und das berühmte „Weißt du noch ...“ oft zu hören sein wird.

Begonnen hat die Geschichte des Kabaretts – kein Witz – mit der Reformation. Merten Moller, einem Bauern, der im 16. Jahrhundert in Gößnitz gelebt haben soll, widmete die Theatergruppe des Heimatvereines 1996 ein Volkstheaterstück mit über 20 Darstellern. Die jüngsten der Gruppe, vier Schüler, wollten unbedingt weiter spielen. Sie brachten ein Jahr später ein Programm mit dem Titel „Gößnitz kommt!“ heraus, in dem lokalpolitische Dinge aufgespießt wurden. Vom Erfolg beflügelt – es wurden in den 20 Vorstellungen in einem Restaurant rund 1500 Zuschauer gezählt –, entschieden sich die vier, die gerade ihr Abitur gemacht hatten, mit dem „Kabarett im Laden“ in der Zwickauer Straße ihr erstes eigenes Theater zu eröffnen.

„Der Laden bot maximal 50 Zuschauern Platz, man saß beengt, die Tür von der Straße öffnete sich direkt in den Zuschauerraum und ließ auch den Straßenlärm fast ungehindert ein. Von der Bühne zur Garderobe gab es eine kleine Tür, bei der wohl alle Darsteller den Kopf einziehen mussten,“ erinnert sich Tanger. Doch gerade dieses Improvisatorische machte den Reiz der kleinen Spielstätte aus. Nicht zu vergessen, dass Gößnitz damit die wohl einzige Stadt war, in der es ein Studentenkabarett gab, aber keine Universität. „De Nargelsäcke“ hießen sie damals noch. Aber so manch Gast wusste mit dem sächsischen Begriff für Nörgeln nichts anzufangen. Vor allen auf Tourneen gab es die kuriosesten Übersetzungen. Als in einer Zeitung zu lesen war, dass die „Sargnägel“ kommen, wurde es Zeit, den Namen einzudeutschen.

2004 zogen die Nörgelsäcke dann in die Dammstraße um und haben hier bis heute ihre feste Bühne. Durch ein kleines Foyer gelangt man in den Vorstellungsraum oder in die „Bar zum vollen Sack“. Über 80 Plätze verfügt das Haus. Bewirtschaft wird die Bar sowie das Publikum vor den Vorstellungen und in den Pausen von den Kabarettisten selbst. Zugleich wurden, ebenfalls 2004, aus den Amateuren Profis. Markus Tanger gründete, damals gemeinsam mit Steffi Dautert, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Seither verdient der heute 39-jährige studierte Kommunkations- und Medienwissenschaftler seinen Lebensunterhalt mit der Unterhaltung anderer Leute.

Bis zu zehn Mal im Monat wird auf der Bühne in Gößnitz gespielt. Dazu kommen noch Gastspiele bei Theatern, Kleinkunstbühnen, Kulturhäusern und Gasthöfen vor allem in Mitteldeutschland. Und im Sommer findet man die Pleißestädter in schöner Regelmäßigkeit an zwei Wochenenden beim Open Air in Garbisdorf. Zudem stehen im Stammhaus in Gößnitz immer mal wieder namhafte Gäste auf der Bühne: Gunter Böhnke, Dieter Hildebrandt, Karl Dall, Ottfried Fischer oder Lilo Wanders, um nur einige zu nennen. Außerdem sind die Gößnitzer aller zwei Jahre Gastgeber für das Treffen der Thüringer Kabarettisten.

Und noch eine wichtige Entscheidung fiel ins Jahr 2004: Auf der Insel Rügen im Ostseebad Baabe wurde eine feste Sommerspielstätte eröffnet, nachdem man 1998 schon mal probeweise, aber überaus erfolgreich gestartet war. Das Kabarett „Lachmöwe“ war geboren und wird seitdem alljährlich von Ostern bis Oktober bespielt. Seit 2015 sind die Nörgelsäcke zudem immer wieder im „Lachgeschäft“ in Gera anzutreffen. Hier gehört Markus Tanger, der als einziger vom vierköpfigen Ursprungsteam übrig geblieben ist, ebenfalls zu den Gründern.

Dieser ziemlich erfolgreiche Weg der einstigen Amateure wurde allerdings 2013 kurzzeitig schwer ausgebremst. Als im Juni bei der Flut halb Gößnitz absoff, wurde auch das Domizil in der Dammstraße verwüstet. Es hat viel Zeit, Nerven und Geld gekostet, alles wieder herzurichten.

Derzeit haben die Nörgelsäcke einen Stamm von neun Kabarettisten, die zum festen Ensemble gehören: Carsten Heyn, Maxim-Alexander Hofmann, Micha Kost, Micha Kreft, Bettina Prokert, Thomas Puppe, Markus Tanger, Enrico Wirth und Norbert Schultz. Die Programme erstellen sie meist selbst, arbeiten aber immer wieder gern mit fremden Autoren und Regisseuren zusammen, um auch eine gewisse Abwechslung zu gewährleisten. Ansonsten haben sie ihren Stil für sich gefunden: Das Polit-Comedy-Kabarett.

Jubiläumsprogramm

Bereits um 11 Uhr gibt es „20 Jahre Kabarett Nörgelsäcke“ um 20 Uhr werden alle Kabarettisten der Nörgelsäcke in einem bunten Mix Ausschnitte aus den aktuellen Programmen präsentieren, befreundete Kollegen werden das Programm bereichern.

Während die Gala schon ausverkauft ist, sind zu allen anderen Veranstaltungen Gäste herzlich willkommen.

Von Ellen Paul

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